Rei­che Schu­le

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In ei­nem Land mit 1,3 Mrd. Men­schen ist es schwer, sich von der Mas­se ab­zu­he­ben. Chi­ne­si­sche El­tern le­gen da­her höchs­ten Wert auf ei­ne gu­te Bil­dung ih­rer Kin­der. Bes­ser ge­sagt: auf gu­te Prü­fungs­er­geb­nis­se. Nur durch in­ten­si­ve Vor­be­rei­tung kön­nen Schü­ler die in ganz Chi­na ein­heit­li­chen Tests meis­tern und es in die be­gehr­ten Eli­te­uni­ver­si­tä­ten in Pe­king oder Schang­hai schaf­fen. Wer den Weg ins Aus­land geht, muss zu­dem in in­ter­na­tio­na­len Prü­fun­gen wie TOEFL oder GMAT sehr gu­te Eng­lisch­kennt­nis­se nach­wei­sen.

Chi­ne­si­sche Schü­ler sind von der Pri­mar­schu­le an ge­wöhnt, mit Hil­fe von «Tu­to­ri­als» – Nach­hil­fe – ih­re Leis­tung zu ver­bes­sern. Na­tio­na­ler Markt­füh­rer ist New Ori­en­tal Edu­ca­ti­on and Tech­no­lo­gy (NY­SE EDU, 25.63 $ am Don­ners­tag, 4 Mrd. $ Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung). Die Grup­pe, de­ren Ame­ri­can De­po­si­ta­ry Re­ce­ipts (ADR) an der NY­SE ge­han­delt wer­den, un­ter­rich­tet Schü­ler ab dem fünf­ten Le­bens­jahr, Kin­der und Er­wach­se­ne. Ne­ben über fünf­hun­dert Fi­lia­len wird in Yang­zhou, sechs­hun­dert Ki­lo­me­ter von Schang­hai ent­fernt, auch ei­ne ei­ge­ne Pri­vat­schu­le mit 4000 Schü­lern be­trie­ben. Wie im ver­gan­ge­nen Jahr wird auch für 2012 die Er­öff­nung von über hun­dert neu­en Kurs­zen­tren er­war­tet. Seit Grün­dung 1993 hat New Ori­en­tal 12 Mio. Schü­ler un­ter­rich­tet.

Pre­mi­um­an­ge­bot wächst

New Ori­en­tal er­öff­net ver­mehrt klei­ne Fi­lia­len, die schnel­ler ren­tie­ren. Das Pre­mi­um­an­ge­bot wird über das Vip-seg­ment mit per­sön­lich an­ge­pass­tem Un­ter­richt aus­ge­baut. Im letz­ten Jahr sind die Schü­ler­zah­len in die­sen höher­mar­gi­gen Kur­sen um 42% ge­wach­sen, der Um­satz­an­teil be­trägt nun ein Drit­tel.

Das ste­ti­ge Wachs­tum des Kon­zerns ist be­ein­dru­ckend. Der Um­satz ist in den letz­ten Jah­ren 30 bis 50% per an­num ge­wach­sen. Im ver­gan­ge­nen Quar­tal lag der Um­satz 44% hö­her als im Vor­jahr, der ope­ra­ti­ve Ge­winn stieg im­mer­hin um 17%. Ge­mäss CFO Lou­is Hsieh funk­tio­niert das Kon­zept von New Ori­en­tal auch in wirt­schaft­lich schwie­ri­ge­ren Zei­ten. Dann sei ei­ne «Flucht in Qua­li­tät» zu be­ob­ach­ten: Schü­ler woll­ten si­cher­ge­hen, dass sich ih­re Bil­dungs­in­ves­ti­ti­on lohnt und wür­den den Markt­füh­rer be­vor­zu­gen.

Statt­li­che Be­wer­tung

Für das lau­fen­de Quar­tal wird ein schwä­che­res Um­satz­wachs­tum vor­her­ge­sagt. Der Grund: Das chi­ne­si­sche Neu­jahr fand 2012 be­son­ders früh statt. Da­durch wur­den die Win­ter­schul­fe­ri­en kür­zer, für Nach­hil­fe­kur­se blieb we­ni­ger Zeit. Für das nächs­te Quar­tal er­war­tet Hsieh aber bes­se­re Ge­schäf­te durch ei­nen Nach­ho­lef­fekt. Die An­kün­di­gung des schwä­che­ren Um­satz­wachs­tums liess die Ak­tie Mitte Ja­nu­ar trotz­dem um 10% ein­bre­chen.

Da­mit sind die Ti­tel noch im­mer statt­lich be­wer­tet. Für die nächs­ten zwölf Mo­na­te wird das Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) auf 23 ge­schätzt. Die Wachs­tums­er­war­tun­gen sind al­so hoch – die Va­lo­ren dürf­ten wohl er­neut mit mas­si­ven Ab­ga­ben re­agie­ren, falls die Er­war­tun­gen neu­er­lich ver­fehlt wer­den. Da­ne­ben gel­ten die all­ge­mei­nen Be­den­ken zu chi­ne­si­schen Ti­teln: Ängs­te um in­trans­pa­ren­te Un­ter­neh­mens- und un­zu­ver­läs­si­ge Buch­füh­rung be­las­ten oft.

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