Grie­chen­land – ein Stück wei­ter ge­ret­tet

Ei­ni­gung mit Troi­ka in ent­schei­den­den Punk­ten – Es feh­len 325 Mio. € – Pein­lich ge­naue Über­wa­chung der Im­ple­men­ta­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - TOMMASO MANZIN

IWF, Eu­rog­rup­pe, EZB ( Troi­ka), der in­ter­na­tio­na­le Ban­ken­ver­band IIF und Hel­las rau­fen sich vi­el­leicht doch noch zu­sam­men. Und ein we­nig er­war­ten ja al­le, dass das mo­na­te­lan­ge Tau­zie­hen auf höchs­ter Ebe­ne, flan­kiert von je­der denk­ba­ren Ex­per­ti­se, nicht in den un­kon­trol­lier­ten Ab­sturz mün­det. Selbst die Skep­sis in Pres­se und Öko­no­men­zunft scheint oft mehr in pro­fes­sio­nel­ler Pflicht – und manch­mal At­ti­tü­de – zu grün­den als in ei­ner Über­zeu­gung, auf die man Geld set­zen wür­de. Auch der Markt rech­net nicht mit dem Gau: Die im März fäl­li­ge grie­chi­sche Staats­an­lei­he über 14,4 Mrd. € nimmt mit dem Kurs von 39% seit Wo­chen den­sel­ben Schul­den­schnitt von 60 bis 70% vor­weg.

Ein An­fang mit Rück­schlä­gen

Am Don­ners­tag mach­te sich gar so et­was wie Er­lö­sungs­sehn­sucht breit. Die Nacht hat­te ei­ne kon­kre­te Ve­rän­de­rung ge­bracht: Aus At­hen kam die Mel­dung, die Spit­zen­par­tei­en hät­ten die von der Troi­ka ver- lang­ten Spar­mass­nah­men ak­zep­tiert, aus­ser den Ren­ten­kür­zun­gen. Ei­ne Un­schön­heit, zu­ge­ge­ben. Aber des­we­gen wür­de doch kein mög­li­cher An­fang vom En­de der Kri­se aufs Spiel ge­setzt – oder?

Doch. Die Eu­rog­rup­pe blieb am Don­ners­tag­abend ei­sern. Will Hel­las die Rent­ner scho­nen, muss es an­ders­wo 325 Mio. € spa­ren – wohl beim Mi­li­tä­re­tat so­wie bei den Be­am­ten, ver­mu­tet die Ta­ges­zei­tung «Eka­thi­mer­i­ni». Wei­ter ver­langt Brüs­sel, dass die Spar­ge­set­ze am Sonn­tag vom Par­la­ment ver­ab­schie­det wer­den. Da­mit nicht ge­nug: Die drei gros­sen Par­tei­en des Lan­des sol­len ein Ab­kom­men un­ter­zeich­nen, das sie über Neu­wah­len hin­aus dar­an bin­det. Of­fen­bar hält die Troi­ka die Un­ter­schrift von Par­tei­en – Ver­ei­nen? – für völ­ker­recht­lich bin­den­der als der Be­schluss des Ge­setz­ge­bers und ein Ver­trag mit der Re­gie­rung.

Nach­dem fast ein Jahr ver­han­delt wur­de, scheint sich jetzt al­les um Ta­ge zu dre­hen: Setzt Hel­las die For­de­run­gen um, könn­ten nach Eu­ro­grup­pen­chef Je­anClau­de Juncker die Fi­nanz­mi­nis­ter am Mitt­woch ei­ne Aus­zah­lung be­schlies­sen.

Den Grie­chen wird nicht mehr ge­traut. Die Troi­ka fürch­tet in­des nicht nur in­trans­pa­ren­te «Ge­schen­ke» der Er­bau­er des Tro­ja­ni­schen Pferds, son­dern auch Ge­schen­ke an die Hel­le­nen. Das ist die Leh­re aus den Im­ple­men­tie­rungs­sümp­fen des ers­ten Pa­kets von 2010.

Marsch­plan des Voll­zugs

Eu-wäh­rungs­kom­mis­sar Ol­li Rehn will da­her den deutsch-fran­zö­si­schen Vor­schlag ei­nes Son­der­fonds prü­fen, ei­ne Art Sperr­kon­to, auf das Geld für die Ab­zah­lung von Schul­den flies­sen soll. Dies wür­de si­cher­stel­len, dass Ob­li­ga­tio­nä­re im­mer zu ih­rem Geld kä­men – At­hen in­des nur dann, wenn es «ko­ope­riert».

Be­reits klar ist das Aus­te­ri­täts­aus­mass: Der IWF ver­langt Ein­spa­run­gen von 1,5% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) oder 3,3 Mrd. € im lau­fen­den und wei­te­re 5% bis 2015. Bis dann wer­den die Sa­lä­re der Staats­die­ner um 0,5% des BIP ge­senkt, die Stel­len um 150 000, da­von al­lein in die­sem Jahr 15 000. Der Min­dest­lohn – ei­ne der Bas­tio­nen, an de­nen Hel­las bis zu­letzt fest­hielt – schrumpft 20%. Um die Ver­schul­dung von 160% des BIP bis 2020 auf nach­hal­ti­ge­re 120% zu trim­men, wie es die EU for­dert, müs­sen zu­dem die pri­va­ten Gläu­bi­ger Hair­cuts hin­neh­men.

De­ren Be­tei­li­gung an der Um­schul­dung (Pri­va­te Sec­tor In­vol­ve­ment, PSI) ist in­te­gra­ler Be­stand­teil der Troi­ka-for­de­run­gen. Ein An­ge­bot muss bis zum 13. Fe­bru­ar vor­lie­gen, um die For­ma­li­tä­ten bis zum Ver­fall am 20. März zu er­le­di­gen. Of­fen­bar sind die Pri­va­ten jetzt be­reit, auf 50% des No­mi­nals zu ver­zich­ten und in 30-jäh­ri­ge Bonds mit ei­nem Durch­schnitts­cou­pon von 3,6% zu tau­schen. Dies kä­me der von der Troi­ka ge­for­der­ten Ver­zin­sung un­ter 4% ent­ge­gen. Ein Spre­cher des IIF er­klär­te, man sei zu­ver­sicht­lich, das gan­ze Pa­ket in­klu­si­ve PSI auf der Ba­sis der Ver­ein­ba­run­gen vom Ok­to­ber 2011 am Eu­ro­grup­pen­tref­fen vom 15. Fe­bru­ar ab­zu­schlies­sen.

Un­klar ist die Rol­le der EZB. Es wird auch in die­ser Fra­ge ein Lö­sung bis Mitt­woch er­war­tet. Je­an-clau­de Juncker liess durch­bli­cken, dass ei­ne Be­tei­li­gung der No­ten­bank er­wünscht sei.

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