Chi­na kauft we­ni­ger

Ja­nu­ar-im­por­te 15,3% tie­fer als im Vor­jahr – Yuan auf Re­kord­hoch

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ET/AT

Der Aus­sen­han­del Chi­nas schrumpft – zum ers­ten Mal seit zwei Jah­ren. Die Ex­por­te des Reichs der Mitte sind im Ja­nu­ar im Ver­gleich zum Vor­jahr um 0,5%, die Im­por­te so­gar um 15,3% zu­rück­ge­gan­gen. Durch die stär­ker sin­ken­den Im­por­te ist der Han­dels­bi­lanz­über­schuss auf ein Sechs­mo­nats­hoch von 27,3 Mrd. $ ge­stie­gen. Fast al­le Un­ter­neh­men hat­ten wäh­rend der Wo­che des chi­ne­si­schen Neu­jahrs ge­schlos­sen. Die Fest­ta­ge wa­ren in die­sem Jahr sehr früh ge­le­gen, da­durch ist der Jah­res­ver­gleich ver­zerrt. Oh­ne die­se Be­son­der­heit wä­ren die Ex­por­te um 10,3% und die Im­por­te um 1,5% ge­stie­gen, ver­kün­de­te die Zoll­be­hör­de.

Um­strit­ten ist, ob die Im­por­te un­ter ei­ner lang­fris­tig schwä­che­ren Nach­fra­ge lei­den oder ob der Rück­gang nur «sai­so­nal» be­dingt war. Tat­sa­che ist, dass die sin­ken­den Roh­stoff­prei­se, et­wa für Ei­sen­erz und Ba­sis­me­tal­le, die Im­port­zah­len zu­rück­ge­hen lies­sen. Für die chi­ne­si­sche Wirt­schaft sind güns­ti­ge­re Roh­wa­ren­prei­se gut – ob­schon das Land für vie­le Roh­stof­fe zu den gröss­ten Pro­du­zen­ten

Bei­trag Ex­port­wachs­tum Chi­na der Welt ge­hört, ist es auf Im­por­te an­ge­wie­sen, um den enor­men In­ves­ti­ti­ons­auf­wand leis­ten zu kön­nen.

Ge­rin­ge­re Im­port­zah­len müs­sen zu­dem nicht zwin­gend auf ei­ne Ab­küh­lung der chi­ne­si­schen Wirt­schaft wei­sen. Nicht nur die kon­su­mie­ren­de Mit­tel­schicht wird in ra­san­tem Tem­po grös­ser, auch die Zahl in­län­di­scher Un­ter­neh­men, die – qua­li­ta­tiv hoch­ste­hen­de – Gü­ter für den Bin­nen­kon­sum her­stel­len, wächst. Das bis­lang so ex­port­las­ti­ge Wirt­schafts­mo­dell Chi­nas be­ginnt auf meh­re­ren Füs­sen zu ste­hen.

In Be­zug auf die Ex­por­te ist Chi­na eng mit dem Kon­junk­tur­ver­lauf Eu­ro­pas und Ame­ri­kas ver­bun­den, ob­wohl der in­ner­asia­ti­sche Han­del kon­ti­nu­ier­lich zu­nimmt. Fällt der Wes­ten in ei­ne Re­zes­si­on, lei­det Chi­na, ei­ne Ab­kop­pe­lung gibt es nicht. Die EU ist mit ei­nem An­teil von 29% der wich­tigs­te Ab­neh­mer chi­ne­si­scher Ex­por­te, auf den Plät­zen zwei und drei fol­gen die USA und Hong­kong mit 27 und 20%. Nach Ja­pan ge­hen 11 und nach Süd­ko­rea 7% der Aus­fuh­ren Chi­nas.

Der gros­se Han­dels­über­schuss führt zu ei­nem Auf­wärts­druck auf den Ren­min­bi. Der Druck hat jüngst et­was ab­ge­nom­men. Der Zu­wachs an De­vi­sen­re­ser­ven ver­lief lang­sa­mer, da sich der Han­dels­über­schuss im letz­ten Jahr ver­rin­ger­te. Zu­dem hat die glo­ba­le Ri­si­ko­aver­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Eu­ro­kri­se den Dol­lar fes­ter no­tie­ren las­sen. Re­al hat sich der Ren­min­bi 2011 ge­gen­über dem Dol­lar 6% auf­ge­wer­tet. Am Frei­tag no­tier­te er zeit­wei­se un­ter 6,29 Yuan/$, das ist ein 18-Jah­res­hoch. Soll­te das Wachs­tum in Chi­na je­doch deut­li­cher ab­neh­men als er­war­tet, dürf­te Pe­king von ei­ner Ab­wer­tung der Wäh­rung nicht zu­rück­schre­cken, um die wei­ter do­mi­nan­te Ex­port­wirt­schaft auf Kurs zu hal­ten.

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