Wenn die In­fla­ti­on kommt

Lang­fris­tig bie­ten Ak­ti­en ei­ne be­acht­li­che Ri­si­ko­prä­mie – Der Schutz ge­gen In­fla­ti­on ist un­zu­rei­chend

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER ROHNER

Die Preisfrage lau­tet: Müs­sen wir uns auf ein de­fla­tio­nä­res Um­feld oder ei­ne Pha­se mit ho­her In­fla­ti­on ein­stel­len? Vie­le Öko­no­men und Stra­te­gen sind sich ei­nig, dass in den ent­wi­ckel­ten In­dus­trie­staa­ten vor­der­hand die De­fla­ti­ons­ge­fahr über­wiegt. Län­ger­fris­tig droht je­doch we­gen der ex­trem ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik der letz­ten Jah­re ei­ne er­höh­te In­fla­ti­ons­ge­fahr. Auch dass der Schul­den­ab­bau nur mit deut­lich hö­he­ren In­fla­ti­ons­ra­ten zu be­wäl­ti­gen sei, ist ein oft vor­ge­brach­tes Ar­gu­ment. Als lang­fris­tig preis­trei­ben­der Fak­tor gilt zu­dem der struk­tu­rel­le Nach­fra­ge­boom der Schwel­len­län­der. Die Stra­te­gen von So­cié­té Gé­né­ra­le er­war­ten an­ge­sichts der neu­en Mit­tel­schicht in Chi­na, In­di­en und an­de­ren Schwel­len­län­dern, dass das glo­ba­le Gleich­ge­wicht zwi­schen An­ge­bot und Nach­fra­ge in ei­nen deut­li­chen Nach­fra­ge­über­schuss kip­pen wird. Nach Jah­ren, die von ei­ner Aus­wei­tung der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät vor al­lem in Asi­en und ei­nem all­ge­mei­nen Rück­gang der Teue­rung ge­prägt war, fol­ge nun ei­ne Pe­ri­ode mit hö­he­ren In­fla­ti­ons­ra­ten.

In Sach­wer­te in­ves­tie­ren

Für In­ves­to­ren ist die Ent­wick­lung der In­fla­ti­ons­ra­te von zen­tra­ler Be­deu­tung, da sie den Wert der meis­ten Fi­nanz­ver­mö­gens­wer­te ero­diert. Die Kauf­kraft ei­nes heu­te zur Sei­te ge­leg­ten Fran­kens schrumpft. Des­halb sind Sach­wer­te vor­zu­zie­hen. Ak­ti­en wer­den oft als An­la­ge mit In­fla­ti­ons­schutz ge­prie­sen, da der An­le­ger ei­nen rea­len Ge­gen­wert er­hält: Er wird Teil­ha­ber der Ge­sell­schaft. Auch In­ves­ti­tio­nen in Im­mo­bi­li­en wer­den als Schutz vor In­fla­ti­on auf­ge­führt – und na­tür­lich Edel­me­tal­le, al­len vor­an Gold, die Hart­wäh­rung per se. Für no­mi­nel­le fest­ver­zins­li­che Wert­pa­pie­re wie An­lei­hen ist da­ge­gen ein An­stieg der In­fla­ti­ons­ra­te der gröss­te Feind, da sie, wie der Na­me sagt, ei­nen fes­ten no­mi­na­len Zins ab­wer­fen, der wie der Ka­pi­tal­be­trag je­des Jahr re­al an Wert ver­liert.

Zahl­rei­che em­pi­ri­sche Stu­di­en wei­sen aber dar­auf hin, dass Ak­ti­en ent­ge­gen der Re­al­wert­theo­rie we­nig Schutz vor In­fla­ti­on bie­ten. Als Grund da­für wer­den zum ei­nen die mit der Teue­rung stei­gen­den Zin­sen ge­nannt, die die Dy­na­mik der Wirt­schaft und der Un­ter­neh­men brem­sen kön­nen. Schäd­lich kön­nen auch die all­ge- mei­nen Pro­ble­me ei­ner Volks­wirt­schaft sein, wenn die In­fla­ti­on in Hy­per­in­fla­ti­on – da­mit be­zeich­net man ei­ne Jah­res­teue­rung von mehr als 50% – mün­det. In ei­ner neu­en Stu­die ha­ben Wis­sen­schaft­ler der London Bu­si­ness School in Zu­sam­men­ar­beit mit der Cre­dit Suis­se eben­falls die Ent­wick­lung ver­schie­de­ner An­la­ge­klas­sen in Zei­ten von In­fla­ti­on und De­fla­ti­on un­ter­sucht. In der his­to­ri­schen Ana­ly­se von 19 ver­schie­de­nen Län­dern über ei­nen Zei­t­raum von 112 Jah­ren sind sie auf ähn­li­che Ergebnisse ge­stos­sen. Ak­ti­en bie­ten nur be­schränkt In­fla­ti­ons­schutz, sie sind aber we­ni­ger ver­letz­lich als Bar­geld und no­mi­nel­le An­lei­hen. Im Durch­schnitt ver-

Rea­le jähr­li­che Ak­ti­en- und An­lei­hen­er­trä­ge und In­fla­ti­on

Jähr­li­che rea­le Er­trä­ge und In­fla­ti­on Ein si­che­rer Schutz ge­gen Geld­ent­wer­tung bie­ten, wie der Na­me schon sagt, die in­fla­ti­ons­ge­schütz­ten An­lei­hen. Die in der Re­gel von Staa­ten her­aus­ge­ge­be­nen An­lei­hen wer­fen ei­nen rea­len Zins ab und sind an die Kon­su­men­ten­prei­se ge­bun­den. Wer­den die An­lei­hen bis Ver­fall ge­hal­ten, ist ei­ne his­to­ri­sche Ana­ly­se zur Schät­zung der Re­al­ren­di­te über­flüs­sig, denn ihr rea­ler Zins ent­spricht per De­fi­ni­ti­on dem rea­len Er­trag. Der­zeit sind die Ren­di­ten der so­ge­nann­ten Lin­kers je­doch sehr be­schei­den. Für bri­ti­sche, deut­sche und Us-an­lei­hen mit zehn­jäh­ri­ger Lauf­zeit sind sie so­gar ne­ga­tiv.

Die Au­to­ren kom­men zum Schluss, dass Ak­ti­en zwar nicht vor In­fla­ti­on schüt­zen, die Ak­tio­nä­re aber über den lan­gen Zei­t­raum in den Ge­nuss ei­ner sub­stan­zi­el­len Ak­ti­en­ri­si­ko­prä­mie ge­kom­men sind (vgl. Ta­bel­le). Des Wei­te­ren emp­feh­len sie, das Ak­ti­en­port­fo­lio auf Län­der zu di­ver­si­fi­zie­ren, um der In­fla­ti­on im In­land we­ni­ger stark aus­ge­lie­fert zu sein.

Hy­per­in­fla­ti­on in Sim­bab­we: 2008 ver­dop­pel­ten sich die Prei­se bin­nen 24 St­un­den.

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