Kup­fer & Co. im Clinch mit der chi­ne­si­schen

Chi­nas Kon­junk­tur ist Haupt­trei­ber der Prei­se von Ba­sis­me­tal­len – Re­ba­lan­cing der Wirt­schaft von In­ves­ti­tio­nen zum Kon­sum führt zu Nach­fra­ge­ein­bruch – In Kup­fer ist

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - ELI­SA­BETH TES­TER

Die Fu­si­on der Su­per­la­ti­ve. Für ein­mal trifft das oft ver­wen­de­te Wort zu: Durch das ge­plan­te Zu­sam­men­ge­hen von Glencore und Xstra­ta ent­stün­de das welt­weit viert­gröss­te Berg­bau­un­ter­neh­men (vgl. Sei­te 12). Sein in­te­grier­tes Ge­schäfts­mo­dell – Pro­duk­ti­on, Han­del, Ver­kauf – wä­re weg­wei­send für die ge­sam­te Roh­stoff­bran­che.

Nicht nur Ak­ti­en­ana­lys­ten soll­ten sich für den Mer­ger in­ter­es­sie­ren: Die Art und Wei­se, wie der neue Su­per­kon­zern sei­ne Markt­macht nut­zen wird, be­trifft die Roh­stoff­kon­su­men­ten welt­weit. Die Roh­wa­ren­märk­te fol­gen ei­ge­nen, oft in­trans­pa­ren­ten Ge­set­zen, bi­la­te­ra­le Ab­spra­chen sind an der Ta­ges­ord­nung. Das ist nicht nur schlecht. Hät­ten ge­wis­se Pro­du­zen­ten kei­ne Ab­nah­me­ga­ran­ti­en oder In­si­der­infor­ma­tio­nen, wä­ren ih­re Ri­si­ken (zu) hoch und der In­ves­ti­ti­ons­an­reiz ge­ring. Das An­ge­bot wür­de sich wei­ter ver­knap­pen. Aber ei­ne Ve­ren­gung des Wett­be­werbs ist nicht wün­schens­wert. Das Öl­kar­tell Opec lässt grüs­sen.

Roh­stoff­ge­sell­schaf­ten do­mi­nie­ren spo­ra­disch die Un­ter­neh­mens-news. Die Rohwaren selbst sind seit ein paar Jah­ren zum all­ge­gen­wär­ti­gen The­ma ge­wor­den. Peak Oil, ver­hee­ren­de Na­tur­er­eig­nis­se, Hun­gers­nö­te so­wie Preis­spit­zen in ver­schie­de­nen Wa­ren scha­de­ten welt­weit ei­ner brei­ten Be­völ­ke­rung. Die im Zu­ge der Fi­nanz­kri­se vo­la­ti­le­ren Roh­wa­ren­märk­te er­schwe­ren für Ab­neh­mer die Kal­ku­la­ti­on, ver­teu­ern die Preis­ab­si­che­rungs­kos­ten (Hedges) und ent­mu­ti­gen vie­le Pro­du­zen­ten zu in­ves­tie­ren. Es ist ein Teu­fels­kreis: Die Vo­la­ti­li­tät ver­hin­dert die In­ves­ti­tio­nen, die nö­tig wä­ren, um ein kom­for­ta­bles An­ge­bot be­reit­zu­stel­len, das die Preis­schwan­kun­gen dämpft.

Alu­mi­ni­um ist güns­tig

In den kon­junk­tur­sen­si­ti­ven Ba­sis­me­tal­len ist die An­ge­bots­si­tua­ti­on un­ein­heit­lich. Alu­mi­ni­um et­wa ver­zeich­ne­te 2011 trotz stei­gen­der Nach­fra­ge ei­nen An­ge­bots­über­schuss. We­gen der mo­de­ra­ten Prei­se und der sich ver­teu­ern­den Pro­duk­ti­on dürf­ten die­ses Jahr ei­ni­ge Hoch­kos­ten­be­trie­be ge­schlos­sen wer­den und der Markt ein Gleich­ge­wicht fin­den. Die La­ger sind je­doch hoch, was zu ei­ner Hy­po­thek für die Alu­mi­ni­um­prei­se wer­den könn­te.

Kup­fer hin­ge­gen wird ge­mäss dem Bro­ker­haus Na­ti­xis 2012 in ein deut­li­ches An­ge­bots­de­fi­zit fal­len. Die Nach­fra­ge Chi­nas steigt ra­pi­de, nach dem mar­kan­ten La­ger­ab­bau 2011. Die Kup­fer­för­de­rung aus den wich­tigs­ten Pro­du­zen­ten­län­dern in Süd­ame­ri­ka bleibt be­grenzt. Gros­se neue Mi­nen wie die mon­go­li­sche Oyu Tol­goi ge­hen erst ab 2013 in Be­trieb.

Der Kon­sens lau­tet, die kurz­fris­ti­ge Preis­ent­wick­lung sei kon­junk­tu­rell be­dingt un­si­cher – Kri­se in Eu­ro­pa, lang­sa­mer Auf­schwung in den USA und sich ab­küh­len­de Schwel­len­län­der –, aber län­ger­fris­tig wür­den die No­tie­run­gen der Me­tal­le deut­lich stei­gen. Oder doch nicht?

Zwei La­ger ste­hen sich ge­gen­über: pro und con­tra Chi­na. Das Land war in den letz­ten zwei Jah­ren für 40% des glo­ba­len Kup­fer­ver­brauchs ver­ant­wort­lich, in an­de­ren Me­tal­len lag der An­teil über 50%. Roh­stoff­bul­len ar­gu­men­tie­ren, auch ein deut­lich ge­rin­ge­res Wachs­tum der chi­ne­si­schen Wirt­schaft rei­che aus, um die Me­tall­prei­se nach oben zu trei­ben, da der Be­darf in ab­so­lu­ten Zah­len im­mer noch mar­kant stei­ge. Da­zu kom­me die roh­stoff­in­ten­si­ve Ent­wick­lung In­di­ens und an­de­rer Schwel­len­län­der.

Re­ba­lan­cing tut weh

Auf der an­de­ren Sei­te war­nen nam­haf­te Öko­no­men wie Micha­el Pettis, Fi­nanz­pro­fes­sor an der Pe­king Uni­ver­si­ty, vor ei­ner gra­vie­ren­den Zä­sur. Das Re­ba­lan­cing der chi­ne­si­schen Wirt­schaft in Rich­tung mehr Kon­sum und we­ni­ger In­ves­ti­tio­nen füh­re in Bäl­de zu ei­ner mar­kan­ten Kor­rek­tur der Ba­sis­me­tall­kur­se. Die Nach­fra­ge nach Non-food-rohwaren wer­de dras­tisch sin­ken. Der im­mer hö­her wer­den­de An­teil der In­ves­ti­tio­nen am Brut­to­in­land­pro­dukt Chi­nas ha­be ei­ne Grös­sen­ord­nung er­reicht, die ei­ne Ad­jus­tie­rung un­ver­meid­lich ma­che, ar­gu­men­tiert Pettis. Ein Re­ba­lan­cing sei je­doch nur mög­lich, wenn der Pri­vat­kon­sum schnel­ler wach­se als das BIP. Das ge­schieht nur, wenn die In­ves­ti­tio­nen zu­rück­ge­hen oder der Han­dels­über­schuss Chi­nas in ein rasch wach­sen­des De­fi­zit kippt, was ein deut­lich ge­rin­ge­res Bip-wachs­tum zur Fol­ge hät­te. So oder so füh­re je­des Re­ba­lan­cing zu ei­nem Ein­bruch der In­ves­ti­tio­nen – im op­ti­mis­ti­schen Fall er­war­tet Pettis ei­nen Rück­gang von gut 30%, rea­lis­tisch sei­en 50%. Wel­ches La­ger recht be­hält, dürf­te sich in ein bis zwei Jah­ren zei­gen.

2011 war aus­ser in Roh­öl und Gold für An­le­ger ein schlech­tes Roh­stoff­jahr. Ba­sis-

Kup­fer ist re­zy­klier­bar, Agrar­roh­stof­fe wach­sen nach – den­noch dürf­ten die

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