Agrar­gü­ter ste­hen vor schwie­ri­gem Jahr

Zu­cker, Baum­wol­le und Wei­zen dürf­ten ein­büs­sen – Er­folg wird Mais zum Ver­häng­nis – Ro­bus­te Pro­gno­sen für Ka­kao, Kaf­fee und So­ja

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - MI­SCHA STÜNZI

2012 wird ein schwie­ri­ges Jahr für Agrar­roh­stof­fe. «Wir er­war­ten, dass Soft Com­mo­di­ties die­ses Jahr zu den schwächs­ten An­la­ge­klas­sen ge­hö­ren», blickt Bar­clays Ca­pi­tal we­nig op­ti­mis­tisch in die Zu­kunft. Die seich­te Welt­kon­junk­tur hemmt die Nach­fra­ge. Gleich­zei­tig dürf­te das An­ge­bot bei den meis­ten Agrar­roh­stof­fen stei­gen. Die ho­hen Prei­se im ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben den An­bau ge­för­dert und die Pro­gno­sen ver­spre­chen güns­ti­ge­res Wet­ter als in den zwei letz­ten Jah­ren. Es stellt sich zu­dem die Fra­ge: Ha­ben die An­le­ger den nö­ti­gen Ri­si­ko­ap­pe­tit, um in Soft Com­mo­di­ties zu in­ves­tie­ren? Nein, schätzt Man-ana­lyst Sä­mi Boss­art.

Um­strit­te­ne Spe­ku­lan­ten

Wer lang­fris­ti­ge Pro­gno­sen über die Preis­ent­wick­lung von Agrar­roh­stof­fen macht, lehnt sich weit aus dem Fens­ter. Nicht nur die Ab­hän­gig­keit vom Wet­ter setzt den Hoch­rech­nun­gen Gren­zen. An­de­re Fak­to­ren kom­men er­schwe­rend da­zu: So las­sen sich ei­ni­ge Wa­ren leicht sub­sti­tu­ie­ren. Steigt et­wa der Mai­s­preis – wie im ver­gan- ge­nen Som­mer –, ver­füt­tert der Schwei­ne­züch­ter sei­nen Tie­ren So­ja statt Mais. Auf der an­de­ren Sei­te re­agiert das An­ge­bot rasch und fle­xi­bel auf Preis­ver­än­de­run­gen – die Bau­ern pflan­zen mehr Mais an. An­ge­bot und Nach­fra­ge und da­mit die Prei­se für Soft Com­mo­di­ties sind in ei­ner kom­ple­xen ge­gen­sei­ti­gen Ab­hän­gig­keit.

Um­strit­ten ist der Ein­fluss der Spe­ku­lan­ten auf die Roh­stoff­prei­se. Bei den Agrar­gü­tern wird die­se Fra­ge be­son­ders hef­tig dis­ku­tiert. Wer in Nah­rungs­mit­tel in­ves­tie­re, er­hö­he die Le­bens­hal­tungs­kos­ten der Men­schen in är­me­ren Re­gio­nen der Welt, so der Vor­wurf der Kri­ti­ker.

Be­für­wor­ter hal­ten da­ge­gen: Weil Spe­ku­la­ti­on nur an den Fu­tures-märk­ten statt­fin­de und nicht im Han­del mit phy­si­schen Gü­tern, be­ein­flus­se sie die ef­fek­ti­ven Wa­ren­prei­se nicht. Die Wahr­heit liegt wohl ir­gend­wo da­zwi­schen. Oder wie es der Chef der Us-roh­stoff­han­dels­be­hör­de CFTC, Bart Chil­ton, aus­drückt: «Ich glau­be nicht, dass die In­ves­to­ren die Prei­se len­ken. Aber sie drü­cken auf das Gas­pe­dal.» We­der Kri­ti­ker noch Be­für­wor­ter zwei­feln dar­an, dass die Roh­stoff­märk­te oh­ne Spe­ku­lan­ten zu we­nig li­qui­de wä­ren, um ei­nen re­gu­lä­ren Han­del zu ga­ran­tie­ren.

Ob­wohl die Pro­gno­sen teils aus­ein­an­der ge­hen, in ei­nem Punkt sind sie sich ei­nig: Zu­cker, Baum­wol­le und Wei­zen ste­hen 2012 vor Kurs­ein­bus­sen. Die drei Roh­stof­fe schei­nen im Über­fluss vor­han­den zu sein: «Drei der vier gröss­ten Baum­woll­pro­du­zen­ten – Chi­na, In­di­en und Pa­kis­tan – wer­den ih­re Ern­ten er­hö­hen», sagt Bar­clays Ca­pi­tal. Die In­for­ma­ti­ons­platt­form der Zu­cker­in­dus­trie, Su­ga­ron­line. com, mel­det: «Die­ses Jahr wird ein Über­an­ge­bot von 9 Mio. Ton­nen Zu­cker er­war­tet.» Und für Wei­zen las­sen Aus­sa­gen des Us-land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums fal­len­de Kur­se er­ah­nen: «Die La­ger­be­stän­de könn­ten so hoch sein wie seit zehn Jah­ren nicht mehr.» Die Be­hör­de rech­net zu­dem mit Re­kord­ern­ten in In­di­en und Ost­eu­ro­pa – trotz der mo­men­ta­nen Käl­te.

Re­kord­mais­ern­te in Sicht

Mais wird zum Op­fer des ei­ge­nen Er­folgs: Nach dem All­zeit­hoch im Ju­ni ha­ben zahl­rei­che Tier­züch­ter auf Wei­zen oder So­ja als Fut­ter um­ge­stellt. Weil zu­dem Far­mer im Mais das gros­se Geld ge­wit­tert ha­ben, rech­net die Us-agrar­be­hör­de mit ei­ner Re­kord­ern­te. Boss­art schätzt, dass die ho­hen Er­war­tun­gen so­gar über­trof­fen wer­den könn­ten. Nicht zu­letzt sind in Ame­ri­ka Steu­er­an­rei­ze für Et­ha­nol­pro­du­zen­ten ab­ge­lau­fen, so dass ih­re Nach­fra­ge nach Mais ab­neh­men wird.

Gu­te Aus­sich­ten ha­ben Ka­kao, Kaf­fee und So­ja. We­gen der Über­ver­sor­gung im letz­ten Jahr hat der Ka­kao­preis kor­ri­giert. Für 2012 wird ein tie­fe­res An­ge­bot er­war­tet. Die Soft-com­mo­di­ty-ana­lys­ten von J. Ga­nes Con­sul­ting blei­ben skep­tisch: «Es ist un­wahr­schein­lich, dass der Markt von ei­nem der­art gros­sen Über­an­ge­bot rasch in ei­ne Un­ter­ver­sor­gung kommt.» Zu­ver­sicht­lich sind sie für Kaf­fee. Ob­schon die Kon­su­men­ten den Gür­tel ge­ne­rell en­ger schnall­ten, sei die Nach­fra­ge ro­bust. «Wei­ter könn­te ei­ne ma­ge­re Ern­te in Mit­tel­ame­ri­ka das An­ge­bot ver­knap­pen.» Weil das Wet­ter­phä­no­men La Ni­ña auch im nächs­ten Jahr für Tro­cken­heit in Süd­ame­ri­ka sor­gen dürf­te, soll­te die No­tie­rung von So­ja nicht gross un­ter Druck kom­men.

Soft Com­mo­di­ties sind heu­te im Ver­gleich zur jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit im­mer noch stolz be­wer­tet (vgl. Charts). Mit Blick auf An­ge­bot und Nach­fra­ge lässt sich das kaum recht­fer­ti­gen. Es muss mit wei­te­ren Kor­rek­tu­ren ge­rech­net wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.