«Lang­fris­tig sind fast al­le Roh­stof­fe ei­ne Ein­bahn­stras­se»

KIM WARD Das ka­na­di­sche Fa­mi­ly Of­fice In­ter­ward in­ves­tiert aus­schliess­lich in Mi­nen- und Ölak­ti­en

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - IN­TER­VIEW: ELI­SA­BETH TES­TER

Kim Ward, Grün­der und In­ha­ber des ka­na­di­schen Fa­mi­ly Of­fice In­ter­ward, kon­zen­triert sei­ne An­la­ge­stra­te­gie auf den Roh­stoff­sek­tor. Die 1990 – nach dem Ver­kauf der von sei­nem Va­ter auf­ge­bau­ten Flug­ge­sell­schaft War­dair Ca­na­da an Ca­na­di­an Air­lines – ge­grün­de­te In­ter­ward agiert äus­serst er­folg­reich und be­rät seit 2006 den Lon­do­ner Mel­chi­or Re­sour­ces Fund. Herr Ward, die Eu­pho­rie für Rohwaren hat ab­ge­nom­men. Soll sich der In­ves­tor jetzt noch in Roh­stoff­an­la­gen en­ga­gie­ren? Der lang­fris­ti­ge Aus­blick für Rohwaren ist po­si­tiv. Roh­stof­fe sind zy­klisch, es gibt Pe­ri­oden mit ei­ner ge­rin­ge­ren Nach­fra­ge, wie das im letz­ten Jahr der Fall war. Lang­fris­tig sind sie fast ei­ne Ein­bahn­stras­se. Die Nach­fra­ge vor al­lem auch der Schwel­len­län­der wird wei­ter stei­gen, das An­ge­bot in har­ten Rohwaren, wie Me­tal­len und fos­si­len Brenn­stof­fen, ist be­grenzt. Es wird im­mer schwie­ri­ger, ge­nü­gend Res­sour­cen für die Welt zu fin­den und zu för­dern. Die Prei­se wer­den stei­gen. Sind ho­he Prei­se nicht das bes­te Mit­tel ge­gen ho­he Prei­se, weil Pro­du­zen­ten da­durch den An­reiz er­hal­ten, das An­ge­bot aus­zu­wei­ten? In frü­he­ren Roh­stoff­zy­klen re­agier­te die Pro­duk­ti­on je­weils recht schnell auf hö­he­re Prei­se. In den letz­ten zehn Jah­ren konn­te das An­ge­bot der Stei­ge­rung der Nach­fra­ge nach den meis­ten Me­tal­len je­doch nicht mehr fol­gen. In Agrar­roh­stof­fen kann das An­ge­bot aus­ge­wei­tet wer­den. Vie­le Markt­teil­neh­mer den­ken, die Prei­se der Rohwaren nä­her­ten sich im Zeit­ver­lauf ih­ren Grenz­kos­ten an. In Gold, Sil­ber, Kup­fer und wei­te­ren ist das je­doch nicht der Fall. Was hat sich ver­än­dert? Ei­ne Mi­ne in Be­trieb zu neh­men, dau­ert heu­te viel län­ger als frü­her, un­ter an­de­rem we­gen der Um­welt­auf­la­gen. Es wer­den nicht mehr vie­le gros­sen Mi­nen er­schlos­sen – Oyu Tol­goi in der Mon­go­lei ist ei­ne Aus­nah­me. Zu­dem ma­chen die vo­la­ti­len Fi­nanz­märk­te die Auf­nah­me von Ka­pi­tal schwie­ri­ger, we­ni­ger In­ves­to­ren sind be­reit, neue Mi­nen zu fi­nan­zie­ren. Es ist viel Geld in Gold­pro­jek­te ge­flos­sen, aber in den meis­ten an­de­ren Be­rei­chen war die Prei­selas­ti­zi­tät des An­ge­bots prak­tisch null. Wie sieht es für Ener­gie­trä­ger aus? In Nord­ame­ri­ka gibt es in Erd­gas we­gen neu­er Tech­no­lo­gi­en ein gros­ses Über­an­ge­bot. Die Ho­ri­zon­talbohr­tech­nik er­laubt es, ein Feld mit ei­ner ge­rin­ge­ren An­zahl von Boh­run­gen zu er­schlies­sen, und er­mög­licht so­mit den Zu­gang zu rie­si­gen Re­ser­ven. Sind auch in an­de­ren Sek­to­ren viel­ver­spre­chen­de Tech­no­lo­gi­en aus­zu­ma­chen? Der tech­ni­sche Fort­schritt er­mög­licht zum Bei­spiel die För­de­rung von Tief­see­öl vor Bra­si­li­en oder von leich­tem Öl in den USA. Die ame­ri­ka­ni­sche Pro­duk­ti­on wird stei­gen. Das wird nicht ge­nü­gen, um auf Im­por­te zu ver­zich­ten, aber zum ers­ten Mal seit vie­len Jah­ren nimmt die ge­för­der­te Men­ge zu.

Die Auf­nah­me von Ka­pi­tal ist schwie­ri­ger, we­ni­ger In­ves­to­ren sind be­reit, neue Mi­nen zu fi­nan­zie­ren.

Sind die ent­spre­chen­den Pro­duk­ti­ons­kos­ten nicht enorm hoch? Für Fest­land­öl nicht. Auch in Ka­na­da dürf­te es neue Fun­de ge­ben und die Pro­duk­ti­on ge­stei­gert wer­den. Zu­dem ist nicht klar, wie sich die Her­stel­lung von syn­the­ti­schen Kraft­stof­fen in den nächs­ten Jah­ren ent­wi­ckelt. Ich rech­ne nicht da­mit, dass Roh­öl zu ei­nem gra­vie­ren­den Pro­blem für die Welt­wirt­schaft wird. Gibt es neue, pro­duk­ti­ons­stei­gern­de Tech­no­lo­gi­en im Me­tall­sek­tor? Es wird ex­pe­ri­men­tiert und ge­forscht, aber bis­lang ha­be ich kei­ne Tech­no­lo­gie ge­se­hen, die Re­sul­ta­te lie­fert und ei­nen gros­sen Fort­schritt be­wir­ken wür­de. Es gibt vie­le Pro­jek­te, die dann ver­san­den. Soll der An­le­ger in Roh­stoff-fu­tures und ent­spre­chen­de Fi­nanz­pro­duk­te in­ves­tie­ren oder Mi­nen­ak­ti­en kau­fen? Das ist nicht im­mer gleich. In den letz­ten zwei Jah­ren war der Be­sitz der Roh­wa­re – im Spe­zi­el­len von Gold – lu­kra­ti­ver als ein Ak­ti­en­en­ga­ge­ment. Roh­stoff­ti­tel mach­ten die Be­we­gun­gen der Ak­ti­en­märk­te mit. Und auf wel­che An­la­ge­klas­sen soll er sein Ver­mö­gen ver­tei­len? Die de­fla­tio­nä­ren Ten­den­zen dürf­ten sich künf­tig ver­stär­ken. Die Re­gie­run­gen wer­den noch viel mehr Geld dru­cken, um die Wirt­schaft an­zu­kur­beln. An­la­gen in Sach­wer­te drän­gen sich auf – Im­mo­bi­li­en, Roh­stof­fe, Gold so­wie Ak­ti­en. Die In­ves­to­ren ha­ben Ak­ti­en nun zehn Jah­re ge­mie­den, es ist Zeit, zu­rück­zu­keh­ren. Wie in­ves­tie­ren Sie? Wir in­ves­tie­ren in Un­ter­neh­men, die ih­re Pro­duk­ti­on aus­deh­nen und neue Vor­kom­men fin­den kön­nen. Auch wenn sich der Preis des Roh­stoffs seit­wärts be­wegt, nimmt da­durch der Wert des Un­ter­neh­mens zu. Wir sind auf ka­na­di­sche Small und Mid Caps spe­zia­li­siert, die ein hö­he­res Wachs­tums- und Ren­dite­po­ten­zi­al als gros­se För­de­rer auf­wei­sen. Ti­tel, die wir zur­zeit fa­vo­ri­sie­ren, sind et­wa Acran Re­sour­ces, Ame­ri­cas Pe­tro­gas, Tre­va­li Mi­ning und Pre­mier Gold. Müss­ten Sie ei­nen Roh­stoff wäh­len, für wel­chen wür­den Sie sich ent­schei­den? In Kup­fer se­he ich die gröss­ten Avan­cen. Folgt Chi­na auch nur an­satz­wei­se der Ent­wick­lung Süd­ko­reas, wird sein Kup­fer­ver­brauch al­lein in zwan­zig Jah­ren die ge­sam­te jähr­li­che Welt­pro­duk­ti­on über­tref­fen. Aber ich mag auch Gold

und Sil­ber.

Kim Ward: «Auch wenn der Roh­stoff­preis sta­gniert, nimmt der Wert des Un­ter­neh­mens zu.»

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