Steigt der Öl­preis wei­ter, wird es un­ge­müt­lich

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - ET

Roh­öl ist mäch­tig. Es ist das Schmier­mit­tel der Welt­wirt­schaft, kann sie aber auch zum Ab­sturz brin­gen. Ho­he Prei­se spie­geln ei­ne gu­te Kon­junk­tur und ei­ne ro­bus­te Nach­fra­ge – oder die Angst vor An­ge­bots­eng­päs­sen so­wie lang­fris­ti­ger Knapp­heit. Zur­zeit ist die Ri­si­ko­prä­mie we­gen des ara­bi­schen Früh­lings und des Atom­kon­flikts mit Iran hoch, ei­ne Ent­span­nung ist nicht in Sicht, im Ge­gen­teil. Die Sor­ge um Lie­fer­schwie­rig­kei­ten über­la­gert die we­gen der sich ab­küh­len­den Welt­wirt­schaft mo­de­ra­ten Nach­fra­ge.

Das ist auch sicht­bar in der zu­neh­men­den Preis­span­ne zwi­schen eu­ro­päi­schem Brent und der Us-sor­te WTI, die zur­zeit 17 $ pro Fass be­trägt. Brent kos­tet 117, WTI 99 $. Nicht nur das für den 1. Ju­li an­ge­kün­dig­te Ölem­bar­go der EU ge­gen­über Iran – re­spek­ti­ve die Dro­hung Irans, per so­fort kein Öl mehr nach Eu­ro­pa zu lie­fern –, drück­te den Brent-preis in den letz­ten Ta­gen in die Hö­he, son­dern auch das kal­te Wet­ter. Aber der Aus­fall Irans wä­re für Eu­ro­pa län­ger­fris­tig gra­vie­rend.

Kein Er­satz

Iran ist mit rund 3,5 Mio. Fass pro Tag der fünft­gröss­te Öl­pro­du­zent welt­weit (nach Sau­di-ara­bi­en, Russ­land, den USA und Chi­na) und die Num­mer zwei des Öl­kar­tells Opec, das ein Drit­tel des glo­ba­len Be­darfs för­dert. Zwar macht ira­ni­sches Öl nur et­wa 6% an den eu­ro­päi­schen Im­por­ten aus, für ein­zel­ne, be­son­ders schul­den­ge­plag­te Staa­ten ist der An­teil je­doch deut­lich hö­her (vgl. Gra­fik links).

Nur Sau­di-ara­bi­en ver­fügt über Re­ser­veka­pa­zi­tä­ten und könn­te für den Aus­fall ein­sprin­gen. Aber wie hoch die ef­fek­tiv sind, weiss nie­mand. Man­che Ex­per­ten spre­chen von 2,5 Mio. Fass pro Tag, das ent­spricht der to­ta­len Ex­port­men­ge Irans. Sau­di-ara­bi­en hat trotz Dro­hun­gen Irans be­kräf­tigt, Eu­ro­pa mit dem nö­ti­gen Öl zu ver­sor­gen. Aber es geht nicht nur um die Men­ge, son­dern auch um die Qua­li­tät des zu er­set­zen­den Öls. Das wür­de aus rus­si­scher Pro­duk­ti­on bes­ser pas­sen, dort kann aber die Ka­pa­zi­tät nicht er­höht wer­den.

Die Ba­lan­ce an den in­ter­na­tio­na­len Öl­märk­ten ist fra­gil, ge­ring­fü­gi­ge Ve­rän­de­run­gen des An­ge­bots und der Nach­fra­ge kön­nen zu gra­vie­ren­den Ver­wer­fun­gen füh­ren. Der ak­tu­el­le Preis ist hoch, und die Märk­te sind an­ge­spannt. In Eu­ro ge­rech­net, sind die Öl­prei­se heu­te so­gar auf dem re­kord­ho­hen Ni­veau von Mitte 2008 – das birgt Ge­fah­ren. Fran­cis­co Blanch, Chef- stra­te­ge des Roh­stoff­teams von Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch, warnt vor dem Scha­den, den teu­res Öl an­rich­ten kann: «Je­des Mal, wenn die No­tie­run­gen deut­lich über 100 $ hin­aus­schnel­len, kol­la­biert ei­nes der Län­der, die viel Öl kon­su­mie­ren.» Zu­dem lo­te der Öl­markt den Punkt der De­mand De­struc­tion, al­so der Nach­fra­ge­zer­stö­rung, aus. Das ist kei­ne gu­te Per­spek­ti­ve für das Ge­dei­hen der Wirt­schaft in Eu­ro­pa und der Welt.

Roh­öl kau­fen

An­le­ger, die in Öl in­ves­tie­ren möch­ten, kön­nen Fu­tures er­wer­ben – oder in Ind­ex­pro­duk­te in­ves­tie­ren. Da sämt­li­che In­di­zes auf Fu­tures ba­sie­ren, ist je­doch auf all­fäl­li­ge Roll­ver­lus­te zu ach­ten: Um die phy­si­sche Lie­fe­rung zu ver­mei­den, wer­den die Kon­trak­te ge­rollt. Sind die neu­en Fu­tures teu­rer, ver­ur­sacht das Rol­len ei­nen Ver­lust. Die­se In­ef­fi­zi­enz kann mit roll­op­ti­mier­ten In­di­zes ab­ge­fe­dert wer­den.

Wer Ölak­ti­en be­vor­zugt und be­reit ist, die un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­schen Chan­cen und Ri­si­ken ein­zu­ge­hen, kann z. B. Ti­tel der ame­ri­ka­ni­schen Chev­ron, der ka­na­di­schen Sun­cor Ener­gy oder der bri­ti­schen Tul­low Oil in Be­tracht zie­hen.

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