Prüf­stein Kun­den­geld

SCHWEIZ Die neue Bank No­ten­stein muss sich be­wei­sen

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - SA­BI­NE BERN­HARD

Ver­bin­dun­gen kap­pen und Si­cher­heit schaf­fen. Die Zie­le der No­ten­stein Pri­vat­bank wa­ren ein­deu­tig. Un­ter dem Druck der Us-be­hör­de ver­lor die ehe­ma­li­ge Bank We­ge­lin viel Kun­den­ver­mö­gen. Ein Schwund, der an­schei­nend kaum zu stop­pen war und sich ge­gen Schluss der We­ge­lin-zeit ak­zen­tu­iert hat. In­si­der spre­chen von 4 bis 5 Mrd. Fr. Ab­fluss.

Nun sind die Ver­bin­dun­gen ge­kappt, jeg­li­ches Us-ge­schäft der Bank We­ge­lin wur­de zu­rück­ge­las­sen. Zah­lungs­ver­kehrst­rans­ak­tio­nen in Dol­lar führt No­ten­stein nur noch für die ei­ge­ne Kli­en­tel durch. Die neue Ei­g­ne­rin Raiffeisen ver­spricht als ge­nos­sen­schaft­lich or­ga­ni­sier­tes Re­tailin­sti­tut – und bis­lang oh­ne ei­ge­nes Pri­va­te Ban­king – die grösst­mög­lichs­te Frei­heit für No­ten­stein. Für Si­cher­heit bürgt das Aa2-ra­ting von Moo­dy’s für Raiffeisen.

Bis zu ein Drit­tel we­ni­ger

Doch die neue Paa­rung scheint nicht über­all zu be­ha­gen. Ge­mäss der Zei­tung «Der Sonn­tag» konn­ten Kon­kur­ren­ten be­reits ei­nen Mit­tel­zu­fluss ver­zeich­nen. Auch mit­ar­bei­ter­sei­tig zeich­nen sich Ve­rän­de­run­gen ab. Patrick Mack, Ma­na­ging Part­ner des Zu­ger Exe­cu­ti­ve-se­arch-un­ter­neh­mens Mack Reich­stein Group, ist über­zeugt, dass vie­le ehe­ma­li­ge We­ge­linKun­den­be­treu­er sich nach ei­nem neu­en Ar­beit­ge­ber um­se­hen. Ge­mein­hin wird da­von aus­ge­gan­gen, dass bei ei­nem Wech­sel 10% des Kun­den­stamms mit­ge­hen, bei erst­klas­si­gen Mit­ar­bei­tern ist von 30% die Re­de. Müss­te No­ten­stein – in ei­nem Worst-ca­se-sze­na­rio – ein Drit­tel der ver­wal­te­ten Ver­mö­gen zie­hen las­sen, wür­den nur rund 14 Mrd. Fr. ver­blei­ben. Lag Vor­gän­ger We­ge­lin ge­mäss Pri­va­te-ban­kin­gStu­die 2011 der Uni­ver­si­tät Zü­rich in Be­zug auf As­sets un­der Ma­nage­ment (AUM) En­de 2010 noch vor den In­sti­tu­ten Drey­fus und Mi­ra­baud im Mit­tel­feld, so wür­de sich No­ten­stein da­nach in die Ge­sell­schaft von Roth­schild und vor Bor­dier im un­te­ren Drit­tel ein­rei­hen.

Aber auch bei der neu­en Mut­ter Raiffeisen se­hen sich nicht al­le un­ter dem neu­en Dach glück­lich ver­eint. Franz Würth, Pres­se­spre­cher von Raiffeisen, be­stä­tigt Ein­zel­re­ak­tio­nen von Raiff­ei­sen­kun­den, die den Schritt der Bank «et­was gross und über­ra­schend» fin­den. Sie ha­ben die Zu­sam­men­ar­beit mit der Re­tail­bank auf­ge­löst. Raiffeisen will nun die in­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­stär­ken. Auch die Kli­en­tel von No­ten­stein sei in­for­miert wor­den, so Würth. Nach schrift­li­cher Mit­tei­lung hät­ten sich die Kun­den­be­treu­er per­sön­lich bei ih­ren Kun­den ge­mel­det. Da­bei sei­en die Rück­mel­dun­gen zu über 90% po­si­tiv bis sehr po­si­tiv aus­ge­fal­len.

Sa­ra­sin pro­fi­tier­te

Die Kom­bi­na­ti­on Re­tail­bank und Pri­vat­bank muss sich nicht a prio­ri ne­ga­tiv auf die Hö­he der ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­wer­te aus­wir­ken. Bei der lan­ge Zeit von der Ra­bo­b­ank be­herrsch­ten Bank Sa­ra­sin flo­rier­te trotz der un­ter­schied­li­chen Her­kunft das Ge­schäft. Auch dort war das gu­te Ra­ting der Re­tail­bank ein An­reiz, und die ge­nos­sen­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Nie­der­län­der ha­ben von ei­ner Di­ver­si­fi­ka­ti­on pro­fi­tiert. Den­noch war das ko­tier­te Bas­ler In­sti­tut im Ge­gen­satz zu No­ten­stein nicht durch recht­li­chen Druck zum Ver­kauf ge­trie­ben und blieb ei­gen­stän­dig.

Vo­r­erst wird bei No­ten­stein und Raiffeisen al­les wie gehabt wei­ter­lau­fen. Sy­ner­gi­en müs­sen sich erst her­aus­kris­tal­li­sie­ren. Der Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag für An­la­ge­pro­duk­te der Raiffeisen mit Von­to­bel be­steht wei­ter­hin. Wie weit es mit der Frei­heit der ehe­ma­li­gen Pri­vat­bank her ist, wird sich zei­gen. Raiffeisen be­tritt nicht nur im Be­reich Pri­va­te Ban­king Neu­land, son­dern auch mit dem Aus­land­ge­schäft. Wäh­rend bei der Ge­nos­sen­schaft le­dig­lich knapp 3% der Ver­mö­gens­wer­te nicht aus der Schweiz stam­men, sind es bei No­ten­stein 30%, rund 6,3 Mrd. Fr, viel da­von aus Deutsch­land. Ei­ne Prü­fung könn­ten des­halb auch die Nach­ver­hand­lun­gen des Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens mit Deutsch­land sein.

Mit dem rei­chen Geld­se­gen für In­vest­ment­ban­ker ist es vo­r­erst vor­bei.

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