Pen­si­ons­kas­sen über­op­ti­mis­tisch

SCHWEIZ Ren­ten­bi­lan­zie­rung ba­siert auf er­hoff­tem Jah­res­er­trag von 5% – Nach in­ter­na­tio­na­ler Norm De­ckung 20% tie­fer

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS HENGARTNER

Die Pen­si­ons­kas­sen in der Schweiz ge­hen für die Bi­lan­zie­rung und die De­ckungs­grad­be­rech­nung noch im­mer da­von aus, jähr­lich net­to nach Kos­ten und Rück­stel­lun­gen min­des­tens 3,5% auf der An­la­ge der Vor­sor­ge­mil­li­ar­den zu ver­die­nen. Die in­ter­na­tio­na­le Rech­nungs­norm IFRS, die von den meis­ten grös­se­ren Schwei­zer Un­ter­neh­men an­ge­wen­det wird, schreibt in­des in der re­vi­dier­ten Re­gel IAS 19 ei­ne weit kon­ser­va­ti­ve­re Bi­lan­zie­rung auf Ba­sis des Durch­schnitts­zin­ses von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen vor.

Zwi­schen den bei­den Be­rech­nungs­vor­ge­hen klafft ei­ne Rie­sen­lü­cke. Die IAS-19Re­gel wer­de der Rea­li­tät hie­si­ger Vor­sor­geinsti­tu­tio­nen nicht ge­recht, sagt Chris­toph Ry­ter. Ge­mäss dem Prä­si­den­ten des Pen­si­ons­kas­sen­ver­bands Asip un­ter­stel­le sie ei­ne Li­qui­da­ti­ons­sicht und da­mit ei­ne Auf­lö­sung der Kas­se und voll­stän­di­ge Aus­zah­lung al­ler An­sprü­che: «We­gen der Pflicht zu ei­ner all­fäl­li­gen Sa­nie­rung, die sich Ar­beit­ge­ber und Be­schäf­tig­te tei­len, ist für Pen­si­ons­kas­sen ei­ne we­ni­ger ri­gi­de Ver­pflich­tungs­bi­lan­zie­rung to­le­rier­bar.»

De­ckungs­grad wohl nur 90%

Die­se Sa­nie­rungs­pflicht – ge­mäss Vor­sor­ge­ge­setz BVG im pa­ri­tä­ti­schen Zu­sam­men­spiel mit den Be­schäf­tig­ten – macht in der Beur­tei­lung von IFRS die Bi­lan­zie­rung ei­nes De­ckungs­man­kos der ju­ris­tisch selb­stän­di­gen Pen­si­ons­kas­se in den Un­ter­neh­mens­bü­chern not­wen­dig. Für den De­ckungs­grad­aus­weis wird der durch Dis­kon­tie­rung er­rech­ne­te Bar­wert der Ver­pflich­tun­gen dem Markt­wert der Ver­mö­gens­an­la­gen ge­gen­über­ge­stellt.

Um die prak­ti­zier­te Ab­zin­sung der Ren­ten­zu­sa­gen zu 3,5 bis 4% zu recht­fer­ti­gen, müss­ten die Pen­si­ons­kas­sen ge­si­cher­te Aus­sicht auf ei­ne jähr­li­che An­la­ge­ren­di­te von rund 5% ha­ben, sagt Andre­as Joost, Chef von Com­ple­men­ta In­vest­ment-con­trol­ling. Die Be­ra­tungs­ge­sell­schaft hat den ge­mit­tel­ten De­ckungs­grad der Pen­si­ons­kas­sen per Mitte 2011 auf knapp 101% hoch­ge­rech­net. Joost schätzt, dass das not­wen­di­ge De­ckungs­ka­pi­tal nach IFRSBe­rech­nung – so­mit die zu bi­lan­zie­ren­den Ver­pflich­tun­gen – un­ter sonst glei­chen Be­din­gun­gen 15–20% hö­her als nach klas­si­scher, sta­ti­scher Me­tho­de aus­fal­len. Der ge­mit­tel­te De­ckungs­grad der Kas­sen lä­ge da­mit auf le­dig­lich 80 bis 85%.

Ge­gen­wär­tig lie­gen die De­ckungs­be­rech­nun­gen be­son­ders weit aus­ein­an­der, weil die Gra­tis­geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken das Zins­ge­fü­ge völ­lig aus der Ba­lan­ce ge­bracht hat. Das rea­lis­ti­sche Bild liegt des­halb wohl, wie so oft, zwi­schen den bei­den Ex­trem­be­trach­tun­gen.

Im Fall der Gross­bank UBS führt die Dis­kre­panz zu­sam­men mit wei­te­ren Fak­to­ren da­zu, dass die in der Kon­zern­bi­lanz ge­buch­ten Ver­pflich­tun­gen für die Pen­si­ons­kas­se der in der Schweiz Be­schäf­tig­ten En­de 2011 um 1,5 Mrd. Fr. an­ge­schwol­len sind. Der Ver­lust wer­de ge­mäss der re­vi­dier­ten Ias-buch­hal­tungs­re­gel gröss­ten­teils auf­ge­scho­ben und zu­sam­men mit wei­te­ren auf­ge­scho­be­nen Ver­lus­ten aus frü­he­ren Jah­ren vom aus­ge­wie­se­nen Ei­gen­ka­pi­tal (53,6 Mrd. Fr. En­de 2011) ab­ge­zo­gen, merk­te UBS in der Me­di­en­mit­tei­lung zum Jah­res­re­sul­tat an.

UBS und Na­tio­na­le vor­an

Re­gle­ments­än­de­run­gen der Pen­si­ons­kas­se – dar­un­ter die Ren­ten­um­wand­lung und der Pen­sio­nie­rungs­zeit­punkt – wür­den den buch­hal­te­ri­schen Ver­lust al­ler­dings ver­rin­gern. Zu be­mer­ken ist mit Sicht auf die Ver­si­cher­ten, dass die UBSPen­si­ons­kas­se in ih­rem letzt­be­kann­ten ei­gen­stän­di­gen, nach schwei­ze­ri­scher Be­rech­nungs­wei­se er­stell­ten Bi­lanz­ab­schluss ein güns­ti­ges De­ckungs­bild zeigt. Ver­gleich­bar ist die Si­tua­ti­on für Na­tio­na­le Suis­se, die in der Vor­ab­mel­dung ei­nes un­er­war­te­ten Son­der­er­trags gleich auch noch Hin­wei­se zur Ver­bu­chung der Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen an­füg­te. Wür­de die ab 2013 zwin­gend wer­den­de Ias-re­ge­län­de­rung be­reits für 2011 an­ge­wandt, ver­rin­ger­te die Zu­satz­ver­pflich­tung das zu­letzt zu 749 Mio. Fr. bi­lan­zier­te Ei­gen­ka­pi­tal um 120 Mio. Fr.

Der Pen­si­ons­kas­sen­ver­band be­fürch­tet nun, die nach IFRS bi­lan­zie­ren­den grös­se­ren Un­ter­neh­men könn­ten von den Pen­si­ons­kas­sen­gre­mi­en ver­lan­gen, die Ver­mö­gens­auf­tei­lung der Kas­se we­sent­lich in Rich­tung be­re­chen­ba­rer fest­ver­zins­li­cher, aber lang­fris­tig we­nig er­gie­bi­ger In­vest­ments zu ve­rän­dern. «Da­mit wür­den die ei­gent­li­chen Leis­tungs­zie­le der be­ruf­li­chen Vor­sor­ge wohl kaum mehr er­reich­bar sein», warnt Chris­toph Ry­ter.

Wirkt ge­nau­er, als er ist: Der De­ckungs­grad von Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen zeigt – weil von An­nah­men ge­prägt – ein un­prä­zi­ses Bild.

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