Co­met feu­ert mit E-beam

SCHWEIZ Elek­tro­nen­strah­len als neu­es Ge­schäft – Gu­ter Start 2012 – Ak­ti­en brau­chen Ge­duld

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - BEAT D. HEBEISEN

Rönt­gen war bis­her die Do­mä­ne von Co­met. Jetzt ver­spricht sich das Un­ter­neh­men neue Ge­schäf­te mit der Nut­zung von Elek­tro­nen­strah­len zur Be­hand­lung von Ober­flä­chen. Das E-be­am­Ver­fah­ren wird ein­ge­setzt, um Kar­ton­ver­pa­ckun­gen für flüs­si­ge Le­bens­mit­tel zu ste­ri­li­sie­ren. For­schungs­part­ner ist Te­tra Pak. Feld­ver­su­che lau­fen in der Phar­ma­in­dus­trie. Un­ter ei­ner Viel­zahl von Mög­lich­kei­ten wur­de ein Ver­fah­ren zur Ober­flä­chen­be­hand­lung von Saat­gut eva­lu­iert, als Er­satz von Che­mie.

Die Bank Von­to­bel hat in ei­ner Stu­die die E-beam-tech­no­lo­gie von Co­met auf Ba­sis der Dis­coun­ted-cash­flow-me­tho­de be­wer­tet und kommt zum Schluss, dass die­ses Know-how ei­nen Wert von 44 Mio. Fr. oder 59 Fr. je Ak­tie dar­stellt. Dar­um sei für Co­met ein Ak­ti­en­kurs um 230 Fr. ge­recht­fer­tigt, ist das Fa­zit der Stu­die. Das ent­spricht ei­nem Kurs­sprung von 30%.

Kei­ne schnel­len Er­fol­ge

Ro­nald Fehl­mann, CEO von Co­met, will sich zu die­ser Schät­zung nicht di­rekt äus­sern. Te­tra Pak ha­be sich am In­ves­to­ren­tag im letz­ten No­vem­ber lo­bend über das Ver­fah­ren ge­äus­sert. Er be­zeich­net Food und Phar­ma als at­trak­ti­ve Märk­te für den Ein­satz von Elek­tro­nen­strah­len. Gleich­zei­tig schränkt er ein: «Solch neue An­wen­dun­gen brau­chen Zeit, um sich im Markt durch­zu­set­zen. Die ab­seh­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf den Um­satz in den nächs­ten drei bis fünf Jah­ren sind zu re­la­ti­vie­ren.» Te­tra Pak ist seit sechs Jah­ren in die Tests in­vol­viert. Nun lau­fen die Feld­ver­su­che des Ge­samt­sys­tems. Wann das fi­na­le «Go» für die Nut­zung der Tech­no­lo­gie beim Kun­den er­teilt wird, ist nicht be­kannt.

Nur we­gen der E-beam-tech­no­lo­gie ist ei­ne deut­li­che Hö­her­be­wer­tung von Co­met nicht ge­recht­fer­tigt. Zu­rück­hal­tung ist auch aus ei­nem an­de­ren Grund ge­ge­ben. Die En­de 2010 de­fi­nier­ten Zie­le für 2013 – Um­satz um 300 Mio. Fr. so­wie ei­ne Ebitda-mar­ge von 15% – wer­den kaum er­reicht. «Das Um­feld ist zu un­ge­wiss für Pro­gno­sen», sagt Fehl­mann im Ge­spräch.

Der CEO si­gna­li­siert ei­ne ge­sun­de Dis­tanz ge­gen­über zu ho­hen Er­war­tun­gen. Mit Blick auf das ope­ra­ti­ve Ge­schäft spricht er aber durch­aus Kl­ar­text. «Die Stra­te­gie ist dar­auf aus­ge­rich­tet, Lö­sun­gen zu ent­wi­ckeln, in de­nen Co­met die ei­ge­ne, welt­weit tech­no­lo­gi­sche Füh­rungs­rol­le in die Waag­scha­le wer­fen kann», er­läu­tert er. Un­ter sei­ner Füh­rung ist die Aus­rich­tung von Co­met of­fen­si­ver ge­wor­den.

Im Ok­to­ber 2011 wur­de der Durch­bruch in der La­mi­no­gra­phie pu­bli­ziert. Die Tech­no­lo­gie mit den mäch­ti­gen, dreh­ba­ren Rönt­ge­n­ap­pa­ra­ten kann zum Bei­spiel für die Er­ken­nung von Ver­schleis­sund Fer­ti­gungs­feh­lern in Ro­tor­blät­tern von Wind­an­la­gen ein­ge­setzt wer­den. Doch das Geld wird in der Mas­se ver­dient. In die­ser Hin­sicht ist dem Un­ter­neh­men mit der Über­nah­me der Stol­berg Hf-tech­nik im letz­ten Som­mer ein wich­ti­ger Schritt in der Vor­wärts­in­te­gra­ti­on ge­lun­gen. Dank der Ak­qui­si­ti­on ist Co­met in der La­ge, die Steue­rung der Va­ku­um­kon­den­sa­to­ren mit dem vor­ge­schal­te­ten Ge­ne­ra­tor bes­ser auf die Be­dürf­nis­se der Kun­den ab­zu­stim­men.

Für die heik­len Pro­zes­se in der Plas­ma­kam­mer ist das ein ge­wich­ti­ger Vor­teil. Die Kon­kur­renz ist da im Hin­ter­tref­fen. Nicht über­ra­schend dar­um, dass Fehl­mann für Co­met die Chan­ce sieht, den Welt­markt­an­teil im Seg­ment Match­bo­xen bis zum Jahr 2013 von 30 auf 50% zu er­hö­hen. Für die­sen Be­reich Po­wer Units rech­net der CEO mit ei­nem Um­satz um 120 Mio. $ in zwei Jah­ren.

Gut po­si­tio­niert ist Co­met im Be­reich Leucht­di­oden (LED). Dank dem ei­ge­nen Hoch­fre­quenz­ver­fah­ren (HF) kann die Ef­fi­zi­enz der LED er­höht wer­den. Co­met ist in ak­ti­vem Kon­takt mit füh­ren­den Un­ter­neh­men wie Amec in Schang­hai. Für 2012 wer­den ers­te Pro­to­ty­pen er­war­tet.

Nach wich­ti­gen tech­no­lo­gi­schen Er­fol­gen der letz­ten Mo­na­te hat das neue Jahr im ope­ra­ti­ven Ge­schäft viel­ver­spre­chend be­gon­nen. Die Spar­te Halb­lei­ter pro­fi­tiert von den Ent­schei­den von Samsung und TSMC ( Tai­wan Se­mi­con­duc­tor Ma­nu­fac­tu­ring Com­pa­ny), neue Chip­fa­bri­ken zu bau­en. Fehl­mann spricht von ei­nem «un­er­war­te­ten Zwi­schen­hoch». Die Gross­wet­ter­la­ge bleibt da­ge­gen trüb. Das hat Fehl­mann in den letz­ten zwei Wo­chen auf ei­ner Ge­schäfts­rei­se in den USA rea­li­siert. «Die Ge­sprä­che mit Kun­den ha­ben ge­zeigt, dass im ers­ten Halb­jahr 2012 ei­ne fla­che Ent­wick­lung zu er­war­ten ist», sagt er. Erst für das zwei­te Se­mes­ter wird mit ei­nem An­zie­hen der Nach­fra­ge ge­rech­net.

Par­al­le­le Kurs­ent­wick­lung

Es gibt kaum ein ko­tier­tes Un­ter­neh­men, das mit Co­met ver­gleich­bar wä­re. In der Schweiz ist das am ehes­ten noch In­fi­con – die Ge­sell­schaft ist auf Mess- und Kon­troll­ge­rä­te im Va­ku­um spe­zia­li­siert. Die Ak­ti­en von Co­met und In­fi­con ent­wi­ckel­ten sich seit An­fang 2009 auf­fal­lend par­al­lel zu­ein­an­der (vgl. Chart). Die An­kün­di­gung von Kurz­ar­beit be­las­te­te im letz­ten Herbst dann die Kurs­ent­wick­lung von Co­met – die Zah­len für 2011 wer­den am 15. März pu­bli­ziert.

Die Aus­sich­ten des Un­ter­neh­mens stim­men nicht eu­pho­risch. 2012 ist ei­ne ge­hal­te­ne Ge­winn­ent­wick­lung ab­seh­bar. Ab 2013 sind die Aus­sich­ten bes­ser. Die Ge­sell­schaft ver­fügt über ein ein­drück­li­ches Tech­no­lo­gie­port­fo­lio. «Co­met ist ein Un­ter­neh­men der Zu­kunft», schwärm­te Fehl­mann im­mer wie­der. Bis In­no­va­tio­nen grei­fen, braucht es in­des Ge­duld. Dar­an ha­ben sich die In­ves­to­ren zu ori­en­tie­ren.

Co­met N

Mit Rönt­gen­ge­rä­ten wer­den Pro­duk­ti­ons­tei­le wie hier ein Au­to­rei­fen zer­stö­rungs­frei auf all­fäl­li­ge Pro­duk­ti­ons­feh­ler un­ter­sucht.

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