GM zeigt sich am­bi­tio­niert

USA Der Au­to­bau­er will zu den Klas­sen­bes­ten auf­schlies­sen

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - UL­RICH SCHÄ­RER

DGe­ne­ral Mo­tors er Us-au­to­mo­bil­her­stel­ler Ge­ne­ral Mo­tors (GM) wird die­se Wo­che ei­nen Re­kord­ge­winn pu­blik ma­chen: Ver­brei­te­ten Ein­schät­zun­gen zu­fol­ge hat er im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen Net­to­ge­winn von rund 8 Mrd. $ (nach USGaap) und ei­nen Um­satz von 150 Mrd. er­wirt­schaf­tet. Da­mit er­ziel­te er ei­ne Mar­ge von 5,3% und so ei­ne Ren­ta­bi­li­tät, die er zu­vor auch in bes­se­ren Jah­ren nicht an­nä­hernd er­reich­te. Ei­nen sol­chen Tur­naround des Kon­zerns, der 2008 nach schwe­ren Ver­lus­ten in die Zah­lungs­un­fä­hig­keit ge­schlit­tert war, hät­ten sich nicht mal die gröss­ten Op­ti­mis­ten er­hofft.

Die­se Ent­wick­lung weckt neu­es Selbst­be­wusst­sein. Fi­nanz­chef Da­ni­el Am­mann hat denn auch un­längst in ei­nem In­ter­view ver­lau­ten las­sen, dass Ge­ne­ral Mo­tors nun die Leis­tungs­stär­ke der Klas­sen­bes­ten an­vi­sie­ren wol­le; ins Blick­feld rück­te er da­mit den deut­schen Ober­klas­sean­bie­ter BMW und den ko­rea­ni­schen Mas­sen­her­stel­ler Hy­un­dai. Die Bayern ha­ben letz­tes Jahr ei­ne Ge­winn­mar­ge von ge­schätz­ten 7,5% er­zielt; die Ebit-mar­ge dürf­te bei an­nä­hernd 12% ge­le­gen ha­ben. Ge­mes­sen an die­sem Mass­stab peilt GM nach Am­mann ei­nen Ge­winn von deut­lich über 10 Mrd. und ei­nen Ebit von 18 Mrd. $ an (be­zo­gen auf die Um­satz­zah­len 2011). Die Lat­te liegt da­mit hoch, mög­li­cher­wei­se zu hoch.

Har­ter Wett­be­werb

Dass das Ziel am­bi­tio­niert ist, be­grün­det sich zu­nächst mit der Wett­be­werbs­in­ten­si­tät in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Kaum ei­nem Mas­sen­her­stel­ler wie GM ist es in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ge­lun­gen, die Ren­ta­bi­li­tät auch nur für zwei, drei Jah­re über 10% zu stei­gern. Ei­ne ope­ra­ti­ve Mar­ge im Be­reich 5 bis 6% wird in der Bran­che be­reits als be­frie­di­gen­des Re­sul­tat be­trach­tet. Die meis­ten eu­ro­päi­schen Au­to­bau­er la­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren klar dar­un­ter, auch GM mit den Töch­tern auf dem Al­ten Kon­ti­nent.

Die Er­fah­rung spricht dem­nach da­ge­gen, dass sich GM mit ih­rer Pro­dukt­pa­let­te auf das Leis­tungs­ni­veau des Pre­mi­um­her­stel­lers BMW zu hie­ven ver­mag. Das ist wohl auch ein Haupt­grund, wes­halb die Äus­se­run­gen von Fi­nanz­chef Da­ni­el Am­mann im Kreis der Wert­schrif­ten­häu­ser mit küh­ler Ge­las­sen­heit auf­ge­nom­men wur­den. Kein Haus sah sich ver­an­lasst, sei­ne Schät­zun­gen sub­stan­zi­ell nach oben an­zu­pas­sen. Auf­fal­lend ist gar, dass die Fi­nanz­ana­lys­ten ih­re Ge­winn­schät­zun­gen 2012 für Ge­ne­ral Mo­tors in den ver­gan­ge­nen Wo­chen deut­lich zu­rück­ge­nom­men ha­ben.

In die­sen zu­rück­hal­ten­de­ren Ein­schät­zun­gen spie­geln sich Vor­be­hal­te, dass das Markt­um­feld die Leis­tungs­ent­wick­lung auf mitt­le­re und län­ge­re Sicht nicht mehr in dem Mas­se tra­gen wird, wie das seit 2010 der Fall war. An­zu­spre­chen ist et­wa der Us-markt, wo GM 2011 von den Schwie­rig­kei­ten der ja­pa­ni­schen An­bie­ter nach der Drei­fach­ka­ta­stro­phe im Land der auf­ge­hen­den Son­ne und den Über­flu­tun­gen in Thai­land pro­fi­tier­te. Doch ei­ni­ges deu­tet dar­auf hin, dass die Kon­zer­ne To­yo­ta und Hon­da, de­ren Kom­po­nen­ten­zu­lie­fe­rung arg ge­trof­fen wur­de, wie­der Ter­rain gut­ma­chen wer­den. In die­se Rich­tung wei­sen auch die Ja­nu­ar-ver­kaufs­zah­len in den USA, die ei­nen 6%-Rück­schlag für GM be­le­gen. Auch in Eu­ro­pa bläst den Ame­ri­ka­nern ein schar­fer Wind ent­ge­gen: Die Toch­ter Opel schreibt trotz ge­wis­ser Fort­schrit­te wei­ter­hin tief­ro­te Zah­len, und der Aus­blick ver­spricht ei­nen noch zu­neh­men­den Mar­gen­druck auf den eu­ro­päi­schen Märk­ten. In Latein­ame­ri­ka zeigt die Ren­ta­bi­li­tät von GM klar nach un­ten.

Der ge­gen­wär­tig er­staun­lich gu­te Leis­tungs­aus­weis von Ge­ne­ral Mo­tors stützt sich da­mit schwer­ge­wich­tig auf das USGe­schäft ab. Hier ha­ben die Ame­ri­ka­ner in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein­schnei­den­de Re­struk­tu­rie­run­gen durch­ge­setzt; nicht we­ni­ger als fünf­zehn Us-wer­ke wur­den ge­schlos­sen, die An­zahl der Mar­ken wur­de von acht auf vier (Chev­ro­let, GMC, Buick, Ca­dil­lac) re­du­ziert. Da­mit ver­bun­den war ein mas­si­ver Ab­bau von 263 000 auf 208 000 Be­schäf­tig­te. Da­bei soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass die­se Ein­schnit­te mit ent­schei­den­der Un­ter­stüt­zung des Staa­tes über die Büh­ne ge­bracht wur­den: Ins­ge­samt hat der Us-mul­ti von Staats­hil­fen von ge­gen 50 Mrd. $ pro­fi­tiert. Die ver­gleichs­wei­se so­li­de Wett­be­werbs­po­si­ti­on von GM – und da­zu ge­hört auch die sa­nier­te Bi­lanz – ist dem­nach nicht ein­fach das Re­sul­tat ei­ner er­folg­rei­chen Kon­zern­stra­te­gie, son­dern ist eben ein Stück weit staat­lich fi­nan­ziert.

Knack­punkt Mo­dell­po­li­tik

GM ver­fügt in­des über Hand­lungs­spiel­raum, um den Leis­tungs­aus­weis zu ver­bes­sern. So be­tont Fi­nanz­di­rek­tor Am­mann, dass die Zahl der Platt­for­men bis 2014 auf 24 und bis 2018 auf 14 re­du­ziert wer­den soll. Da­mit las­sen sich Kom­po­nen­ten über grös­se­re Stück­zah­len hin­weg ver­tei­len, was zu we­sent­li­chen Ein­spa­run­gen füh­ren kann. In Sa­chen Nut­zung ein­zel­ner Platt­for­men liegt der Us-kon­zern nach wie vor klar hin­ter gros­sen Kon­kur­ren­ten und ver­fügt über ent­spre­chen­des Auf­hol­po­ten­zi­al. Doch der Weg zu ei­ner ra­tio­nel­le­ren Pro­duk­ti­on durch neue Platt­for­men heisst auch, dass grös­se­re In­ves­ti­tio­nen auf den Kon­zern zu­kom­men.

Nicht zu­letzt wird sich der Us-mul­ti auf dem an­ge­peil­ten Weg an die Spit­ze in ei­nem Be­reich aus­zeich­nen müs­sen, der sich im­mer wie­der als Schwach­stel­le of­fen­bart hat: in der Mo­dell­po­li­tik. Dass gleich vier Mar­ken – dar­un­ter Sa­ab – nach der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Kon­zerns aus­ge­mus­tert und zum Un­ter­gang ver­ur­teilt wur­den, spricht nicht ge­ra­de für die Mo­dell­stra­te­gie der Ame­ri­ka­ner. Auch auf die­ser Ebe­ne be­fin­den sie sich Mei­len ent­fernt vom selbst de­fi­nier­ten Klas­sen­bes­ten BMW: Die Mo­dell­stra­te­gie des deut­schen Kon­zerns fusst auf ei­ner Jahr­zehn­te wäh­ren­den Kon­stanz in der Auf­bau- und Ent­wick­lungs­ar­beit. Sie ist die ei­gent­li­che Grund­la­ge für ei­ne auch über Zy­klen hin­weg über­durch­schnitt­li­che Ren­ta­bi­li­tät.

Dass die­se Kul­tur Vor­bild­cha­rak­ter ha­ben kann, ist ver­ständ­lich. Doch im Hau­se GM kä­me ei­ne sol­che Neu­ori­en­tie­rung bei­na­he ei­ner Kul­tur­re­vo­lu­ti­on gleich. Sind die Ver­ant­wort­li­chen in der Tat wil­lens, die Gm-mar­ken mit er­folg­ver­spre­chen­den In­hal­ten, vor al­lem Pro­duk­ten, und den ent­spre­chen­den In­ves­ti­tio­nen ste­tig wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, wie dies auch der Volks­wa­gen-kon­zern mit Mar­ken wie Sko­da und Au­di kon­se­quent vor­lebt? Vie­le mö­gen sich ei­ne sol­che Neu­ori­en­tie­rung er­hof­fen, ver­läss­li­che Zei­chen für den ent­spre­chen­den kul­tu­rel­len Wan­del hat GM aber noch nicht ge­setzt.

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