Sing­tel auf Ex­pan­si­ons­kurs

SIN­GA­PUR Tele­com­kon­zern für Kon­so­li­die­rungs­pha­se ge­rüs­tet

Finanz und Wirtschaft - - TELECOM - ERNST HERB,

Die Ak­ti­en der Sin­ga­po­re Tele­com­mu­ni­ca­ti­ons Li­mi­ted ma­chen ih­rem Ruf als de­fen­si­ver Wert in stür­mi­schen Zei­ten al­le Eh­re. Zwar konn­ten sich die Va­lo­ren des gröss­ten süd­ost­asia­ti­schen Tele­com­kon­zerns der Fi­nanz­kri­se nicht ent­zie­hen. Sie er­hol­ten sich aber – ana­log zum Haupt­in­dex der gröss­ten süd­ost­asia­ti­schen Bör­se, dem Straits Ti­mes In­dex – ver­gleichs­wei­se rasch. Seit Som­mer 2009 no­tie­ren die Ak­ti­en im en­gen Band von 2.80 bis 3.45 sing. $, was um­ge­rech­net 2.04 bis 2.52 Fr. ent­spricht. Ak­tio­nä­re, die die Va­lo­ren seit län­ge­rer Zeit im Port­fo­lio hal­ten, kön­nen sich über ei­ne re­gel­mäs­si­ge Di­vi­den­de freu­en (vgl. Gra­fik). Im Vor­jahr er­wirt­schaf­te­te Sing­tel ei­nen Ge­winn von 3,8 Mrd. sing. $ und ein Gross­teil da­von wur­de aus­ge­schüt­tet.

Das Un­ter­neh­men, des­sen Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung sich auf rund 50 Mrd. sing. $ be­läuft, er­zielt mehr als die Hälf­te sei­nes Um­sat­zes im Aus­land und ist so­mit gros­sen Wäh­rungs­fluk­tua­tio­nen aus­ge­setzt. Dies zeig­te sich auch im drit­ten Quar­tal (per En­de De­zem­ber), wo Sing­tel trotz ei­nes 2,7% hö­he­ren Um­sat­zes (4,8 Mrd. sing. $) knapp ein Zehn­tel we­ni­ger Ge­winn (902 Mio. sing. $) er­ziel­te. Die star­ke Heim­wäh­rung dürf­te das Aus­land­ge­schäft wei­ter­hin be­las­ten. Trotz­dem er­war­tet die ja­pa­ni­sche Bank No­mu­ra auf Jah­res­sicht nur ei­nen leich­ten Ge­winn­rück­gang und sieht für die Ak­ti­en ein Auf­wärts­po­ten­zi­al von 7,2%. Al­ler­dings sind die Ti­tel be­reits heu­te re­la­tiv hoch be­wer­tet.

Staats­fonds hält Mehr­heit

Der Sin­ga­pu­rer Staats­fonds Te­ma­sek be­sitzt 54% an Sing­tel, hält am Ak­ti­en­pa­ket fest und hat dem Un­ter­neh­men ei­nen sta­bi­len Wachs­tums­kurs ver­schrie­ben. Ähn­lich ver­hält es sich auch mit an­de­ren von Te­ma­sek ge­hal­te­nen Ge­sell­schaf­ten, et­wa der na­tio­na­len Flug­ge­sell­schaft Sin­ga­po­re Air­lines. Das Un­ter­neh­men muss­te An­fang Fe­bru­ar das fünf­te Mal in Fol­ge ei­nen tie­fe­ren Ge­winn an­mel­den, der zu­dem deut­lich un­ter den Ana­lys­ten­er­war­tun­gen lag. Trotz des ent­täu­schen­den Re­sul­ta­tes ga­ben die Ak­ti­en nur ge­ring nach. Auch die Sing­tel-ak­ti­en zeig­ten sich vom Quar­tals­aus­weis re­la­tiv un­be­ein­druckt.

Die An­fän­ge des Un­ter­neh­mens rei­chen über zu­min­dest ei­nen Na­mens­wech­sel 140 Jah­re in die Zeit der bri­ti­schen Ko­lo­ni­al­herr­schaft zu­rück. Es ist ei­ne der äl­tes­ten Te­le­fon­ge­sell­schaf­ten der Re­gi­on. Heu­te ist die eben­falls an der aus­tra­li­schen Bör­se ko­tier­te Ge­sell­schaft auf dem Heim­markt trotz der im Jahr 2000 er­folg­ten Li­be­ra­li­sie­rung im Fest­netz-, Mo­bil­te­le­fon- und Breit­band­ge­schäft wei­ter­hin klar die Num­mer eins. Doch ist die Grup­pe längst über den mit we­ni­ger als sechs Mil-

Gröss­te Ti­tel im Straits Ti­mes In­dex lio­nen Ein­woh­nern re­la­tiv klei­nen Sin­ga­pu­rer Markt hin­aus­ge­wach­sen: Das Un­ter­neh­men hat­te nach ei­ge­nen An­ga­ben ver­gan­ge­nen Herbst in 25 Län­dern 424 Mio. Abon­nen­ten, da­für wen­de­te Sing­tel ins­ge­samt 9,7 Mrd. sing. $ auf. Der Wert die­ser In­ves­ti­ti­on be­läuft sich heu­te auf rund 30 Mrd. sing. $

Wei­te­re Plä­ne im Aus­land

Nach der Ak­qui­si­ti­on der aus­tra­li­schen Op­tus ist die Grup­pe auf dem fünf­ten Kon­ti­nent in den Be­rei­chen Fest­netz und Mo­bil­te­le­fon hin­ter der lo­ka­len Tel­s­tra Cor­po­ra­ti­on kla­re Num­mer zwei. Ne­ben be­nach­bar­ten süd­ost­asia­ti­schen Län­dern ist Sing­tel in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch in In­di­en, Sri Lan­ka und Afri­ka prä­sent. Die Aus­lands­ex­pan­si­on dürf­te da­mit aber noch nicht ab­ge­schlos­sen sein. Ana­lys­ten von No­mu­ra ge­hen da­von aus, dass die Bran­che vor ei­ner Kon­so­li­die­rungs­pha­se steht, an de­ren En­de es welt­weit fünf bis zehn do­mi­nan­te An­bie­ter ge­ben wird. Es be­steht kein Zwei­fel, dass Ak­tio­när Te­ma­sek Sing­tel zu ei­nem Mit­glied die­ses ex­klu­si­ven Klubs ma­chen möch­te.

Das Ziel dürf­te in­des kaum al­lein durch ein or­ga­ni­sches Wachs­tum rea­li­siert wer­den. Soll­te es in den nächs­ten Jah­ren zu be­deu­ten­den Über­nah­men kom­men, dürf­te das auch den Ak­ti­en­kurs in Be­we­gung brin­gen – ge­lun­ge­ne Ak­qui­si­tio­nen wür­den den Wert des Un­ter­neh­mens er­hö­hen. An­de­rer­seits wä­ren Zu­käu­fe wahr­schein­lich sehr kost­spie­lig und nicht oh­ne Ri­si­ken, was zu­min­dest kurz- und mit­tel­fris­tig den Ak­ti­en­kurs un­ter Ab­ga­be­druck brin­gen könn­te.

No­mu­ra spiel­te An­fang Jahr hin­sicht­lich ei­ner zu­künf­ti­gen Ex­pan­si­on ei­ne gan­ze Rei­he von Sze­na­ri­en durch. Ei­ne Mög­lich­keit wä­re ein Zu­sam­men­schluss mit dem ma­lay­si­schen Tele­com­kon­zern Axi­ata. Das an der Bör­se Kua­la Lum­pur ko­tier­te Un­ter­neh­men wird vom ma­lay­si­schen Staats­fonds Kaz­ha­na kon­trol­liert. Sing­tel macht rund 10% und Axi­ata 7% der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung der Bör­sen Sin­ga­pur re­spek­ti­ve Kua­la Lum­pur aus. Na­tio­na­le Ego­is­men auf bei­den Sei­ten spre­chen je­doch ge­gen ei­nen Zu­sam­men­schluss. Weil bei­de Ge­sell­schaf­ten in In­do­ne­si­en be­reits jetzt ei­ne sehr star­ke Prä­senz ha­ben – Sing­tel über ei­nen 35%-An­teil an der Te­le­fon­ge­sell­schaft Tel­com­sel –, ist die re­gu­la­to­ri­sche Hür­de zu­dem hoch.

Stark in Schlüs­sel­märk­ten

Auf der an­de­ren Sei­te wür­de ei­ne neu ge­schaf­fe­ne Ge­sell­schaft in elf Schlüs­sel­märk­ten der Re­gi­on ei­ne sehr star­ke Po­si­ti­on ein­neh­men. Durch den Ver­kauf von Be­tei­li­gun­gen in Märk­ten, in de­nen die bei­den Un­ter­neh­men be­reits jetzt prä­sent sind, wür­de ih­re Fi­nanz­po­si­ti­on deut­lich ge­stärkt wer­den. All das wür­de Sy­ner­gi­en für ei­ne wei­te­re Ex­pan­si­on frei­set­zen. Kurz­fris­tig kön­nen Ak­tio­nä­re bei Sing­tel auf ei­ne star­ke Bi­lanz und at­trak­ti­ve Di­vi­den­den zäh­len. Der da­mit ver­bun­de­ne Geld­zu­fluss gibt dem Ma­nage­ment nach Meinung von No­mu­ra auf al­le Fäl­le auch in die­sen vo­la­ti­len Zei­ten die Mög­lich­keit «für ein ag­gres­si­ves Ka­pi­tal­ma­nage­ment». Ob das in Form von Ak­qui­si­tio­nen oder Aus­schüt­tun­gen an die Teil­ha­ber pas­siert, bleibt vo­r­erst of­fen. Es ist je­doch in je­dem Fall da­mit zu rech­nen, dass Sing­tel in den kom­men­den Jah­ren über Süd­ost­asi­en hin­aus von sich hö­ren macht.

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