Was ist LNG?

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - DM

Erd­gas ist als Koh­len­was­ser­stoff­ver­bin­dung in luft­dich­ten Erd­schich­ten un­ter ho­hem Druck über Jahr­mil­lio­nen ent­stan­den. Es be­steht aus­ser aus dem in in­dus­tri­el­len Pro­zes­sen ge­wünsch­ten Methan auch aus Et­han, Pro­pan, Bu­tan, Stick­stoff, Schwe­fel so­wie Spu­ren­ele­men­ten. Da­her muss es ge­rei­nigt und ge­trock­net wer­den. Ver­flüs­sigt wird Erd­gas durch Tiefst­kühl- oder Kryo­tech­nik. Mit­hil­fe kryo­ge­ner Wär­me­tau­scher wird es in der Cold­box auf –161,5º Cel­si­us un­ter den Sie­de­punkt her­un­ter­ge­kühlt. Die­ses Li­que­fied Na­tu­ral Gas oder LNG hat ei­nen hö­he­ren Rein­heits­grad als Pi­pe­line­gas und nimmt sechs­hun­dert­mal we­ni­ger Vo­lu­men ein. Mit ge­eig­ne­ten Tank­schif­fen oder Tank­wa­gen lässt es sich fast über­all­hin schaf­fen. Durch Er­wär­mung wird LNG in den gas­för­mi­gen Ag­gre­gats­zu­stand zu­rück­ver­wan­delt und kann in Pi­pe­lines ein­ge­speist wer­den.

We­ni­ger ver­brei­tet als die Lng-tech­no­lo­gie ist die zwei­te Wachs­tums­hoff­nung im Gas­markt, die Gas-to-li­quids-tech­no­lo­gie. In ei­nem che­mi­schen Pro­zess wird aus Gas durch Zu­ga­be von Sau­er­stoff und Was­ser­dampf flüs­si­ger Treib­stoff ge­won­nen. Die­sel und Ke­ro­sin aus GTL ha­ben bes­se­re Ab­gas­wer­te als ver­gleich­ba­re vom Erd­öl ab­ge­lei­te­te Pro­duk­te. LNG- und GTL-AN­LA­gen sind kom­bi­nier­bar. Ver­flüs­si­gungs­an­la­gen in Chi­na ge­baut. Als ein­zi­ger Her­stel­ler baut Lin­de ge­wi­ckel­te Wär­me­tau­scher und Plat­ten­wär­me­tau­scher. Zu den Kun­den zäh­len der Lng-pro­du­zent Shell (vgl. Text un­ten), aber auch Wood­si­de oder Co­no­co­phil­lips. Shell baut World-sca­le-an­la­gen für den Ei­gen­ge­brauch. Der World-sca­le-ln­gMarkt ist hoch kon­zen­triert: Nur die USG­rup­pe Air Pro­ducts ist noch im Wär­me­tau­scher­ge­schäft für Lng-an­la­gen un­ter­wegs und glo­ba­ler Markt­füh­rer.

Mit dem Bau ei­ner World-sca­le-an­la­ge in Ham­mer­fest hat Lin­de 2002 den Fuss in die­sen Markt ge­setzt. Nach An­lauf­schwie­rig­kei­ten über­trifft der Kom­plex in Ham­mer­fest ge­mäss Be­trei­ber Sta­toil die Leis­tungs­er­war­tun­gen. Wei­te­re World-sca­lePro­jek­te hat Lin­de noch nicht er­gat­tert. Lang be­tont, dass Lin­de der ein­zi­ge eu­ro­päi­sche An­bie­ter ist, der die gan­ze Wert­schöp­fungs­ket­te im Lng-an­la­gen­bau ab­deckt. Auch klei­ne­re Ter­mi­nals, in de­nen das ver­flüs­sig­te Gas wie­der ge­brauchs­fä­hig ge­macht wird, rüs­tet Lin­de aus.

Für den Ein­satz auf dem Meer ent­wi­ckelt Lin­de ei­ne Floa­ting Pro­duc­tion, Sto­r­a­ge and Of­floa­ding-platt­form (FPSO). Auch ein Lng-truck- und Tank­stel­len­ge­schäft be­treibt die Grup­pe. Sy­ner­gi­en er­ge­ben sich durch das Know-how an­de­rer Pro­zes­se, et­wa in der Gas­auf­be­rei­tung. Wie Wett­be­wer­ber Air Pro­ducts baut Lin­de zu­dem Luft­zer­le­ger, die im Gas-to-li­quids-ver­fah­ren (vgl. Box oben) zum Ein- satz kom­men. Lin­de hat die Gtl-an­la­ge von Shell in Ka­tar aus­ge­rüs­tet. Je nach Markt­la­ge kann es für Pro­du­zen­ten at­trak­ti­ver sein, Gas als LNG zu ex­por­tie­ren, oder aus Gas Treib­stoff her­zu­stel­len.

Small LNG reiz­voll

Schwie­rig zu be­ur­tei­len ist im Zu­lie­fer­ge­schäft die Mar­gen­ent­wick­lung. Sie dürf­te gut sein, aber De­tails ge­ben die Un­ter­neh­men nicht be­kannt. Lin­de En­gi­nee­ring, zu der das Lng-ge­schäft zählt, kam in den ers­ten neun Mo­na­ten 2011 auf ei­ne ope­ra­ti­ve Mar­ge von 12%, was un­ter je­ner der Ga­se-di­vi­si­on (27,3%) ist. De­tail­lier­te­re An­ga­ben gibt es nicht. Air Pro­ducts will im Ge­samt­kon­zern bis 2015 die Mar­ge von 15,9% (per En­de 2011) auf 20% stei­gern.

Die Per­spek­ti­ven für die Gas­zu­lie­fe­rer sind gut. Nach wie vor flies­sen ho­he In­ves­ti­tio­nen in den Gas­markt. GDF Su­ez et­wa will bis 2020 den Lng-um­satz in Schwel­len­län­dern ver­dop­peln. Staat­li­cher Ein­fluss und Kom­ple­xi­tät gestal­ten Pro­jek­te aber oft schwie­rig. Das we­ni­ger pro­mi­nen­te Small-lng-ge­schäft ist pri­vat ge­prägt und hat ge­rin­ge­re In­ves­ti­ti­ons­hür­den, was Lin­de und Air Pro­ducts zu­gu­te­kommt. Ge­gen­über den Ser­vice- oder Pro­jek­tie­rungs­spe­zia­lis­ten wie Chiyo­da oder Tech­nip ver­fü­gen sie über den Vor­teil, die che­mi­schen und phy­si­ka­li­schen Pro­zes­se ver­tieft zu ver­ste­hen. Das dürf­te sich in dem Markt noch wei­ter aus­zah­len.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.