Che­nie­re muss Kehrt­wen­de ma­chen

USA Gas­schwem­me zwingt Un­ter­neh­men, vom Im­por­teur zum Ex­por­teur von LNG zu wer­den

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - MAR­TIN GOLLMER

Die un­er­war­te­te Re­nais­sance der USE­ner­gie­pro­duk­ti­on hat die Plä­ne von Che­nie­re Ener­gy plat­zen las­sen, ein füh­ren­der Im­por­teur von Flüs­sig­gas (LNG) zu wer­den. Das Vor­ha­ben war mit ei­ner ho­hen Ver­schul­dung ver­bun­den. Jetzt will die ro­te Zah­len schrei­ben­de Grup­pe – wenn sie denn den Gläu­bi­gern ent­kom­men kann – der ers­te gros­se Lng-ex­por­teur der Na­ti­on wer­den.

Che­nie­re, die nur dank der Aus­ga­be neu­er Ak­ti­en und Bank­kre­di­ten über­le­ben konn­te, ver­fügt nun über Lie­fer­ver­trä­ge von 10,5 Mrd. Ku­bik­fuss LNG pro Jahr. Das LNG soll ab 2016 von den ge­plan­ten Ex­port­ter­mi­nals in Sa­bi­ne Pass (Loui­sia­na) und Cor­pus Chris­ti ( Te­xas) nach Über­see ver­schifft wer­den. Die zwan­zig Jah­re lau­fen­den Ver­trä­ge mit 28 Mrd. $ Ge­samt­wert wur­den mit BG Group (GB), Gas Na­tu­ral Fe­no­sa (E) und Gail (I) ab­ge­schlos­sen.

Die Kehrt­wen­de von Che­nie­re il­lus­triert die sich rasch wan­deln­de Dy­na­mik der Us-ener­gie­in­dus­trie, die in­ner­halb we­ni­ger Jah­re den Zu­stand der Knapp­heit mit dem des Über­flus­ses ein­ge­tauscht hat. Haupt­grund sind neue För­der­tech­ni­ken wie das ho­ri­zon­ta­le Boh­ren und das hy­drau­li­sche Aufs­pren­gen von fel­si­gem Un­ter­grund (Fracking). Das hat zu ei­ner ei­gent­li­chen Gas­schwem­me ge­führt. Der Gas­preis ist da­bei in den USA seit Ju­li 2008 von bei­na­he 14 $ un­ter den Wert von 2.50 $ pro Mil­li­on Bri­ti­sche Ther­mal­ein­hei­ten (Bri­tish Ther­mal Unit, BTU) ge­fal­len.

Das Be­lie­fern von neu­en Märk­ten im Aus­land, wo die Gas­prei­se meis­tens deut­lich hö­her sind, könn­te ei­ne Lö­sung sein für die ge­beu­tel­ten Us-gas­pro­du­zen­ten. Al­ler­dings be­fürch­ten ein­hei­mi­sche Gross­ver­brau­cher wie Dow Che­mi­cal, dass des­we­gen der Gas­preis im In­land stei­gen könn­te, und lau­fen nun bei der Re­gie­rung in Washington Sturm.

In den ers­ten Jah­ren des neu­en Jahr­hun­derts glaub­te Cha­rif Sou­ki, der li­ba­ne­si­sche Grün­der und CEO von Che­nie­re, gros­ses Geld mit der Gas­knapp­heit in den USA ma­chen zu kön­nen. Bis 2006 hat­te er sich 2 Mrd. $ ge­lie­hen, um ein LNGIm­port­ter­mi­nal am Golf von Me­xi­ko zu bau­en. Doch da der Lng-preis an den des Öls ge­bun­den war, durch­kreuz­te der kräf­ti­ge Öl­preis­an­stieg bis 2008 sei­ne Plä­ne. Auch führ­ten die neu­en För­der­tech­ni­ken zu ei­nem Gas­über­an­ge­bot, so­dass Im­por­te nicht mehr nö­tig wa­ren. Kaum war das Ter­mi­nal er­öff­net, muss­te Che­nie­re gros­se Tei­le des Per­so­nals ent­las­sen.

Sou­ki be­schloss dar­auf­hin, vom LNGIm­por­teur zum -Ex­por­teur zu wer­den. Er hofft, die Fi­nan­zie­rung ei­ner 6 Mrd. $ teu­ren Ein­fuhr­an­la­ge am sel­ben Ort bis April bei­sam­men zu ha­ben. Im zwei­ten Quar­tal 2012 soll dann nach Ge­wäh­rung der not­wen­di­gen Be­wil­li­gun­gen mit dem Bau be­gon­nen wer­den.

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