Olym­pus hält Um­satz

JA­PAN Nach Buch­hal­tungs­skan­dal feh­len 100 Mrd. Yen Ka­pi­tal

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - DO­MI­NIK FELDGES

Der ja­pa­ni­sche Ka­me­ra­her­stel­ler und En­do­sko­pie­spe­zia­list Olym­pus hält we­gen ei­nes Buch­hal­tungs­skan­dals die In­ves­to­ren seit Mo­na­ten in Atem, doch das ope­ra­ti­ve Ge­schäft wur­de da­von bis­her kaum tan­giert. In den ers­ten neun Mo­na­ten des bis En­de März lau­fen­den Ge­schäfts­jahrs 2011/12 ent­wi­ckel­te sich der Um­satz sta­bil. Er er­reich­te wie in der Vor­jah­res­pe­ri­ode rund 624 Mrd. Yen (7,4 Mrd. Fr.).

Für das Ge­samt­jahr stellt Olym­pus ei­nen eben­falls kaum ver­än­der­ten Um­satz von 854 (im Vor­jahr 847) Mrd. Yen in Aus­sicht. Der ope­ra­ti­ve Ge­winn wird sich da­ge­gen um ge­schätz­te 6% auf 36 Mrd. Yen ver­rin­gern. Per sal­do dürf­te ein Ver­lust von 32 Mrd. Yen (378 Mio. Fr.) re­sul­tie­ren nach ei­nem Ge­winn von 7,4 Mrd. Yen im Vor­jahr. Grund da­für sind in ers­ter Li­nie die ho­hen Wert­be­rich­ti­gun­gen, zu de­nen sich Olym­pus nach dem Auf­flie­gen des Skan­dals im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber ge­zwun­gen sah.

Ope­ra­tiv stimmt die Leis­tung

Im drit­ten Quar­tal per En­de De­zem­ber 2011 stei­ger­te Olym­pus den Um­satz 2%, wäh­rend sich der ope­ra­ti­ve Ge­winn 11% zu­rück­bil­de­te. Oh­ne den ne­ga­ti­ven Ein­fluss durch die aber­ma­li­ge Ver­teue­rung des Yens so­wie we­gen der Flut­ka­ta­stro­phe in Thai­land und Spät­fol­gen des Erd­be­bens in Ja­pan hät­te nach Schät­zung des Ma­nage­ments in­des ein Zu­wachs von 8 bzw. 21% re­sul­tiert. Für die Ana­lys­ten der ja­pa­ni­schen In­vest­ment­bank No­mu­ra ist das ein kla­rer Be­weis, dass das Kern­ge­schäft von Olym­pus trotz der Se­rie von Ne­ga­tiv­schlag­zei­len we­gen der jah­re­lan­gen Ver­tu­schung von Ver­lus­ten nicht ge­lit­ten hat.

Die in­tak­te ope­ra­ti­ve Stär­ke von Olym­pus äus­sert sich auch dar­in, dass in der wich­tigs­ten Spar­te, dem Ge­schäft mit Me­di­zi­nal­tech­nik­pro­duk­ten, im drit­ten Quar­tal der Um­satz im ja­pa­ni­schen Heim­markt 10% ge­stei­gert wur­de. Im üb­ri­gen Asi­en be­trug der Zu­wachs in Lo­kal­wäh­rung gar 40%, in Eu­ro­pa im­mer­hin 7%. Schwä­cher ent­wi­ckel­te sich le­dig­lich das US-GE­schäft, das ei­ne leich­te Um­satz­ein­bus­se von 1% ver­zeich­ne­te. Olym­pus ist in der Me­di­zi­nal­tech­nik mit ei­nem Markt­an­teil von rund 70% welt­gröss­ter An­bie­ter von En­do­sko­pie­ge­rä­ten, die vor al­lem für Ma­gen-darm-un­ter­su­chun­gen ein­ge­setzt wer­den. Ins­ge­samt steu­er­te die Me­di­zi­nal­tech­nik im ver­gan­ge­nen Fis­kal­jahr 42% zum Um­satz und das Gros des Be­triebs­ge­winns bei. Oh­ne den Ge­winn­bei­trag von 69,3 Mrd. Yen die­ser Spar­te hät­te Olym­pus ei­nen ope­ra­ti­ven Ver­lust aus­ge­wie­sen.

Nach wie vor de­fi­zi­tär ist das Fo­to­ka­me­ra­ge­schäft. Es litt im drit­ten Quar­tal un­ter den Fol­gen der Über­schwem­mun­gen in Thai­land, wo Olym­pus wie Ni­kon und Ca­non tief­prei­si­ge Kom­pakt­ka­me­ras her­stellt. We­gen Lie­fer­pro­ble­men muss­te das Un­ter­neh­men be­reits die für Früh­ling vor­ge­se­he­ne Lan­cie­rung neu­er Mo­del­le hin­aus­schie­ben. Aus­ser­dem er­litt das Ka­me­ra­ge­schäft von Olym­pus im drit­ten Quar­tal ei­nen ope­ra­ti­ven Ver­lust von 3,6 Mrd. Yen. Es dürf­te auch zwi­schen Ja­nu­ar und März mit ei­nem ge­schätz­ten Fehl­be­trag von 5,2 Mrd. Yen in den ro­ten Zah­len ope­rie­ren.

Per­le En­do­sko­pie­ge­schäft

Das Ei­gen­ka­pi­tal von Olym­pus ist in den ers­ten neun Mo­na­ten des lau­fen­den Ge­schäfts­jahrs 18% auf 168 Mrd. Yen ge­schrumpft. We­gen des in Aus­sicht ge­stell­ten Ver­lusts wird es im vier­ten Ge­schäfts­quar­tal wei­ter sin­ken. Olym­pus hat Spe­ku­la­tio­nen de­men­tiert, wo­nach be­reits Ver­hand­lun­gen über die Plat­zie­rung zu­sätz­li­cher Ak­ti­en oder Al­li­an­zen mit Kon­kur­ren­ten ge­führt wor­den sei­en. Al­ler­dings wird vom Ma­nage­ment gros­so mo­do be­stä­tigt, dass der Ka­pi­tal­be­darf um 100 Mrd. Yen (1,2 Mrd. Fr.) be­trägt.

Den Ak­tio­nä­ren von Olym­pus droht vor die­sem Hin­ter­grund ei­ne Ver­wäs­se­rung ih­rer An­tei­le, nach­dem sie seit Ok­to­ber schon Kurs­ver­lus­te von 48% hin­neh­men muss­ten. Im Ak­ti­en­kurs dürf­te die Ka­pi­tal­er­hö­hung es­komp­tiert sein. Olym­pus ver­fügt mit dem En­do­sko­pie­ge­schäft über ei­ne Per­le, an der der ja­pa­ni­sche Wett­be­wer­ber Fu­ji­film be­reits öf­fent­lich In­ter­es­se be­kun­det hat. Ri­si­ko­fä­hi­gen An­le­gern bie­tet sich in dem Op­tik­spe­zia­lis­ten ei­ne Ein­stiegs­ge­le­gen­heit.

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