Air Fran­ce in Tur­bu­len­zen

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Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - GW,

Pünkt­lich zum Be­ginn der Win­ter­fe­ri­en im Gross­raum Paris am Wo­che­n­en­de dro­hen die Ge­werk­schaf­ten der Luft­fahrt­bran­che in Frank­reich mit neu­en Streiks. Da­bei ha­ben Pi­lo­ten und Flug­be­glei­ter von Air Fran­ce erst letz­te Wo­che vier Ta­ge lang ge­streikt, so­dass die oh­ne­hin fi­nan­zi­ell an­ge­schla­ge­ne Ge­sell­schaft vie­le Flü­ge strei­chen muss­te. Pro Tag kos­te­te sie das nach ei­ge­nen An­ga­ben rund 8 bis 10 Mio. €.

Die Be­las­tun­gen könn­ten zu kei­nem un­güns­ti­ge­ren Zeit­punkt kom­men. Denn der Mut­ter­kon­zern Air Fran­ce-klm wird am 8. März vor­aus­sicht­lich ei­nen Jah­res­ver­lust be­kannt­ge­ben. Alex­and­re de Ju­ni­ac, der En­de 2011 das Steu­er von Pier­reHen­ri Gour­ge­on über­nahm, hat be­reits im Ja­nu­ar ei­nen Spar­plan an­ge­kün­digt. Er ver­häng­te ei­nen Ein­stel­lungs­stopp und die Ein­frie­rung der Ge­häl­ter. Nun will er die Ta­rif­abkom­men der Air-fran­ce-mit­ar­bei­ter neu ver­han­deln.

Das Flug­per­so­nal von Air Fran­ce gilt als das teu­ers­te der Welt. Ge­mäss dem Wirt­schafts­ma­ga­zin «Chal­len­ges» kos­tet es 35% mehr pro Sitz­platz­ki­lo­me­ter als das von Luft­han­sa und 53% mehr als das von Ea­sy­jet. Das hän­ge vor al­lem mit der Art zu­sam­men, wie die Ar­beit or­ga­ni­siert sei. Air Fran­ce ha­be mehr Per­so­nal auf Flü­gen, als al­le an­de­ren Flug­ge­sell­schaf­ten. Auf Kurz­stre­cken be­fän­den sich vier Flight At­ten­dants an Bord ei­ner A319-ma­schi­ne. Bei Luft­han­sa sei­en es nur drei. Ähn­lich sieht es auch auf Langstre­cken­flü­gen aus. Die Pi­lo­ten von Air Fran­ce flie­gen im Schnitt nur 545 St­un­den pro Jahr, die von Luft­han­sa 596 St­un­den.

Der neue Air-fran­ce-chef will zu­nächst Aus­gleichs­ta­ge und -zah­lun­gen, Prä­mi­en so­wie Fe­ri­en­re­ge­lun­gen neu ver­han­deln. Doch das ist nicht der ein­zi­ge Grund, wes­halb die Ge­werk­schaf­ten mit wei­te­ren Streiks dro­hen. Sie wol­len auch ein ge­plan­tes Ge­setz ver­hin­dern, das ihr Streik­recht ein­schrän­ken wür­de. Die kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung will für die Bran­che ei­nen so­ge­nann­ten Min­dest­dienst ein­füh­ren, wie es ihn im öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr seit 2008 gibt. Eric Di­ard, Ab­ge­ord­ne­ter der Re­gie­rungs­par­tei UMP, hat ein Ge­setz vor­ge­schla­gen, das al­le Mit­ar­bei­ter der Luft­ver­kehrs­bran­che zwin­gen wür­de, je­weils 48 St­un­den im Vor­aus an­zu­kün­di­gen, ob sie tat­säch­lich strei­ken wer­den oder nicht. So könn­te das nicht strei­ken­de Per­so­nal ein­ge­setzt wer­den, da­mit mög­lichst we­ni­ge Flü­ge ge­stri­chen wer­den müs­sen. Die Ab­ge­ord­ne­ten der Na­tio­nal­ver­samm­lung ha­ben dem Ent­wurf be­reits zu­ge­stimmt. Am Mitt­woch soll er der zwei­ten Kam­mer des Par­la­ments vor­ge­legt wer­den.

Für Air Fran­ce-klm steht viel auf dem Spiel. In­ves­to­ren soll­ten ab­war­ten, wie die Ver­hand­lun­gen über die Ta­rif­abkom­men in Frank­reich vor­an­kom­men. Die Ein­füh­rung ei­nes Min­dest­diens­tes bei Streiks wä­re zu be­grüs­sen.

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