«Der IWF wird uns ….»

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - IN­TER­VIEW: PHIL­IP­PE BÉGUELIN UND PE­TER ROHNER

Kri­sen brin­gen Ve­rän­de­rung, Not­wen­dig­keit ist die Mut­ter der Er­fin­dung. Die Kri­se kann ei­ne Neu­be­ur­tei­lung im An­lei­hen­markt sein, wenn wir Schul­den neu zu 8 statt wie bis­her zu 2% ver­zin­sen müs­sen. Fin­det die Po­li­tik ei­ne er­träg­li­che Lö­sung? Der Wes­ten kann das Pro­blem nicht selbst lö­sen. In zehn Jah­ren wird die Welt an­ders aus­se­hen. Chi­na, In­di­en, Ka­tar, Nor­we­gen und Bra­si­li­en sind reich an Er­spar­nis­sen, sie wer­den den Wäh­rungs­fonds IWF re­ka­pi­ta­li­sie­ren. Die­se Län­der brau­chen Eu­ro­pa und die USA, sie wol­len uns nicht schwä­chen – be­reits jetzt gibt es Un­ru­hen in Chi­na. Sie sind dann im IWF fe­der­füh­rend und wer­den mit den USA das tun, was die­se vor 15 Jah­ren mit an­de­ren Län­dern ge­tan ha­ben: «Re­struk­tu­rie­re, sonst er­hältst Du kei­nen Kre­dit.» Sie wer­den uns die Me­di­zin ver­ab­rei­chen, die wir selbst Kön­nen west­li­che Po­li­ti­ker ei­ner er­zwun­ge­nen Re­struk­tu­rie­rung nicht vor­beu­gen? Wir wäh­len Po­li­ti­ker, die uns Din­ge ver­spre­chen, die nie­mand be­zah­len kann. De­mo­kra­tie, wie wir sie ken­nen, hat ver­sagt. Das spiel­te kei­ne Rol­le, so­lan­ge es nur we­ni­ge al­te Leu­te gab. Auch Ge­ne­ral Mo­tors ver­sprach al­len Mit­ar­bei­tern ei­ne Al­ters­vor­sor­ge, das war vor 30 Jah­ren. Dann wur­de GM ei­ne Pen­si­ons­kas­se mit ei­nem Au­to­her­stel­ler als An­häng­sel. Das ist ein Witz. Po­li­zis­ten er­hal­ten pro Jahr 300 000 $ Ren­te, und die Jun­gen müs­sen 15 000 $ für die Uni­ver­si­tät be­zah­len. Wie­so lei­den im­mer die jun­gen Leu­te? Weil die Lö­sung des spiel­theo­re­ti­schen Pro­blems lau­tet: Wir ei­ni­gen uns auf Kos­ten un­se­rer En­kel. Wir müs­sen die De­mo­kra­tie re­pa­rie­ren. Ist das un­de­mo­kra­ti­sche Chi­na im Vor­teil? Nein. Ich mag Chi­nas Po­li­tik nicht, al­ler­dings hat das Land den Plus­punkt, dass die Füh­rer nicht dar­an in­ter­es­siert sind, be­son­ders reich zu wer­den. Die al­ten Män­ner wol­len wirk­lich ei­ne Po­li­tik ver­fol­gen, die Chi­na für die Zu­kunft rüs­tet. In Sin­ga­pur ist das eben­falls so. Chi­nas Füh­rung kann schnel­ler re­agie­ren als west­li­che Re­gie­run­gen. Chi­na und auch Russ­land ver­fol­gen die Me­tho­de der sicht­ba­ren Faust. Ich nen­ne das Pu­ti­nis­mus: «Ukrai­ne, tu, was ich will, oder ich stel­le die Gas­zu­fuhr ab.» Es gibt kei­nen frei­en Markt. Chi­na be­sticht Re­gie­run­gen, um die Roh­stof­fe zu kon­trol­lie­ren. Wenn wir künf­tig Öl wol­len, müs­sen wir Chi­na um ein Kon­tin­gent bit­ten. Die Ant­wort lau­tet: «Dei­ne Re­de ges­tern Abend hat uns nicht ge­fal­len, jetzt kos­tet das Öl dop­pelt so viel.» Die sicht­ba­re Faust ge­gen die un­sicht­ba­re Hand von Adam Smith. In ei­nem frei­en Markt gibt es kei­ne Ver­hand­lungs­macht und kei­ne Dro­hun­gen. Was un­ter­stützt das Wirt­schafts­wachs­tum am meis­ten? Im klas­si­schen Mo­dell ist das Pro­duk­ti­ons­wachs­tum ei­ne Funk­ti­on der Fak­to­ren Land, Ar­beit, In­no­va­ti­on. Wur­de die­se Theo­rie je­mals ge­tes­tet? Nein. Wir ha­ben neue Da­ten von 181 Län­dern aus­ge­wer­tet: Am wich­tigs­ten ist die Qua­li­tät des Rechts­sys­tems. Und das ent­spricht dem ge­sun­den Men­schen­ver­stand. Ist der Rich­ter be­stech­lich, schlies­sen die Leu­te aus Angst vor Über­vor­tei­lung we­ni­ger Ver­trä­ge ab. Wer­den we­ni­ger Ge­schäf­te durch­ge­führt, wächst die Wirt­schaft lang­sa­mer. So ein­fach ist das.

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