Zum Glück braucht es Di­vi­den­den

Der gröss­te Teil der Ak­ti­en­ren­di­te ( To­tal Re­turn) geht auf die Aus­schüt­tung zu­rück – Die Wert­schrif­ten im Di­vi­den­den-mus­ter­port­fo­lio bie­ten mehr als ei­ne ho­he Ren­di­te

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MI­SCHA STÜNZI UND MARK DITT­LI

Die Ren­di­ten für si­che­re An­lei­hen lie­gen auf re­kord­tie­fem Ni­veau. Zehn­jäh­ri­ge Staats­ob­li­ga­tio­nen in Deutsch­land und in den USA wer­fen we­ni­ger als 2% ab, in der Schweiz kann sich ein In­ves­tor mit zehn­jäh­ri­gen Bun­des­an­lei­hen gan­ze 82 Ba­sis­punk­te per an­num si­chern. Die Ren­di­te in­fla­ti­ons­ge­schütz­ter Staats­an­lei­hen ist in vie­len Fäl­len so­gar ne­ga­tiv. «Der Markt für si­che­re Bonds ist his­to­risch über­be­wer­tet», kom­men die Stra­te­gen von Bar­clays Ca­pi­tal in ih­rer jähr­li­chen «Equi­ty Gilt Stu­dy» zum Schluss. Ein­kom­mens­ori­en­tier­te In­ves­to­ren ste­hen vor ei­nem Di­lem­ma: Mit dem Kauf von Ob­li­ga­tio­nen set­zen sie zwar auf Si­cher­heit, wis­sen aber auch, was ih­re ma­xi­ma­le Ren­di­te auf Ver­fall ist. Und 0,82% sind wahr­lich nicht be­rau­schend.

Hier schafft der Ak­ti­en­markt Ab­hil­fe. Die Di­vi­den­de als Per­for­man­ce­lie­fe­rant rückt wie­der in den Fo­kus. Das ist als An­la­gei­dee zwar nicht mehr neu, aber die Stra­te­gie ist im­mer noch at­trak­tiv. Das Seg­ment der Di­vi­den­den­zah­ler an den Bör­sen ist nicht über­be­wer­tet. Ei­nen wich­ti­gen Grund­satz soll­ten sich In­ves­to­ren al­ler­dings zu Her­zen neh­men: Ei­ne ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te al­lein ge­nügt nicht für den Kauf­ent­scheid. Wich­tig ist die Qua­li­tät der Bi­lanz und der Aus­schüt­tungs­po­li­tik ei­nes Un­ter­neh­mens.

582 $ ver­sus 6 $

Die Di­vi­den­den­ren­di­te ist für den weit­aus gröss­ten Teil des ge­sam­ten An­la­ge­er­folgs ( To­tal Re­turn) an den Ak­ti­en­märk­ten ver­ant­wort­lich. Die­ser Grund­satz wird in Boom­zei­ten zwar oft ver­ges­sen, aber die lang­fris­ti­gen Da­ten spre­chen ei­ne kla­re Spra­che: Ein Welt-ak­ti­en­in­dex hat ge­mäss Da­ten von Cre­dit Suis­se über die ver­gan­ge­nen 111 Jah­re ei­nen rea­len To­tal Re­turn von 5,5% pro Jahr er­zielt. 4,1 Pro­zent­punk­te da­von ent­fie­len auf die Di­vi­den­den­ren­di­te, 0,8 Pro­zent­punk­te auf das rea­le Di­vi­den­den­wachs­tum (als gro­be Funk­ti­on des Ge­winn­wachs­tums) und 0,5 Pro­zent­punk­te auf ei­ne Be­wer­tungs­ex­pan­si­on (vgl. Gra­fik 1). In der Schweiz be­trug der rea­le To­tal Re­turn seit 1900 rund 4,2%, wo­von 3,5 Pro­zent­punk­te aus der Di­vi­den­den­ren­di­te stamm­ten.

Ein­drück­lich ist der Zin­ses­zins­ef­fekt, wenn die Di­vi­den­den re­inves­tiert wer­den, wie Cre­dit Suis­se und die Öko­no­men der London Bu­si­ness School dar­le­gen: Wer im Jahr 1900 ei­nen Dol­lar in Us-ak­ti­en steck­te und al­le Di­vi­den­den re­inves­tier­te, be­sass En­de 2008 in­fla­ti­ons­be­rei­nigt 582 $. Das ent­spricht ei­ner Ren­di­te von 6% per an­num. Mit dem Kurs­ge­winn al­lein, al­so oh­ne Di­vi­den­den, hät­te der In­ves­tor heu­te nur 6 $ – ei­ne jähr­li­che Ren­di­te von 1,7%. Da­mit wä­re er schlech­ter ge­fah­ren als mit ei­ner An­la­ge im Ob­li­ga­tio­nen­markt (vgl. Gra­fik 2). Die Zah­len sind zwar per En­de 2008, aber an der grund­sätz­li­chen Aus­sa­ge än­dert sich nichts.

Die Di­vi­den­de soll­te für An­le­ger ge­ne­rell im Zen­trum des In­ter­es­ses ste­hen. Mit ei­nem Vor­be­halt: Mit der Di­vi­den­den­stra­te­gie las­sen sich kei­ne kurz­fris­ti­gen Mo­men­t­umge­win­ne er­zie­len. In ei­ner von stei­gen­der Ri­si­ko­freu­de an­ge­trie­be­nen Ral­ly, wie sie ak­tu­ell seit acht Wo­chen oh­ne Un­ter­bruch die Bör­sen be­herrscht, bleibt die Per­for­mance der Hoch­qua­li­tätsDi­vi­den­den­zah­ler oft auf der Stre­cke.

The­ma ist nicht aus­ge­reizt

Aber für al­le An­le­ger, die gut schla­fen wol­len: Meh­re­re An­halts­punk­te wei­sen dar­auf hin, dass die Di­vi­den­den­stra­te­gie noch nicht aus­ge­reizt ist. Die mitt­le­re Di­vi­den­den­ren­di­te des Ftse-welt-in­dex liegt auf 2,5%, was ei­nen im his­to­ri­schen Ver­gleich seit 1989 un­ter­be­wer­te­ten Markt an­zeigt (vgl. Gra­fik 3). Die Di­vi­den­den­ren­di­te ist zwar an­spre­chend hoch, trotz­dem ver-

Di­vi­den­den­ren­di­te welt­weit harrt die Aus­schüt­tungs­quo­te der Un­ter­neh­men im his­to­ri­schen Ver­gleich auf tie­fem Ni­veau (vgl. Gra­fik 4). In den USA ist sie mit 35% am nied­rigs­ten. Das Kurs-ge­winn-ver­hält­nis der Ak­ti­en mit der höchs­ten Ren­di­te schliess­lich liegt in Eu­ro­pa und Gross­bri­tan­ni­en klar un­ter dem Durch­schnitt des Ge­samt­mark­tes. USRen­di­te­pa­pie­re sind da­ge­gen leicht hö­her be­wer­tet als der Markt (vgl. Gra­fik 5).

Doch ei­ne ho­he Di­vi­den­den­ren­di­te ist kei­ne hin­rei­chen­de Be­din­gung für ei­ne In­ves­ti­ti­on. Wer sei­nen An­la­ge­ent­scheid aus­schliess­lich dar­auf ab­stützt, lan­det schnell in der Sack­gas­se. In­ves­to­ren, die An­fang 2008 von den ver­meint­lich im­men­sen Ren­di­ten der Gross­ban­ken pro­fi­tie­ren woll­ten, kön­nen da­von ein Lied sin­gen. Die Di­vi­den­de heisst nicht um­sonst Ge­winn­aus­schüt­tung.

Aus­schüt­tungs­quo­te (Pay­out Ra­tio)

Wer ei­ne Di­vi­den­den­stra­te­gie ver­folgt, muss min­des­tens drei Punk­te im Au­ge be­hal­ten: Das Un­ter­neh­men muss ei­ne so­li­de Bi­lanz be­sit­zen, der Ge­winn soll­te deut­lich grös­ser sein als die Aus­schüt­tung, und die Ge­sell­schaft muss his­to­risch ei­ne be­stän­di­ge Di­vi­den­den­po­li­tik be­wie­sen ha­ben. Die Ak­ti­en im un­ten dar­ge­stell­ten Port­fo­lio er­fül­len die­se Be­din­gun­gen. Ne­ben üb­li­chen Ver­däch­ti­gen wie Nest­lé und Mcdo­nald’s um­fasst die Aus­wahl zehn et­was we­ni­ger be­ach­te­te Wer­te mit na­tur­ge­mäss et­was hö­he­rem Ri­si­ko.

An­sons­ten ste­hen die Klei­nen den Gross­kon­zer­nen in nichts nach. So bril­liert et­wa die fran­zö­si­sche So­cié­té Bic – be­kannt für Ein­weg­ra­sie­rer und Ku­gel­schrei­ber – beim Pio­troski-wert mit der Ma­xi­mal­no­te 9. Die nach dem Us-fi­nanz­pro­fes­sor Jo­seph Pio­troski be­nann­te Kenn-

Kurs-ge­winn-ver­hält­nis 2012 zahl misst, wie gut ein Un­ter­neh­men ge­führt ist und wie so­li­de sei­ne Bi­lanz ist (vgl. Text­box links un­ten).

Auch für ei­ne be­stän­di­ge Aus­schüt­tungs­po­li­tik lie­fern die Klei­nen ein­drück­li­che Bei­spie­le. Zwar do­mi­nie­ren un­ter den so­ge­nann­ten Di­vi­den­de­na­ris­to­kra­ten – Un­ter­neh­men, die in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren je­des Jahr die Aus­schüt­tung er­höht ha­ben – die Blue Chips. Zum er­lauch­ten Kreis ge­hö­ren et­wa 3M, Col­ga­te-pal­mo­li­ve und Mcdo­nald’s. Doch bei­spiels­wei­se Pe­ar­son ver­fehlt den Di­vi­den­de­na­del nur knapp. Das bri­ti­sche Ver­lags­haus er­höht die Aus­schüt­tung erst seit zwan­zig Jah­ren kon­stant.

Über den Hy­pe hin­aus

Ein Hin­weis dar­auf, ob ei­ne Ge­sell­schaft die Di­vi­den­de auch in Zu­kunft hal­ten oder gar an­he­ben kann, lie­fert das Ver­hält­nis des Ge­winns zur Aus­schüt­tung. Je hö­her, des­to bes­ser. Denn so ver­hin­dert das Un­ter­neh­men, dass es be­reits bei ge­rin­gem fi­nan­zi­el­lem Ge­gen­wind Mü­he hat, die Di­vi­den­de zu fi­nan­zie­ren.

Zu­ge­ge­ben: Ren­diteak­ti­en wa­ren zu­letzt der gros­se Ren­ner, und vie­le sind heu­te statt­lich be­wer­tet. Doch wer nicht blind auf die Di­vi­den­den­ren­di­te setzt, son­dern zu­sätz­lich die Qua­li­tät ei­nes Un­ter­neh­mens und die Nach­hal­tig­keit der Aus­schüt­tungs­po­li­tik be­ach­tet, wird an Ren­di­te­pa­pie­ren sei­ne Freu­de ha­ben – auch dann noch, wenn die Di­vi­den­den­ak­ti­en nicht mehr en vogue sind.

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