Bit­te­re Ar­mut trotz boo­men­der Wirt­schaft

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Sie heisst Kat­ha­ri­na, ist drei Jah­re alt und hät­te ei­gent­lich kaum ei­ne Zu­kunft. Das Mäd­chen lebt in ei­nem ka­tho­li­schen Wai­sen­haus auf der ost­in­do­ne­si­schen In­sel Lem­ba­ta, dem ärms­ten Teil des Ar­chi­pels. Ihr ein­zi­ger Be­sitz ist ein al­ter Ted­dy­bär. Dut­zen­de von Kin­dern im Heim wer­den von den Or­dens­schwes­tern zwar lie­be­voll um­sorgt. Aber ei­gent­lich ha­ben sie we­nig Hoff­nung, je ein­mal ei­nen Be­ruf er­ler­nen zu kön­nen und sich dann ei­ne Exis­tenz auf­zu­bau­en. Doch Kat­ha­ri­na ist ei­ne Aus­nah­me: Über die Le­pra- und Kin­der­hil­fe für In­do­ne­si­en Zü­rich (LKIZ) wird sie von ei­nem Schwei­zer ge­spon­sert. «50 Fr. sind es pro Mo­nat, die zu 100% dem Kind zu­gu­te­kom­men», sagt Grün­der und Vor­sit­zen­der Ro­land Old­a­ni. 50 Fr. für Es­sen und Un­ter­kunft, Schu­le und spä­ter mal ei­ne Aus­bil­dung. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen hilft die klei­ne un­ab­hän­gi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on ih­ren Schütz­lin­gen auch, wenn sie er­wach­sen sind. Sie hat ei­nen kla- ren wirt­schaft­li­chen Fo­kus. Ei­nem ehe­ma­li­gen Le­pra­kran­ken et­wa gibt die Stif­tung ei­nen güns­ti­gen Kre­dit, da­mit er ei­ne Apo­the­ke er­öff­nen kann. «Hil­fe zur Selbst­hil­fe», sagt Old­a­ni.

Oh­ne den Ein­satz Hun­der­ter sol­cher ka­ri­ta­ti­ver Or­ga­ni­sa­tio­nen sä­he die Si­tua­ti­on für vie­le Men­schen in In­do­ne­si­en um ei­ni­ges schlech­ter aus. Mil­lio­nen von In­do­ne­si­ern bleibt nichts an­de­res als das Bet­teln oder die Su­che nach Ver­wert­ba­rem auf Müll­hal­den. Trotz sei­nes Reich­tums an Roh­stof­fen und trotz des star­ken wirt­schaft­li­chen Wachs­tums ist In­do­ne­si­en ein bit­ter­ar­mes Land. 12,5% der Be­völ­ke­rung – et­was mehr als 30 Mio. Men­schen – le­ben un­ter dem Exis­tenz­mi­ni­mum. Mil­lio­nen von Men­schen kön­nen nicht am wirt­schaft­li­chen Auf­schwung teil­neh­men. Die Re­gie­rung müss­te ver­stärkt auch auf die Qua­li­tät des Wachs­tums ach­ten, for­dert Thee Ki­an Wie vom In­do­ne­si­schen In­sti­tut der Wis­sen­schaf­ten.

Kom­men­ta­to­ren kri­ti­sie­ren, dass der Gr­a­ben zwi­schen Arm und Reich par­al­lel zur wirt­schaft­li­chen Hausse wächst. Gleich­zei­tig schrumpft die Le­bens­qua­li­tät. Auf dem Hu­man De­ve­lop­ment In­dex der Uno steht In­do­ne­si­en auf Platz 124 von 187 Län­dern, so­gar nach Pa­läs­ti­na. Ein Zu­wachs von 1,5% pro Jahr in ei­ner Na­ti­on von 240 Mio. hat Kon­se­quen­zen für die Luft- und die Was­ser­qua­li­tät, für die öko­lo­gi­sche Viel­falt, für die Nah­rungs­mit­tel­si­cher­heit. Ex­per­ten mei­nen, die Ver­bes­se­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel in ab­ge­le­ge­nen Re­gio­nen des Ar­chi­pels könn­te die Ar­mut mit ver­hält­nis­mäs­sig ge­rin­gem tech­ni­schem Auf­wand lin­dern und die Le­bens­qua­li­tät stei­gern. Mit­hil­fe von mo­der­nen In­ter­net-ver­bin­dun­gen könn­ten auch Kin­der wie Kat­ha­ri­na ei­ne qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Aus­bil­dung ge­nies­sen und mit dem Ge­lern­ten ei­ne Exis­tenz auf­bau­en – an ei­nem Ort, an dem heu­te schon ein Te­le­fon­an­schluss als pu­rer Lu­xus gilt.

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