Moo­dy’s warnt Eu­ro­pa

Markt re­agiert kaum – Ita­li­en kann sich bil­li­ger re­fi­nan­zie­ren

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - JEAN­NE RICHENBERGER

«Die Ab­wärts­ri­si­ken er­fas­sen» will Moo­dy’s mit den jüngs­ten Ra­ting­an­pas­sun­gen in Eu­ro­pa: Die Agen­tur ver­sieht die Tri­pleA-no­te Frank­reichs, Gross­bri­tan­ni­ens und Ös­ter­reichs (Aaa) mit ne­ga­ti­vem Aus­blick. Von A2 auf A3 re­du­ziert wird die Bo­ni­tät Ita­li­ens und Mal­tas. Eben­falls ei­ne Stu­fe ver­lie­ren Por­tu­gal (Ba3), die Slo­wa­kei (A2) so­wie Slo­we­ni­en (A2). Deut­li­cher her­ab­ge­stuft wird das Kö­nig­reich Spa­ni­en: Moo­dy’s passt die No­te von A1 auf A3 an. Sämt­li­che neu­en Ra­tings wer­den mit ne­ga­ti­vem Aus­blick ver­se­hen.

Den Schritt be­grün­det die Agen­tur mit un­si­che­ren Fis­kal- und Wirt­schafts­re­for­men in der Eu­ro­zo­ne. Zu­dem nennt Moo­dy’s die un­vor­teil­haf­ten Wirt­schafts­wachs­tums­aus­sich­ten, wel­che die Aus­te­ri­täts­mass­nah­men in Fra­ge stell­ten. All dies be­las­te das Markt­ver­trau­en, was wie­der­um die Ge­fahr von Schocks so­wie Fi­nan­zie­rungs­eng­päs­sen für Staa­ten und Fi­nanz­in­sti­tu­te ber­ge. Von den Ra­ting­an­pas­sun­gen be­trof­fen sind zu­dem staats­na­he oder -ab­hän­gi­ge Emit­ten­ten, u. a. auch zahl­rei­che Ban­ken (vgl. Sei­te 6). Be­stä­tigt wird von Moo­dy’s die höchs­te Bo­ni­tät des eu­ro­päi­schen Ret­tungs­schirms EFSF (Eu­ro­pean Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­ty Fa­ci­li­ty).

Auf die Ra­ting­an­pas­sun­gen re­agier­te der Markt nicht. Da­für ist Moo­dy’s zu spät: Kon­kur­ren­tin Stan­dard & Poor’s hat­te be- reits Mitte Ja­nu­ar die Mehr­heit der Mit­glie­der der Eu­ro­zo­ne her­ab­ge­stuft, ein­schliess­lich EFSF. Wie we­nig Moo­dy’s in­ter­es­sier­te, zeig­ten auch die Auk­tio­nen Ita­li­ens zu Wo­chen­be­ginn: An der drit­ten Auk­ti­on des Jah­res nahm das ita­lie­ni­sche Schatz­amt 8,5 Mrd. € mit zwölf­mo­na­ti­gen Buo­ni Or­di­na­ri del Te­soro (BOT) so­wie 3,5 Mrd. € mit Fäl­lig­keit 12. Ju­ni 2012 auf. Von den Käu­fern wur­den 17,8 Mrd. € ge­bo­ten. Die Nach­fra­ge war da­mit mo­de­rat ge­rin­ger als in der vor­an­ge­gan­ge­nen Auk­ti­on Mitte Ja­nu­ar. Das in ei­nem Jahr fäl­li­ge Pa­pier wur­de mit ei­ner Ren­di­te von 2,23% ver­kauft, 50 Ba­sis­punk­te (Bp) un­ter dem Ni­veau des Vor­mo­nats bzw. mit der tiefs­ten Ver­zin­sung seit Ju­ni 2011. Die kür­zer lau­fen­de Ob­li­ga­ti­on bot 1,54%, 10 Bp we­ni­ger als ver­gan­ge­nen Mo­nat.

Bil­li­ger emit­tiert wur­de auch am Di­ens­tag: Of­fe­riert wur­de ein Vo­lu­men von 4 Mrd. € mit Buo­ni del Te­soro Po­li­en­na­li (BTP), die im No­vem­ber 2014, No­vem­ber 2015 und Fe­bru­ar 2017 fäl­lig wer­den. An­le­ger bo­ten mit 9,48 Mrd. € mehr als das Dop­pel­te. Da­mit war die Nach­fra­ge kräf­ti­ger als in den vor­an­ge­gan­ge­nen Emis­sio­nen. Im Ver­gleich zu Mitte Ja­nu­ar konn­te sich das Schatz­amt 142 Bp bil­li­ger re­fi­nan­zie­ren. Auch Deutsch­land war ak­tiv und hat 3,01 Mrd. € in sechs­mo­na­ti­gen Pa­pie­ren be­ge­ben. Die Ren­di­te er­reich­te 0,08%, ei­ne deut­li­che Nor­ma­li­sie­rung zu –0,01% der letz­ten Auk­ti­on vom 9. Ja­nu­ar.

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