Licht­blick nach trü­bem 2011

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - WUE

Die Markt­sta­tis­ti­ken des Deut­schen De­ri­va­te Ver­bands DDV re­flek­tier­ten zu­letzt die all­ge­mei­ne Bör­sen­ent­wick­lung: Das Vo­lu­men aus­ste­hen­der struk­tu­rier­ter Pro­duk­te (Zer­ti­fi­ka­te) in Deutsch­land fiel per En­de De­zem­ber auf den tiefs­ten Stand seit Au­gust 2009. Im Ja­nu­ar hat der Um­satz an den Han­dels­plät­zen in Stutt­gart (Eu­wax) und Frank­furt (Scoach) aber kräf­tig zu­ge­nom­men (vgl. Gra­fik).

En­de De­zem­ber 2011 wa­ren am deut­schen Markt mit 98,7 Mrd. € 2,7% (2,5 Mrd. €) we­ni­ger Zer­ti­fi­ka­te aus­ste­hend als noch im No­vem­ber. Das schwa­che Markt­um­feld im De­zem­ber, aber auch der Ver­fall vie­ler Pro­duk­te zum Jah­res­en­de ha­ben zum Rück­gang bei­ge­tra­gen. Die Da­ten be­ru­hen auf An­ga­ben von sech­zehn Ban­ken, die ins­ge­samt ein De­ri­vat­vo­lu­men von 88,8 Mrd. € aus­ste­hend ha­ben. Sie wer­den auf sämt­li­che Emit­ten­ten hoch­ge­rech­net.

Ka­pi­tal­schutz do­mi­niert

Der Gross­teil des Zer­ti­fi­katein­vest­ments – 98,9% – ent­fiel wie gehabt auf An­la­ge­pro­duk­te, auch wenn ihr Wert im De­zem­ber 2,6% ge­sun­ken ist. Vor al­lem Pro­duk­te mit Ka­pi­tal­schutz sind be­liebt. Sie ma­chen mehr als zwei Drit­tel des Ge­samt­ver­mö­gens in De­ri­va­ten aus. Als Ba­sis­wer­te für die Pa­pie­re dien­ten un­ter den An­la­ge­pro­duk­ten meist Zin­sen (54,3% des Ge­samt­vo­lu­mens), ge­folgt von In­di­zes (23%) und Ak­ti­en (19,8%).

He­bel­pro­duk­te zo­gen le­dig­lich 1,1% der Ver­mö­gen auf sich, der Rück­gang von 11,9% war aber mar­kant. Ver­g­li­chen mit 2010 wa­ren die aus­ste­hen­den Vo­lu­men sämt­li­cher Zer­ti­fi­ka­te der be­frag­ten Emit­ten­ten auf dem deut­schen Markt per En­de De­zem­ber 2011 7,3% tie­fer. Der Dax büss­te im sel­ben Be­richts­zeit­raum gar 14,7% an Wert ein. Mitt­ler­wei­le hat sich der deut­sche Leit­in­dex aber wie­der deut­lich er­holt. Im Ja­nu­ar ging es 9,5% auf­wärts – und auch der Han­del an den De­ri­vat­bör­sen in Stutt­gart und Frank­furt zog merk­lich an. Der Um­satz stieg im Ver­gleich zum De­zem­ber 33% auf 4,4 Mrd. €. Nicht nur die bes­se­re Bör­sen­stim­mung hat zum Um­satz­plus bei­ge­tra­gen. Die In­ves­to­ren hat­ten nach dem Ver­fall vie­ler Pro­duk­te per En­de De­zem­ber auch ei­nen er­höh­ten An­la­ge­be­darf. Die Zahl der Neu­emis­sio­nen im Ja­nu­ar war mit 194 820 ent­spre­chend hoch. Ins­ge­samt bo­ten die Emit­ten­ten an den bei­den Haupt­han­dels­plät­zen En­de Ja­nu­ar 851 283 Pro­duk­te an.

Es droht ein Ge­büh­ren­kampf

Die De­ri­vat­bör­se in Stutt­gart, Eu­wax, ver­moch­te mit 2,9 Mrd. € im Ja­nu­ar 66% des Um­sat­zes an­zu­lo­cken, wäh­rend sich Scoach in Frank­furt mit 1,5 Mrd. € Han­dels­vo­lu­men das rest­li­che Markt­drit­tel si­cher­te. Es lie­fen aber nur knapp 59% der to­tal 455 000 Kun­den­auf­trä­ge über die Eu­wax. Sie ver­sucht die­se Zahl – und da­mit auch ih­ren Um­satz­an­teil – zu stei­gern, in­dem sie An­fang Fe­bru­ar die Ge­büh­ren auf das Ni­veau des Wett­be­wer­bers Scoach ge­senkt hat. Bei­de Bör­sen ver­rech­nen 0,095% des Trans­ak­ti­ons­vo­lu­mens. Die Ge­büh­ren­ober­gren­ze be­trägt 12.18 € (Eu­wax) bzw. 15.12 € (Scoach).

Scoach hat­te der Eu­wax kon­ti­nu­ier­lich Markt­an­tei­le ab­ge­luchst, auch über Ge­büh­ren­sen­kun­gen. Nun prüft Scoach ei­ne wei­te­re An­pas­sung. Es droht ein Preis­kampf. Mit Blick auf die stei­gen­den IT-IN­fra­struk­tur- und Ad­mi­nis­tra­ti­ons­kos­ten, die auf die Pro­dukt­flut der Emit­ten­ten zu­rück­zu­füh­ren sind, dürf­ten sin­ken­de Ein­nah­men aber kaum im In­ter­es­se von Eu­wax und Scoach sein.

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