«Im Us-steu­er­streit sind wir un­be­las­tet»

ZE­NO STAUB Der CEO des Ver­mö­gens­ver­wal­ters Von­to­bel will an ei­ner Glo­bal­lö­sung mit den USA par­ti­zi­pie­ren und plä­diert im Steu­er­streit für Be­son­nen­heit

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - IN­TER­VIEW: JAN SCHWAL­BE UND THO­MAS WYSS

Von­to­bel-ceo Ze­no Staub sieht Von­to­bel nicht vom Us-steu­er­streit tan­giert. Er warnt da­vor, in der Schweiz vor­ei­lig ei­ne Selbst­de­kla­ra­ti­on für Kun­den zu eta­blie­ren, und plä­diert da­für, am Ab­gel­tungs­steu­er­mo­dell fest­zu­hal­ten. Und er nimmt Stel­lung zur Über­nah­me von No­ten­stein durch sei­nen zweit­gröss­ten Ak­tio­när Raiffeisen. Herr Staub, ist Von­to­bel vom Us-steu­er­streit be­trof­fen? Hat Von­to­bel noch un­de­kla­rier­te ame­ri­ka­ni­sche Ver­mö­gen? Wir sind nicht auf der El­fer­lis­te der Ame­ri­ka­ner. Wir ha­ben sehr früh und als ei­ne der ers­ten Ban­ken in der Schweiz ein voll­re­gu­lier­tes Ge­schäft für Us-pri­vat­kun­den auf­ge­baut. Aber wir ha­ben wie je­de Schwei­zer Bank ei­ne Ge­schich­te aus den Acht­zi­ger- und Neun­zi­ger­jah­ren. Auch die­se The­men ha­ben wir je­doch früh­zei­tig be­rei­nigt und die von Ih­nen an­ge­spro­che­nen Pro­ble­me ge­löst. Des­halb sind wir in die­ser Fra­ge völ­lig un­be­las­tet. Zur Lö­sung des Steu­er­streits ist von ei­ner Glo­bal­lö­sung die Re­de. Wür­den Sie ei­ne sol­che mit­tra­gen? Oder geht das, da Von­to­bel ge­mäss ei­ge­nen An­ga­ben kei­ne un­de­kla­rier­ten ame­ri­ka­ni­schen Ver­mö­gen ver­wal­tet, an ihr vor­bei? Es ist zen­tral für den Fi­nanz­platz Schweiz, dass die Steu­er­dis­kus­sio­nen mit wich­ti­gen Län­dern be­rei­nigt wer­den kön­nen. Der ge­sam­te Fi­nanz­platz hat ein gros­ses In­ter­es­se dar­an, die­se Pro­ble­me zu lö­sen. In­ter­na­tio­nal wird der Fi­nanz­platz Schweiz völ­lig falsch wahr­ge­nom­men. Es ent­steht der Ein­druck, mit ei­nem Schwei­zer Ban­kier kön­ne man nur über Steu­er­op­ti­mie­rung spre­chen. Man soll mit uns spre­chen, wenn man ei­ne pro­fes­sio­nel­le In­vest­ment­be­ra­tung will oder wenn man die fi­nan­zi­el­le Pri­vat­sphä­re wah­ren will. Des­halb ist wich­tig, dass ein Schluss­strich ge­zo­gen wer­den kann. Wir tra­gen das des­halb mit. Wir tra­gen auch die Ab­gel­tungs­steu­er mit Deutsch­land und Gross­bri­tan­ni­en mit. Zwi­schen den USA und Eu­ro­pa be­steht aber in­so­fern ein Un­ter­schied, als es aus Sicht der USA of­fen­bar In­sti­tu­te mit ei­nem klar iden­ti­fi­zier­ba­ren Fehl­ver­hal­ten gab. In ei­ner Ge­samt­lö­sung müss­te das ad­äquat be­rück­sich­tigt wer­den. Ma­chen Sie auch mit, wenn sich der Ver­teil­schlüs­sel nicht nach dem Stand der Us-kon­ten 2008 und 2009, son­dern nach der Grös­se des In­sti­tuts rich­tet? Ich glau­be, dass die Ame­ri­ka­ner letzt­lich Ge­schäfts­leu­te sind. Und ich ha­be Ver­trau­en und Re­spekt für die Leu­te in Bern, die die Ver­hand­lun­gen füh­ren. Ich rech­ne nicht da­mit, dass man ei­ne Fan­ta­sie­zahl in die Luft setzt und sie dann durch die An­zahl Ban­ken teilt. Was hal­ten Sie von der jüngs­ten Idee der Selbst­de­kla­ra­ti­on? Es ist ganz schwie­rig, wenn al­le drei Wo­chen neue Lö­sun­gen dis­ku­tiert wer­den. Denn je­de Lö­sung muss ja drei Aspek­te er­fül­len. Sie muss ers­tens die his­to­risch ge­wach­se­ne Ver­gan­gen­heit re­geln. Nur so wird für die Kun­den Rechts­si­cher­heit ge­schaf­fen. Man darf dar­an er­in­nern, dass es in den Fünf­zi­ger-, Sech­zi­ger- oder Sieb­zi­ger­jah­ren kei­nen eu­ro­päi­schen Po­li­ti­ker

Selbst­de­kla­ra­ti­on? Es ist ganz schwie­rig, wenn al­le drei Wo­chen neue Lö­sun­gen dis­ku­tiert wer­den.

gab, der sag­te, es ge­be kei­nen Grund für die Bür­ger, ihr Geld in die Schweiz zu brin­gen – weil es his­to­risch ge­se­hen eben sehr gu­te Grün­de da­für gab. Sie muss zwei­tens ge­gen­über den Staa­ten die Glaub­wür­dig­keit kre­ieren, dass es ge­gen vor­ne nur noch steu­er­neu­tra­le Ge­schäfts­ent­wick­lung gibt. Und sie muss drit­tens die han­deln­den In­sti­tu­tio­nen und Per­so­nen für die Ver­gan­gen­heit be­rei­ni­gen. Je­de Lö­sung macht nur Sinn, wenn die­se drei An­for­de­run­gen er­füllt wer­den. Nur das ist ein sta­bi­ler Zu­stand. Das sind kom­ple­xe Fra­gen, und des­halb soll­te man nicht al­le drei Wo­chen mit ei­nem neu­en Wun­der­mit­tel kom­men. Die Ge­samt­kon­zep­ti­on der Ab­gel­tungs­steu­er ist nach wie vor sehr sinn­voll, und wir wür­den uns bes­ser dar­auf kon­zen­trie­ren, als mit im­mer neu­en For­men zu ex­pe­ri­men­tie­ren, die al­le Vor- und Nach­tei­le ha­ben. Der Markt hat ne­ga­tiv auf die Jah­res­zah­len von Von­to­bel re­agiert. Wie er­klä­ren Sie sich die­se Ent­täu­schung? Der Markt war in der zwei­ten Hälf­te 2011 sehr un­si­cher, was Bank­ak­ti­en be­trifft. An­fang 2012 hat er rea­li­siert, dass wir nicht die glo­ba­le In­vest­ment­bank mit viel Le­ver­a­ge sind, und hat die Be­wer­tun­gen nach oben kor­ri­giert. Die Schät­zun­gen für das In­vest­ment Ban­king wa­ren et­was zu hoch, das hat nun für ei­ne ge­wis­se Über­ra­schung ge­sorgt. Mit der No­ten­stein-raiffeisen-ge­schich­te hat die jüngs­te Markt­per­for­mance nichts zu tun? Sie ma­chen gu­te Mie­ne zum bö­sen Spiel, aber es muss Sie doch är­gern, dass Ihr zweit­gröss­ter Ak­tio­när bei je­der Ge­le­gen­heit fremd­geht. Nein, der No­ten­stein-de­al är­gert mich nicht. Wir ar­bei­ten nach wie vor gut mit Raiffeisen zu­sam­men. Aber der Fall Sa­ra­sin, als Raiffeisen mit­bot und aus dem Saf­ra als Sie­ger her­vor­ging, hat Sie ge­är­gert. Sa­ra­sin ist auf vie­len aus­län­di­schen Märk­ten ein Kon­kur­rent von uns, das ist rich­tig. Aber das Pri­mat dür­fen letzt­lich nicht die Mei­nun­gen und Vor­lie­ben von Ex­po­nen­ten sein. Das Pri­mat muss sein, was un­se­re Ver­pflich­tung in die­ser Ko­ope­ra­ti­on ge­gen­über den Raiff­ei­sen­kun­den ist und was in­dus­tri­ell Sinn macht. In die­sem Kon­text ist No­ten­stein ei­ne Win-winSi­tua­ti­on. Un­se­re Rol­le ist es, As­set-ma­nage­ment-spe­zia­list so­wie Pro­dukt- und Platt­form-pro­vi­der zu sein. Ih­rem Pri­va­te-ban­king-ge­schäft hät­ten die­se Ver­mö­gen un­ter Ver­wal­tung von über 20 Mrd. Fr. auch gut­ge­tan. Mit knapp 30 Mrd. Fr. un­ter Ver­wal­tung sta­gniert Von­to­bel hier. Das ist doch zu we­nig zum Le­ben und zu viel zum Ster­ben. Wir sind in der Schweiz gut auf­ge­stellt. Schwei­zer sind un­se­re gröss­te Kun­den­grup­pe. Wir ha­ben ei­ne Ziel­grup­pen­po­si­tio­nie­rung, und wir su­chen nicht ein zu brei­tes Fi­li­al­netz. Da­mit füh­len wir uns wohl. Im grenz­über­schei­ten­den Ge­schäft set­zen wir auf ein Cross­bor­der-ge­schäft – im Ge­gen­satz zu dem auf Aut­ar­kie aus­ge- rich­te­ten An­satz an­de­rer Ban­ken. Von da­her ist das kein The­ma. Aber wir ha­ben Am­bi­tio­nen im Pri­va­te Ban­king. Sie wa­ren doch auch in Ver­hand­lun­gen mit We­ge­lin. Ha­ben Sie zu we­nig ge­bo­ten? Nein, wir wa­ren nicht in ei­nem Bie­ter­pro­zess. Woll­ten Sie nicht, weil Sie fürch­te­ten, die Mau­er zum Us-ge­schäft sei zu we­nig dick? Oder wur­den Sie nicht ein­ge­la­den? Die No­ten­stein-raiffeisen-trans­ak­ti­on ist in­dus­tri­ell ge­se­hen kei­ne Über­nah­me. Wir in­te­grie­ren kon­se­quent auf un­se­re Platt­form und un­se­re Mar­ke und sind gar nie am Punkt an­ge­kom­men, wo wir uns die Fra­ge stel­len muss­ten, ob No­ten­stein ge­nü­gend ge­gen die USA ab­ge­schirmt ist. Wer wür­de zu Ih­nen pas­sen? Se­hen Sie wei­ter­hin den Schwei­zer Kun­den zu­oberst? Die Schweiz ist un­ser Heim­markt. Deut­sche Kun­den sind ei­ne wei­te­re wich­ti­ge Kun­den­grup­pe. Doch im Von­to­bel-porte­feuille wer­den in fünf bis zehn Jah­ren Kun­den aus auf­stre­ben­den Märk­ten in der Grös­sen­ord­nung si­cher­lich zu den Eu­ro­pä­ern, vi­el­leicht so­gar zu Schwei­zer Kun­den auf­ge­schlos­sen ha­ben, das ist so. Sie wer­den al­so zah­len­mäs­sig zur gröss­ten Kun­den­ka­te­go­rie von Von­to­bel ge­hö­ren. Wie wol­len Sie die­ses Ziel er­rei­chen? Sie sind ja we­der in Chi­na noch in In­di­en prä­sent. Wir set­zen hier­für auf ein trag­fä­hi­ges Cross­bor­der-ge­schäfts­mo­dell mit ei­ner zen­tra­len In­vest­ment- und Bu­chungs­platt­form in der Schweiz und ei­nem lo­ka­len Ser­vice. Von­to­bel kann nicht nur über­neh­men, son­dern könn­te der­einst auch über­nom­men wer­den. Wür­de Von­to­bel zur Deut­schen Bank pas­sen – zu­mal Von­to­belVer­wal­tungs­rä­tin Achleit­ner die Frau ist von Deut­sche-bank-prä­si­dent Achleit­ner? Wür­de das Sinn ma­chen? Nein. Wir ha­ben im­mer klar und un­miss­ver­ständ­lich kom­mu­ni­ziert, dass un­se­re Haupt­ak­tio­nä­re ei­nen un­ab­hän­gi­gen un­ter­neh­me­ri­schen Weg ge­hen wol­len. Ent­spre­chend stel­len wir un­se­re Stra­te­gie auf, und wir im­ple­men­tie­ren ein Ge­schäfts­mo­dell mit der In­te­gra­ti­on der drei Ge­schäfts­fel­der, das so spe­zi­fisch ist, dass es in ei­ner Gross­or­ga­ni­sa­ti­on gar nicht zu re­pli­zie­ren ist.

Ze­no Staub, der CEO von Von­to­bel, ist of­fen für Ak­qui­si­tio­nen - aber die Über­nah­me von No­ten­stein durch Raiffeisen är­gert ihn nicht.

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