«Die In­ves­to­ren wol­len von So­no­va qua­li­ta­ti­ves Wachs­tum se­hen»

LU­KAS BRAUN­SCHWEI­LER Der neue CEO des Hör­ge­rä­te­her­stel­lers nimmt sich Mar­gen­er­ho­lung vor

Finanz und Wirtschaft - - GE -

Lu­kas Braun­schwei­ler lei­tet seit ver­gan­ge­nem No­vem­ber die Ge­schi­cke von So­no­va, dem ge­mes­sen an der ver­kauf­ten Stück­zahl welt­gröss­ten Her­stel­ler von Hör­ge­rä­ten. In­ves­to­ren und Ana­lys­ten at­tes­tie­ren dem 55-jäh­ri­gen ehe­ma­li­gen Chef der staat­li­chen Schwei­zer Rüs­tungs- und Luft­fahrt­grup­pe Ruag ei­nen gu­ten Ein­stand. Er ha­be Ru­he in das Un­ter­neh­men ge­bracht und auch schon neue Ak­tio­nä­re ge­won­nen. Im In­ter­view mit «Fi­nanz und Wirt­schaft», dem ers­ten gros­sen seit sei­ner Amts­ein­füh­rung, führt der Kon­zern­chef aus, wie er das In­no­va­ti­ons­tem­po hoch hal­ten und mit­tel­fris­tig wie­der ei­ne Ebi­ta-mar­ge um 25% er­zie­len will. Was Ak­qui­si­tio­nen be­trifft, ist ge­mäss Braun­schwei­ler in den kom­men­den zwei bis drei Jah­ren nichts Grös­se­res ge­plant. Schnel­ler will der CEO das nächs­te Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm in An­griff neh­men. Herr Braun­schwei­ler, als vor ei­nem knap­pen Jahr we­gen ei­nes Cor­po­ra­te-go­ver­nan­ce-skan­dals die ge­sam­te Füh­rungs­spit­ze von So­no­va aus­ge­wech­selt wur­de, war die Auf­re­gung gross. Be­wegt die­ser Vor­fall noch im­mer die Ge­mü­ter von Mit­ar­bei­tern, Kun­den und Ak­tio­nä­ren? Kei­ne Fra­ge, So­no­va wur­de letz­ten Früh­ling als Un­ter­neh­men durch­ge­schüt­telt. Am stärks­ten be­trof­fen wa­ren die In­ves­to­ren, die Kurs­ver­lus­te er­lei­den muss­ten. Al­ler­dings gab es auch die ei­nen oder an­de­ren, die sich neu en­ga­gier­ten, weil sich kön­nen. Wir se­hen die Trends in den ers­ten Ta­gen ei­nes Mo­nats. Ich ha­be zu­sätz­li­che In­stru­men­te ein­ge­führt, denn das Ge­schäft von So­no­va ver­än­dert sich ja auch. Wir sind ver­mehrt im Im­plan­tat­be­reich ak­tiv, des­sen Dy­na­mik ei­ne an­de­re ist als im her­kömm­li­chen Hör­ge­rä­te­ge­schäft. So­no­va er­wirt­schaf­tet rund ein Vier­tel des Um­sat­zes mit Kun­den, die ihr Hör­ge­rät aus ei­nem staat­li­chen Ge­sund­heits­pro­gramm be­zie­hen. Wel­chen Ein­fluss ha­ben die wach­sen­den Spar­an­stren­gun­gen vor al­lem von Re­gie­run­gen in Eu­ro­pa?

Wir stel­len kei­ne Re­duk­ti­on des Durch­schnitts­prei­ses pro Hör­ge­rät fest.

Wir ge­hen nicht da­von aus, dass die Stück­zahl der ab­ge­setz­ten Hör­ge­rä­te des­we­gen mas­siv zu­rück­geht. Das Be­dürf­nis ist da, Leu­te mit ei­nem Hör­ver­lust brau­chen Un­ter­stüt­zung. In den USA ist ein zen­tra­ler Ab­neh­mer von Hör­ge­rä­ten die Ge­sund­heits­kas­se der Mi­li­tär­an­ge­hö­ri­gen, Ve­terans Af­fairs. Dro­hen Min­der­ein­nah­men, jetzt, wo die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben ge­kürzt wer­den? Mi­li­tär­an­ge­hö­ri­ge sind Wäh­ler und dürf­ten von Washington wei­ter­hin be­vor­zugt be­han­delt wer­den. Die Au­dio­lo­gen von Ve­terans Af­fairs sind sehr pro­duk­tiv und wer­den ihr Tem­po wohl noch wei­ter stei­gern. Schon jetzt be­ar­bei­ten sie sie­ben­bis acht­mal so vie­le Hör­ge­rä­te pro Jahr wie der Schnitt der Akus­ti­ker welt­weit. Die Hör­ge­rä­te­indus­trie spür­te bis­lang kaum Preis­druck. Än­dert sich das im här­ter wer­den­den Wirt­schafts­um­feld? Wir stel­len kei­ne Re­duk­ti­on des Durch­schnitts­prei­ses pro Hör­ge­rät fest. Wer lau­fend In­no­va­tio­nen her­vor­bringt und dem Be­nut­zer ei­nen Mehr­wert of­fe­rie­ren kann, kann die Prei­se hal­ten. Doch es gibt in un­se­rer Bran­che Bei­spie­le von Un­ter­neh­men, die die Ent­wick­lung ver­nach­läs­sig­ten. Sie ge­rie­ten prompt un­ter Druck. An­ders als Kon­kur­ren­ten be­dient So­no­va pri­mär un­ab­hän­gi­ge Au­dio­lo­gen und nicht die gros­sen Ket­ten. Hilft das im Kampf ge­gen Preis­druck? Da­von pro­fi­tie­ren wir. Die gros­sen Ket­ten üben eher Druck auf die Prei­se aus und be­vor­zu­gen ein­fa­che­re Hör­ge­rä­te. Wie weit las­sen sich Hör­ge­rä­te noch neu er­fin­den? Wir se­hen vie­le Mög­lich­kei­ten, um sie noch leis­tungs­fä­hi­ger, klei­ner und noch un­sicht­ba­rer zu ma­chen. Auch die Ver­net­zung, die Ver­träg­lich­keit und die Ener­gie­ver­sor­gung von Hör­ge­rä­ten bie­ten Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al. So­no­va bie­tet her­kömm­li­che Hör­ge­rä­te am Aus­sen­ohr und Im­plan­ta­te für das In­nen­ohr an. Ge­wis­ser­mas­sen da­zwi­schen sitzt Ly­ric, das tief im Hör­gang na­he am Trom­mel­fell ge­tra­gen wird, nach spä­tes­tens vier Mo­na­ten aber aus­ge­wech­selt wer­den muss. Wie gross ist der Markt, den Sie mit die­ser Neu­heit er­schlies­sen wol­len? Ich ver­glei­che es mit dem An­teil der Kon­takt­lin­sen am Au­gen­op­tik­markt. Er be­trägt rund 20%. Al­ler­dings muss man sich vor Au­gen füh­ren, dass rund die Hälf­te der Be­völ­ke­rung in In­dus­trie­län­dern Seh­hil­fen be­an­sprucht. Hör­ge­rä­te tra­gen nur 3 bis 4% der Welt­be­völ­ke­rung, ob­schon ge­schätz­te 16% ein Hör­pro­blem ha­ben. Wir ha­ben al­so noch viel Po­ten­zi­al. Die Im­plan­tat­toch­ter Ad­van­ced Bio­nics be­scher­te So­no­va we­gen ei­ner Rück­ruf­ak­ti­on im ver­gan­ge­nen Jahr Ver­lus­te. Wie weit ist die­ser Be­reich wie­der auf Kurs? Ad­van­ced Bio­nics wächst wie­der mit dem Markt, das heisst so­li­de über 10%. Ge­mäss den ge­gen­wär­ti­gen mo­nat­li­chen Ver­kaufs­zah­len soll­ten wir den Break-even wie bud­ge­tiert auf der Grund­la­ge ei­nes Um­sat­zes von rund 130 Mio. Fr. im nächs­ten Ge­schäfts­jahr (per En­de März 2013, Anm. der Red.) er­rei­chen. Die Pi­pe­line für die Ent­wick­lung der nächs­ten Im­plan­tat­ge­ne­ra­ti­on ist über die kom­men­den drei bis vier Jah­re aus­ge­legt. Wir ge­hen da­von aus, mit den neu­en Ge­rä­ten schnel­ler als der Markt zu ex­pan­die­ren. Wie viel lässt sich So­no­va die Ent­wick­lung der neu­en Im­plan­ta­te kos­ten? Wir wer­den grup­pen­weit wei­ter­hin rund 7 bis 8% des Um­sat­zes für For­schung und Ent­wick­lung aus­ge­ben (108 Mio. Fr. im Ge­schäfts­jahr 2010/11, Anm. der Red.). In­ves­ti­tio­nen in das Im­plan­tat­ge­schäft wach­sen da­bei ak­tu­ell über­durch­schnitt­lich. Wir ha­ben da Nach­hol­be­darf. Un­ser gröss­ter Kon­kur­rent in die­sem Be­reich, Coch­le­ar, in­ves­tiert über 100 Mio. pro Jahr in die Ent­wick­lung neu­er Im­plan­ta­te. So­no­va tritt im Markt un­ter drei Mar­ken, Phonak, Ad­van­ced Bio­nics und Uni­tron, auf. Ma­chen Phonak und die Nord­ame­ri­ka-toch­ter Uni­tron ein­an­der noch im­mer Kun­den ab­spens­tig?

Die Hör­ge­rä­te-in­dus­trie ist noch nicht reif für ei­ne de­fen­si­ve Kon­so­li­die­rung.

Dass Ver­kaufsteams nach ei­ner Über­nah­me zu­erst et­was ri­va­li­sie­ren, ist nor­mal. Uni­tron kon­zen­triert sich geo­gra­fisch auf ein hal­bes Dut­zend Kern­märk­te. Ih­re Vor­gän­ger ha­ben fleissig ak­qui­riert. Pla­nen Sie wei­te­re Zu­käu­fe? Wir rech­nen trotz un­se­rer um­fang­rei­chen In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Ent­wick­lung wei­ter­hin mit ei­nem an­sehn­li­chen Cash­flow. Er ist prio­ri­tär für klei­ne­re Ak­qui­si­tio­nen be­stimmt, die uns ent­we­der tech­no­lo­gisch wei­ter­brin­gen oder das Re­tailge­schäft er­gän­zen. Die Grös­sen­ord­nung im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr da­für be­trägt rund 50 Mio. Fr. Auch in den nächs­ten zwei bis drei Jah­ren sind von uns kei­ne grös­se­ren Sprün­ge zu er­war­ten. Wir ha­ben noch im­mer den Kauf von Ad­van­ced Bio­nics und des Ly­ric-an­bie­ters In­sound Me­di­cal zu ver­dau­en. So­no­va wur­de 2007 durch die Kar­tell­be­hör­den der Kauf von GN Re­sound un­ter­sagt. Sind Fu­sio­nen un­ter den vier gröss­ten Hör­ge­rä­te­grup­pen da­mit vom Tisch? Wir stre­ben nicht auf die­ses Feld zu­rück. Der Er­trag wä­re ge­mes­sen am Auf­wand wohl auch viel zu klein. Grund­sätz­lich ist die Hör­ge­rä­te­indus­trie noch nicht reif für ei­ne de­fen­si­ve Kon­so­li­die­rung. Der Spiel­raum, um zu wach­sen und neue Tech­no­lo­gi­en her­vor­zu­brin­gen, ist nach wie vor

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.