So­no­va und Wil­li­am De­mant füh­ren

Kopf-an-kopf-ren­nen um Markt­an­tei­le und Mar­gen – Ak­ti­en bei­der Hör­ge­rä­te­her­stel­ler at­trak­tiv

Finanz und Wirtschaft - - EIT - DO­MI­NIK FELDGES

Hör­ver­lust ist ein Mas­sen­phä­no­men. 16% der Welt­be­völ­ke­rung kämp­fen mit Hör­pro­ble­men, schätzt Lu­kas Braun­schwei­ler, der neue So­no­va-chef. Den­noch trägt nur rund je­der fünf­te Be­trof­fe­ne ein Hör­ge­rät. Die Grün­de für die tie­fe Pe­ne­tra­ti­on sind viel­fäl­tig. Noch im­mer füh­len sich vie­le Be­nut­zer stig­ma­ti­siert. Wäh­rend Bril­len als mo­di­sches Ac­ces­soire gel­ten, fürch­ten Hör­ge­schä­dig­te, als Be­hin­der­te be­lä­chelt zu wer­den, falls sie sich in der Öf­fent­lich­keit mit ei­nem Hör­ge­rät zei­gen. Ei­ne wei­te­re Hür­de ist die feh­len­de Ver­si­che­rungs­de­ckung für Hör­hil­fen in vie­len Märk­ten. In den USA bei­spiels­wei­se leh­nen die meis­ten Kran­ken­ver­si­che­rer ei­ne Kos­ten­be­tei­li­gung ab.

Die Hör­ge­rä­te­indus­trie, die welt­weit jähr­lich über 10 Mio. Ge­rä­te ab­setzt und al­lein mit dem Ver­kauf (oh­ne nach­ge­la­ger­te Di­enst­leis­tun­gen) ge­gen 7 Mrd. Fr. er­wirt­schaf­tet, ver­sucht nach Kräf­ten, Hör­ge­rä­ten ih­re stig­ma­ti­sie­ren­de Wir­kung zu neh­men. Im Zen­trum steht ne­ben tech­nisch im­mer bes­se­ren Ei­gen­schaf­ten das Be­mü­hen, die Ge­rä­te so un­auf­fäl­lig wie mög­lich zu ma­chen. Wäh­rend Hör­ge­rä­te

Im Bran­chen­ver­gleich durch­wegs bes­ser am Aus­sen­ohr lau­fend dis­kre­ter wer­den, ar­bei­tet die In­dus­trie auch in­ten­siv an ver­bes­ser­ten Hör­im­plan­ta­ten für das In­nen­ohr. Das Pro­blem mit den voll­stän­dig un­sicht­ba­ren Im­plan­ta­ten ist je­doch, dass sie sich nicht für al­le Hör­ge­schä­dig­ten eig­nen. We­gen Pro­dukt­män­geln war die In­dus­trie in letz­ter Zeit auch zwei­mal zu kost­spie­li­gen Rück­ruf­ak­tio­nen ge­zwun­gen (vgl. un­ten­ste­hen­den Ar­ti­kel).

Schwel­len­markt-po­ten­zi­al

Dass Hör­ge­rä­te der­einst ähn­lich «cool» wie Bril­len wer­den, ist nicht an­zu­neh­men, auch wenn die An­bie­ter im­mer wie­der ent­spre­chen­de Mar­ke­ting­ak­tio­nen star­ten. Ein Un­ter­neh­men wie So­no­va, das mit ei­nem ge­schätz­ten An­teil von 24% vor dem dä­ni­schen Wett­be­wer­ber Wil­li­am De­mant und Sie­mens aus Deutsch­land Markt­füh­rer ist (vgl. Ku­chen­gra­fik), pro­fi­tiert je­doch von der stei­gen­den Le­bens­er­war­tung. Hör­schä­den tre­ten mit Ab­stand am häu­figs­ten un­ter äl­te­ren Men­schen auf. Ten­den­zi­ell von Vor­teil für die Bran­che ist auch, dass Per­so­nen mit mäs­si­gem bis mil­dem Hör­ver­lust pro­zen­tu­al die gröss­te Grup­pe un­ter den Hör­ge­schä- dig­ten bil­den, aber am sel­tens­ten auf Hilfs­mit­tel zu­rück­grei­fen (vgl. Bal­ken­dia­gramm). Gros­ses Po­ten­zi­al bie­ten zu­dem die Schwel­len­märk­te. So­no­va und Wil­li­am De­mant er­wirt­schaf­ten dort bei­de deut­lich un­ter 20% des Um­sat­zes.

Die Chan­cen ste­hen gut, dass die Her­stel­ler von Hör­ge­rä­ten das bis­her im tie­fen bis mitt­le­ren ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich lie­gen­de Markt­wachs­tum mit in­no­va­ti­ven Pro­duk­ten und ei­ner stär­ke­ren Ab­de­ckung von Schwel­len­län­dern zu über­tref­fen ver­mö­gen. All­zu hoch soll­ten An­le­ger die Er­war­tun­gen aber mit Blick vor al­lem auf die von den Pa­ti­en­ten ver­lang­te Kos­ten­be­tei­li­gung nicht an­set­zen.

So­no­va-pi­pe­line gut ge­füllt

Was die Ebi­ta-be­triebs­ge­winn­mar­ge an­be­langt, ist der eins­ti­ge Spit­zen­rei­ter So­no­va in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mar­gen­mäs­sig hin­ter Wil­li­am De­mant zu­rück­ge­fal­len (vgl. Gra­fik). Lu­kas Braun­schwei­ler er­war­tet in­des, dass ab dem nächs­ten Ge­schäfts­jahr (per En­de März 2013) der Um­satz stär­ker als die Kos­ten steigt, wo­durch die Pro­fi­ta­bi­li­tät wie­der zu­neh­men soll­te. Wir er­hö­hen vor die­sem Hin­ter­grund un­se­re Ge­winn­schät­zung für 2012/13 von 4.40 auf 5.10 Fr. pro Ak­tie.

Rü­cken­wind ver­spricht auch die Tat­sa­che, dass So­no­va mit Ly­ric, neu­en Coch­lea-im­plan­ta­ten und ei­ner kom­plett neu­en Ge­ne­ra­ti­on von Hör­ge­rä­ten für das Aus­sen­ohr ei­ne reich ge­füll­te Pi­pe­line hat. Ähn­lich in­no­va­ti­ons­stark prä­sen­tiert sich Wil­li­am De­mant, was die Ak­ti­en bei­der Her­stel­ler trotz ei­nes für Med­tech-wer­te ho­hen Kurs-ge­winn-ver­hält­nis­ses 2012 von 20 kau­fens­wert macht. We­ni­ger at­trak­tiv sind die Va­lo­ren von GN Store Nord, die sich zu­letzt we­gen der Bei­le­gung ei­nes Rechts­streits stark er­holt ha­ben. Die dä­ni­sche Grup­pe hin­ter GN Re­sound be­kun­det Mü­he, ih­ren Markt­an­teil zu hal­ten.

Ebi­ta-mar­ge Hör­ge­rä­te­her­stel­ler

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