Tü­cki­sches Ge­schäft mit Hör­im­plan­ta­ten

So­no­va-toch­ter Ad­van­ced Bio­nics ver­ur­sacht ho­he Kos­ten – Markt­füh­rer Coch­le­ar mel­det sich zu­rück

Finanz und Wirtschaft - - EIT - PA

Mit der Ak­qui­si­ti­on von Ad­van­ced Bio­nics (AB) im De­zem­ber 2009 wag­te So­no­va den Schritt in das lu­kra­ti­ve, aber auch ri­si­ko­rei­che Ge­schäft mit Hör­im­plan­ta­ten. Der Kauf­preis be­trug im­mer­hin 510 Mio. Fr., AB er­wirt­schaf­te­te bis zu die­sem Zeit­punkt noch kei­nen Ge­winn. Kurz nach der Über­nah­me tra­ten tech­ni­sche Pro­ble­me mit dem Pro­dukt Hi­res 90K auf – be­reits das drit­te Mal in der stür­mi­schen Ge­schich­te der Ge­sell­schaft aus Ka­li­for­ni­en, die kurz­zei­tig von Bos­ton Sci­en­ti­fic kon­trol­liert wor­den war. Bei zwei Pa­ti­en­ten muss­te das Ge­rät ope­ra­tiv ent­fernt wer­den. So­no­va ent­schloss sich zu ei­nem frei­wil­li­gen Rück­ruf der Im­plan­ta­te im No­vem­ber 2010.

Ob­wohl die Toch­ter­ge­sell­schaft bis da­hin nur 8% des Grup­pen­um­sat­zes aus­mach­te, war die Re­ak­ti­on an der Bör­se hef­tig: Die Ak­ti­en So­no­va ver­lo­ren gut 10% ih­res Werts. Die schlech­te Per­for­mance von Ad­van­ced Bio­nics war schliess­lich auch ei­ne der Ur­sa­chen, die So­no­va zur Ge­winn­re­vi­si­on im März 2011 ver­an­lass­ten. We­gen des Rück­rufs «fehl­ten» 65 Mio. Fr. auf der Um­satz­ebe­ne, So­no­va muss­te so­gar ei­ne buch­hal­te­ri­sche Ab­schrei­bung des Un­ter­neh­mens­werts von 157 Mio. Fr. vor­neh­men.

Seit April 2011 ist das Pro­dukt wie­der in Eu­ro­pa zu­ge­las­sen, im Sep­tem­ber dar­auf hat auch die ame­ri­ka­ni­sche Ge­sund­heits­be­hör­de FDA die ( Wie­der-)zu­las­sung er­teilt. Al­le in­ter­nen Un­ter­su­chun­gen von AB zeig­ten, dass bei über 28 000 ein­ge­setz­ten Hi­res-90k-im­plan­ta­ten nur bei zwei Ge­rä­ten (0,007%) ein tech­ni­scher De­fekt auf­ge­tre­ten war. Seit­her hat das Un­ter­neh­men Än­de­run­gen am Her­stel­lungs­pro­zess vor­ge­nom­men, um si­cher­zu­stel­len, dass es kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Si­cher­heit und die Leis­tung des Coch­le­aIm­plan­tats Hi­res 90K gibt.

Break-even erst 2012/13

Den­noch läuft die Ein­heit Hör­im­plan­ta­te der ur­sprüng­li­chen Ge­schäfts­pro­gno­se hin­ter­her. Kurz nach der Über­nah­me gab das Ma­nage­ment als Ziel aus, den Um­satz von AB in den nächs­ten drei Jah­ren (al­so bis 2012) zu ver­dop­peln und die Ebi­ta-mar­ge auf ge­gen 20% zu stei­gern. Mit dem So­no­va-halb­jah­res­re­sul­tat (per En­de Sep­tem­ber 2011) wur­de je­doch deut­lich, dass we­gen der feh­len­den Ver­kaufs­mo­na­te ein Be­triebs­ver­lust von 20,6 Mio. Fr. an­fiel (Um­satz: 39,2 Mio. Fr.). Trotz­dem er­war­tet CEO Lu­kas Braun­schwei­ler, dass AB den Break-even im nächs­ten Ge­schäfts­jahr er­rei­chen wird (vgl. ne­ben­ste­hen­des In­ter­view). Ein Jahr spä­ter soll­te das Im­plan­ta­te-bu­si­ness dank wach­sen­dem Ab­satz­vo­lu­men pro­fi­ta­bel sein.

Um wei­te­re In­ves­ti­tio­nen kommt So­no­va nicht her­um. Ein gros­ser Teil der jähr­li­chen Ent­wick­lungs­kos­ten wer­de in AB flies­sen, be­stä­tigt Braun­schwei­ler. Pro­dukt­sei­tig wur­de mit Nep­tun ein neu­er Sound­pro­zes­sor ent­wi­ckelt. Die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on an Hör­im­plan­ta­ten be­fin­det sich in der Ent­wick­lung, sie wird ge­mäss Braun­schwei­ler in drei­ein­halb Jah­ren markt­reif sein.

Mit ei­nem An­teil von ge­schätz­ten 15% ist AB die Num­mer zwei im noch jun­gen Markt für Hör­im­plan­ta­te (jähr­li­ches Vo­lu­men 800 Mio. $). Als füh­rend (An­teil von 65%) gilt Coch­le­ar aus Aus­tra­li­en, die pri­vat ge­führ­te Med-el aus Ös­ter­reich er­reicht et­wa 14%.

Pro­dukt­treue Chir­ur­gen

Coch­le­ar hat­te ähn­lich wie So­no­va in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ei­nen Pro­dukt­rück­ruf zu be­wäl­ti­gen. Der Ak­ti­en­kurs brach im Sep­tem­ber rund 30% ein, 820 Mio. aus­tr. $ (rund 800 Mio. Fr.) Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung wur­den mit ei­nem Schlag ver­nich­tet.

Ob So­no­va von der Schwä­che des Kon­kur­ren­ten pro­fi­tiert hat, ist un­klar. Chir­ur­gen gel­ten als pro­dukt­treu und ver­schie­ben lie­ber die ope­ra­ti­ven Ein­grif­fe. Seit An­fang Fe­bru­ar ist das Coch­le­ar-ge­rät im Markt zu­rück. Der Rück­ruf kos­te­te das aus­tra­li­sche Un­ter­neh­men ins­ge­samt 139 Mio. aus­tr. $ (vor Steu­ern).

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