Nest­lé be­stä­tigt Wachs­tums­stär­ke

SCHWEIZ Fran­ken­stär­ke be­las­tet – Lang­fris­ti­ge Zie­le auch 2012 er­reich­bar – Hö­he­re Aus­schüt­tung, aber kein Ak­ti­en­rück­kauf – In­no­va­ti­on als Schlüs­sel­fak­tor

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - WOLF­GANG GAM­MA

Un­ter­neh­mens­zah­len

ESchluss­spurt

ine Be­schleu­ni­gung im vier­ten Quar­tal hat Nest­lé zu ei­ner sub­stan­zi­el­len Mar­gen­stei­ge­rung ver­hol­fen. Die ope­ra­ti­ve Ren­di­te für das Ge­samt­jahr stieg 60 Ba­sis­punk­te auf 15%. Die Um­satz- und Ge­winn­zah­len sind mit dem Vor­jahr kaum ver­gleich­bar, der Rück­gang in ab­so­lu­ten Wer­ten di­ver­sen Son­der­ef­fek­ten ge­schul­det. Das or­ga­ni­sche Wachs­tum von 7,5% liegt über dem seit Jah­ren ak­zep­tier­ten, auch für 2012 gel­ten­den Ziel­band von 5 bis 6% und über den Markt­er­war­tun­gen.

Die star­ke Leis­tung in den auf­stre­ben­den Märk­ten soll im lau­fen­den Jahr er­neut ei­ne Mar­gen­aus­wei­tung er­mög­li­chen. 2012 wer­de aber nicht we­ni­ger her­aus­for­dernd sein als das letz­te Jahr, be­ton­te CEO Paul Bul­cke an der Me­di­en­kon­fe­renz. Nach neun Mo­na­ten hat­te Nest­lé noch 7,3% Wachs­tum aus ei­ge­ner Kraft aus­ge­wie­sen, im Schluss­quar­tal müs­sen es so­mit über 8% ge­we­sen sein. Be­son­ders deut­lich war die Zu­nah­me über das gan­ze Jahr ge­se­hen in den auf­stre­ben­den Märk­ten mit 13,3%. Wel­che Be­deu­tung da­bei Asi­en zu­kommt, zei­gen die bei­den Ak­qui­si­tio­nen Yin­lu und Hsu Fu Chi in Chi­na, die den Um­satz dort auf 5 Mrd. Fr. hie­ven wer­den. Men­gen­wachs­tum und Preis­er­hö­hun­gen tru­gen kon­zern­weit bei­na­he gleich viel zum Ab­satz­plus bei.

In ab­so­lu­ten Zah­len lag der Um­satz mit 83,6 Mrd. Fr. (vgl. Ta­bel­le) hin­ter dem ver­gleich­ba­ren Vor­jah­res­wert, weil die un­güns­ti­gen Wech­sel­kur­se 13,4% des Um­sat­zes weg­fras­sen. Ei­ne Än­de­rung in der Rech­nungs­le­gung er­gibt op­tisch zu den vor Jah­res­frist aus­ge­wie­se­nen knapp 110 Mio. Fr. ei­nen noch deut­li­che­ren Un­ter­schied. Da­mals war die in­zwi­schen an No­var­tis ver­kauf­te Al­con (5,1 Mrd. Fr.) noch ein­ge­schlos­sen. Zu­dem wur­den Preis­nach­läs­se und Ra­bat­te, die dem Han­del ge­währt wur­den, 2010 noch als Um­satz (16,7 Mrd. Fr.) ver­bucht und im Auf­wand ge­gen­ge­rech­net. 2011 wur­den sie erst­mals – wie in der Kon­sum­gü­ter­in­dus­trie üb­lich – vom Um­satz ab­ge­zo­gen.

Kaum Schwach­punk­te

Die Er­trags­la­ge ver­bes­ser­te sich mar­kant vor al­lem dank pro­zen­tu­al ge­rin­ge­rer Auf­wen­dun­gen in den Be­rei­chen Mar­ke­ting und Ad­mi­nis­tra­ti­on. Ska­len­ef­fek­te (grös­se­re Pro­duk­ti­ons­men­gen ver­rin­gern den Stück­preis) und Ef­fi­zi­enz­ge­win­ne mil­der­ten den Ein­fluss der hö­he­ren Roh­stoff­prei­se. Mit ei­ner Ebit-mar­ge von 15% ar­bei­te­te Nest­lé er­folg­rei­cher als Da­no­ne mit 14,5% (vgl. Box ne­ben­an) oder auch Uni­le­ver (13,8%). Schwach­punkt blieb die Diät­be­ra­tung von Jen­ny Craig in Nord­ame­ri­ka. Die gröss­te Pro­fi­ta­bi­li­täts­stei­ge­rung wie­sen die Süsswaren (16,8 nach 14,8%) aus, im re­gio­na­len Ver­gleich stach Eu­ro­pa (15,6 nach 13,3%) her­aus. Ein bes­se­res Fi­nanz­er­geb­nis und nied­ri­ge­re Steu­ern be­wirk­ten, dass der Ge­winn 8,1% auf 9,5 Mrd. Fr. stieg (Ge­winn je Ak­tie 2.96 Fr.; Fuw-schät­zung 2.90 Fr.). Die Di­vi­den­de wird von 1.85 auf 1.95 Fr. je Ti­tel er­höht.

Die zu­vor durch den Al­con-er­lös ge­sun­ke­ne Net­to­ver­schul­dung nä­her­te sich dem für Nest­lé üb­li­chen Ni­veau an. Ge­ne­rell er­laubt die Fi­nanz­la­ge auch nach den Zu­käu­fen in Chi­na wei­te­re Trans­ak­tio­nen. Der in Pen­si­on ge­hen­de Fi­nanz­chef Jim Singh er­war­tet vor al­lem Er­gän­zungs­ak­qui­si­tio­nen, schliesst aber ei­nen grös­se­ren Ein­kauf nicht aus, soll­te sich et­was Ge­eig­ne­tes fin­den. Ob die Nu­tri­ti­onSpar­te von Pfi­zer da­zu­ge­hört, wie oft kol­por­tiert wird, blieb un­kom­men­tiert. «In­ves­ti­tio­nen in das or­ga­ni­sche Wachs­tum ha­ben Vor­rang», be­kräf­tigt Singh. Dass Nest­lé der neu­en Fi­nanz­che­fin Wan Ling Mar­tel­lo al­le Op­tio­nen of­fen­hal­ten will, be­legt der be­reits be­kann­te Ver­zicht auf ei­nen Ak­ti­en­rück­kauf.

Für CEO Bul­cke ist «In­no­va­ti­on der Schlüs­sel zu wei­te­rem Wachs­tum». Das gilt für die 29 Mar­ken mit min­des­tens 1 Mrd. Um­satz eben­so wie für die Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te. Wie hoch der An­teil der Preis­er­hö­hun­gen an der er­war­te­ten Um­satz­zu­nah­me von 5 bis 6% sein wird, woll­te Bul­cke nicht be­zif­fern. Der ab­ge­flach­te An­stieg der Roh­wa­ren­prei­se und die kon­junk­tu­rel­len Her­aus­for­de­run­gen er­schwe­ren sol­che Vor­ha­ben.

Sek­tor­fa­vo­ri­ten

An­ders als Da­no­ne er­ach­tet Nest­lé ei­ne Mar­gen­aus­wei­tung 2012 zu kon­stan­ten Wäh­run­gen als mach­bar. Ein hö­he­res Er­geb­nis je Ak­tie wä­re die Fol­ge. Die un­ver­än­der­te Fuw-ge­winn­schät­zung von 3.20 Fr. je Ti­tel ent­hält 8% Er­trags­stei­ge­rung.

Die Va­lo­ren ha­ben in den letz­ten Ta­gen auf­ge­dreht und im Ver­gleich zu Uni­le­ver und zu­letzt auch Da­no­ne Bo­den gut­ge­macht. Das Kurs-ge­winn-ver­hält­nis 17 liegt in der Band­brei­te des Lang­zeit­ver­gleichs. Das Prä­di­kat Sek­tor­fa­vo­rit ist ver­dient, was den Kurs aber kaum mehr be­flü­geln wird.

CEO Paul Bul­cke (l.) hat das Heft fest in der Hand, Wan Ling Mar­tel­lo folgt als CFO und Co­pi­lot auf Jim Singh, der mit gu­tem Aus­weis ab­tritt.

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