Fleisch­ver­ar­bei­ter Bell schreibt im Aus­land ro­te Zah­len

SCHWEIZ Grup­pen­ge­winn steigt trotz Good­will-ab­schrei­ber – Mass­nah­men für Wen­de im lau­fen­den Jahr ein­ge­lei­tet – Ak­ti­en an­ge­mes­sen be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - GA

Der Fleisch­ver­ar­bei­ter Bell macht fast ein Drit­tel des Um­sat­zes im Aus­land. Zur Ge­winn­stei­ge­rung von 65 auf 72 Mio. Fr. trug das Ge­schäft aber nichts bei, im Ge­gen­teil. We­gen der schwa­chen Leis­tung der deut­schen Toch­ter­ge­sell­schaft Zim­bo re­sul­tier­te im Aus­land ein Ver­lust. Im­mer­hin schrie­ben die üb­ri­gen Ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land, Frank­reich und Spa­ni­en ope­ra­tiv schwar­ze Zah­len. Im lau­fen­den Jahr den Tur­naround zu schaf­fen, das ist das er­klär­te Ziel des Ma­nage­ments.

Als Bell im Herbst 2008 Zim­bo über­nahm, wa­ren die Er­war­tun­gen hoch ge­steckt, zu hoch, wie sich her­aus­ge­stellt hat. Ope­ra­tiv und buch­hal­te­risch muss­te Bell ein­grei­fen. Ein Good­will-ab­schrei­ber von 26 Mio. Fr. und Re­struk­tu­rie­rungs­mass­nah­men wa­ren die Fol­ge.

Teu­re Rohwaren

Vor al­lem die kon­stant ho­hen Roh­wa­ren­prei­se lies­sen sich nur ver­zö­gert auf die Kon­su­men­ten über­wäl­zen, was die Si­tua­ti­on ver­schärf­te. Eben­falls Ver­lust brach­te Zim­bos En­ga­ge­ment in Un­garn. Die Kon- zen­tra­ti­on auf Pro­duk­te mit hö­he­rer Wert­schöp­fung so­wie Ver­bes­se­run­gen in der Be­schaf­fung und der Lo­gis­tik sol­len nun die Wen­de brin­gen. «Es dürf­te uns ge­lin­gen, 2012 im Aus­land auf Stu­fe Ebit ei­nen Ge­winn aus­zu­wei­sen», be­stä­tig­te Fi­nanz­chef Mar­tin Gy­sin ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft». Hö­he­re Roh­wa­ren­prei­se wür­den aber ei­nen di­cken Strich durch die Rech­nung ma­chen.

Das Un­ter­neh­men, das im letz­ten Jahr 2,52 Mrd. Fr. Um­satz er­wirt­schaf­te­te, er­war­tet für die eu­ro­päi­schen Märk­te wie für die Schweiz in die­sem Jahr ein mo­de­ra­tes Ab­satz­wachs­tum. Um die­ses in Er­trags­stei­ge­rung um­zu­mün­zen, braucht es ei­ne Pro­duk­ti­vi­täts­ver­bes­se­rung und vor al­lem die Mög­lich­keit, Roh­ma­te­ri­al­preis­än­de­run­gen rasch im Markt um­zu­set­zen. Die Ebit-mar­ge, die 2011 von 3,9 auf 3,6% sank, wür­de da­mit dem lang­fris­ti­gen Mar­gen­ziel von 4% wie­der nä­her rü­cken. Oh­ne die Son­der­ef­fek­te be­trug die­se Kenn­zahl be­reits 4,4%. CEO Lorenz Wyss ist denn auch zu­ver­sicht­lich, dass «ein gu­tes Er­geb­nis drin liegt». Ei­ne ge­naue­re Pro­gno­se macht er nicht.

Ei­ne er­folg­rei­che Wen­de im Aus­land al­lein wird kaum ge­nü­gen, um das Grup­pen­er­geb­nis zu ver­bes­sern, ei­ne Ab­satz­stei­ge­rung ist eben­so Vor­aus­set­zung. Denn 2011 hat ein durch Ein­mal­ef­fek­te (u. a. Er­trag aus Fremd­wäh­rungs­trans­ak­tio­nen) ge­trie­be­nes Fi­nanz­er­geb­nis zum Ge­winn­wachs­tum bei­ge­steu­ert.

Hö­he­re Di­vi­den­de

Ins­ge­samt ist für das lau­fen­de Jahr von ei­ner ver­hal­te­nen Er­trags­ent­wick­lung aus­zu­ge­hen. Ein Ge­winn je Ak­tie von 185 (180) Fr. er­scheint aus ak­tu­el­ler Sicht rea­lis­tisch. Da­mit gäl­te auch das für 2011 er­höh­te Di­vi­den­den­ni­veau – die Aus­schüt­tung steigt von 50 auf 60 Fr. je Ak­tie – als ge­schützt.

Mit di­ver­sen auf lan­ge Sicht an­ge­leg­ten Ex­pan­si­ons­pro­jek­ten ist Bell gut un­ter­wegs. Die Ka­pa­zi­tät der Fleisch­trock­ne­rei Ko­cher­hans und Schär wird mit Bau­be­ginn im Som­mer ver­dop­pelt und der Land­kauf in Oen­sin­gen für die neue Pro­duk­ti­ons­stät­te für Schwei­ne­fleisch steht kurz vor dem Ab­schluss. 2014 kann die Ge­sell­schaft die Op­ti­on zur Mehr­heits- über­nah­me des Con­ve­ni­ence-food-pro­du­zen­ten Hil­co­na ein­lö­sen, was aus heu­ti­ger Sicht klar be­ab­sich­tigt ist. Die­se Ge­wichts­ver­la­ge­rung wird ei­nem In­vest­ment

Bell N in Bell zu neu­er At­trak­ti­vi­tät ver­hel­fen. Der­zeit sind die 3,2% ren­tie­ren­den Ti­tel mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis 10 für 2012 an­ge­mes­sen be­wer­tet.

Un­ter­neh­mens­zah­len

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