ABB un­ter Zug­zwang

SCHWEIZ Gu­ter Leis­tungs­aus­weis 2011 des Elek­tro­tech­nik­kon­zerns – Ge­wach­se­ner Mar­gen­druck

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - UL­RICH SCHÄ­RER

Der Elek­tro­tech­nik­kon­zern ABB prä­sen­tiert ei­nen so­li­den Leis­tungs­aus­weis für das Ge­schäfts­jahr 2011: Ge­winn (+24%), Brut­to­be­triebs­er­geb­nis (Ebitda, +25%) und Auf­trags­ein­gang (+17%, vgl. Ta­bel­le) sind klar im zwei­stel­li­gen Be­reich ge­wach­sen. Die gu­ten Zah­len für das Ge­samt­jahr ha­ben an der Bör­se in­des we­ni­ger be­ein­druckt als die ei­ne schwie­ri­ge­re Kon­junk­tur spie­geln­den Re­sul­ta­te für das vier­te Quar­tal und der et­was zu­rück­hal­ten­de Aus­blick. So ga­ben die Abb-na­men­ak­ti­en am Don­ners­tag 3,6% auf 19.20 Fr. nach.

Das schwie­ri­ge­re Um­feld lässt sich klar am Be­triebs­er­geb­nis (Ebit) ab­le­sen: Für das Ge­samt­jahr weist der Kon­zern ei­ne Ebit-mar­ge von 12,3% aus, nach 12,1% im Vor­jahr, doch im vier­ten Quar­tal er­reich­te sie noch 10,6%. ABB un­ter­streicht da­bei, dass ein un­güns­ti­ger Ge­schäfts­mix und der Preis­druck in ver­schie­de­nen Be­rei­chen zu ei­ner Mar­ge­ne­ro­si­on ge­führt ha­ben. An­ge­spro­chen sind in ers­ter Li­nie die Spar­ten Ener­gie­tech­nik­pro­duk­te, Nie­der­span­nungs­pro­duk­te und In­dus­trie­au­to­ma­ti­on/an­trie­be. Durch stär­ke­re EbitMar­gen zeich­nen sich die Di­vi­sio­nen Pro­zess­au­to­ma­ti­on und Ener­gie­tech­nik­sys­te­me aus. Fest­zu­hal­ten ist in­des, dass al­le Di­vi­sio­nen auch im vier­ten Quar­tal ge­wach­sen sind; mit Aus­nah­me des Be­reichs Ener­gie­tech­nik­pro­duk­te ha­ben al­le auch ihr Be­triebs­er­geb­nis ge­stei­gert.

De­zi­dier­ter Spar­kurs

Der Mar­gen­druck hat zur Fol­ge, dass die Kon­zern­füh­rung den Spar­kurs de­zi­diert fort­set­zen will. Im Ge­schäfts­jahr 2011 wur­de das an­vi­sier­te Spar­ziel von 1 Mrd. $ über­schrit­ten, was ent­schei­dend zur ins­ge­samt re­spek­ta­blen Leis­tungs­stei­ge­rung bei­ge­tra­gen hat. Im lau­fen­den Jahr sol­len die Kos­ten noch­mals um rund 1 Mrd. $ run­ter­ge­fah­ren wer­den, was haupt­säch­lich durch ei­nen «op­ti­mier­ten glo­ba­len Ein­kauf und Mass­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Leis­tungs­kom­pe­tenz» er­reicht wer­den soll. In kei­ner Wei­se von den Spar­an­stren­gun­gen sind For­schung und Ent­wick­lung be­trof­fen: Hier stie­gen die Auf­wen­dun­gen 2011 auf ei­nen An­teil von 3,6% des Um­sat­zes ( Vor­jahr: 3,4%); bis 2015 soll ein Ni­veau von 4% er­reicht sein.

Dass der Abb-kon­zern die ge­samt­wirt­schaft­li­chen Tur­bu­len­zen bis­lang gut über­stan­den hat, ist we­sent­lich sei­ner geo­gra­fi­schen Di­ver­si­fi­ka­ti­on zu­zu­schrei­ben. So nahm das Auf­trags­vo­lu­men in Nord- und Süd­ame­ri­ka im Ge­samt­jahr um nicht we­ni­ger als 52% auf 9,5 Mrd. $ zu, in Asi­en um 39% auf 12,1 Mrd. Ei­nen Rück­schlag hat­te die Un­ter­neh­mens­grup­pe in den Län­dern des Mitt­le­ren Os­tens und in Afri­ka zu ver­kraf­ten (–13% auf 3,4 Mrd.) Der Ge­samt­jah­res­zu­wachs in Eu­ro­pa (+10% auf 15,2 Mrd. $) wird durch ein Mi­nus (–8%) im vier­ten Quar­tal ge­trübt. Her­vor­zu­he­ben ist, dass das Ge­samt­auf­trags­vo­lu­men 2011 (40,2 Mrd. $) be­mer­kens­wer­te 106% ( Vor­jahr 103,5%) des Um­sat­zes aus­mach­te.

Lei­se Zu­ver­sicht

Der ver­lang­sam­te Wachs­tums­rhyth­mus des vier­ten Quar­tals wird sich vor­läu­fig fort­set­zen: «Ein un­güns­ti­ger Pro­dukt­mix und der an­hal­ten­de Preis­druck aus dem Auf­trags­be­stand wer­den die Ge­winn­mar­gen im ers­ten Quar­tal vor­aus­sicht­lich be­las­ten», be­tont Kon­zern­chef Joe Ho­gan. Be­son­ders in Tei­len des Ener­gie­tech­nik­ge­schäfts wer­de der Preis­druck fort­dau­ern.

Doch für den wei­te­ren Jah­res­ver­lauf zeig­te sich Ho­gan an der Me­di­en­kon­fe­renz vom Don­ners­tag die­ser Wo­che zu­ver­sicht­li­cher. Der so­li­de Auf­trags­be­stand, fort­ge­setz­te Kun­den­in­ves­ti­tio­nen in Be­rei­chen wie der Strom­ver­tei­lung und der Öl- und Gas­in­dus­trie so­wie die star­ke Prä- senz in schnell wach­sen­den Schwel­len­märk­ten sol­len dem Un­ter­neh­men ein pro­fi­ta­bles Wachs­tum er­mög­li­chen. Ho­gan in­sis­tier­te da­bei auch auf den An­stren­gun­gen zur Kos­ten­kon­trol­le und auf Pro­duk­ti­vi­täts­ver­bes­se­run­gen.

Der Abb-leis­tungs­aus­weis hat in­des die Ein­schät­zung ver­fes­tigt, dass die Ge­winn­pro­gno­sen ei­ni­ger Wert­schrif­ten­häu­ser für das Ge­samt­jahr 2012 zu hoch an­ge­setzt sind – was den Han­del in ABB am Don­ners­tag mit­be­las­te­te. Ei­ni­ge Fi­nanz­ana­lys­ten ge­hen mitt­ler­wei­le da­von aus, dass der Ge­winn je Ak­tie im lau­fen­den Jahr höchs­tens noch knapp im zwei­stel­li­gen Be­reich wach­sen wird.

Auch «Fi­nanz und Wirt­schaft» nimmt die Pro­gno­se für 2012 leicht (um 3%) zu­rück: Nach ei­nem rea­li­sier­ten Er­geb­nis je Ti­tel von 1.28 Fr. für 2011 gilt nun ei­ne Schät­zung von 1.45 Fr. für 2012. Dar­aus er­rech­net sich ein Kurs-ge­winn-ver­hält­nis 2012 von ge­ra­de noch 13 – ei­ne Be­wer­tung, die rück­bli­ckend auf die letz­ten Jah­re klar im un­te­ren Be­reich an­zu­sie­deln ist. Die Abb-na­men­ak­ti­en blei­ben für den Lang­fristan­le­ger ein Kauf, was sich we­sent­lich da­mit be­grün­det, dass die Wachs­tums­ge­schich­te des Kon­zerns in­takt ist. Es mag in­des sein, dass die Be­den­ken we­gen der schwä­che­ren Mar­gen die Kurs­ent­wick­lung auf ei­ni­ge Sicht hin­aus hem­men wer­den.

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