Cla­ri­ant ge­winnt an Sta­tur

SCHWEIZ Zah­len fes­ti­gen Ver­trau­en – Rich­tung stimmt – Ers­tes Halb­jahr 2012 un­ter Vor­jahr er­war­tet – Ge­samt­jahr wird aber bes­ser

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Cla­ri­ant mag sich wie­der in ru­hi­ge­rem Fahr­was­ser be­we­gen; die Wie­der­auf­nah­me der Di­vi­den­den­zah­lung be­legt es. Doch der wei­te­re Ver­lauf der Ent­wick­lung bleibt span­nend. CEO Ha­riolf Kott­mann hat mit dem Spe­zi­al­che­mie­un­ter­neh­men noch viel vor. Sein Au­gen­merk gilt nicht mehr nur Kos­ten­fak­to­ren – Ein­spa­run­gen, Cash-ge­ne­rie­rung, Kom­ple­xi­täts­ab­bau – so­wie Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schrit­ten. Es rich­tet sich im­mer mehr auch auf die geo­gra­fi­sche Di­ver­si­fi­ka­ti­on, das Ge­schäfts­port­fo­lio und die Be­wirt­schaf­tung des­sel­ben. Zu­dem soll dem The­ma In­no­va­ti­on wie­der die ge­bo­te­ne Be­deu­tung zu­kom­men. Auf dem Weg zu den im Stra­te­gie­plan 2015 de­fi­nier­ten Zie­len ist Cla­ri­ant gut un­ter­wegs.

Gut wie lan­ge nicht mehr

Das Jahr 2011 steht für die bes­te Leis­tung seit über zehn Jah­ren, trotz Wäh­rungs­tur­bu­len­zen und kon­junk­tu­rel­ler Ab­küh­lung im zwei­ten Halb­jahr. Die Zah­len zum vier­ten Quar­tal la­gen über den Er­war­tun­gen. In der Jah­res­be­trach­tung wuchs der Um­satz in lo­ka­len Wäh­run­gen 16%, vor al­lem dank der seit Mai kon­so­li­dier­ten Süd-che­mie (vgl. Ta­bel­le). Die Mar­ge auf Ba­sis des be­rei­nig­ten Ge­winns vor Zin­sen, Steu­ern, Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­ti­on er­reich­te 13,2%. Bis 2015 will Cla­ri­ant mehr als 10 Mrd. Fr. um­set­zen und in der be­rei­nig­ten Ebitda-mar­ge 17% über­tref­fen.

Das Um­satz­ziel ist an­spruchs­vol­ler als es auf den ers­ten Blick aus­sieht. Die Brei­te des Cla­ri­ant-port­fo­li­os legt es na­he, sich künf­tig auf er­trags­rei­che­re Ak­ti­vi­tä­ten zu kon­zen­trie­ren. Für drei Ge­schäfts­ein­hei­ten wer­den da­her We­ge ge­prüft, sie zu ent­kon­so­li­die­ren – et­wa über ei­nen Ver­kauf oder die Bil­dung ei­nes Jo­int Ven­tures (vgl. In­ter­view). Hin­zu kommt, dass we­gen der Be­deu­tung auf den Schul­den­ab­bau kei­ne grös­se­re Über­nah­me zu er­war­ten ist; im Zen­trum ste­hen klei­ne Abrun­dungs­ak­qui­si­tio­nen für die Kern­ge­schäf­te.

Zu­dem ist 2012 vom wirt­schaft­li­chen Um­feld we­nig Un­ter­stüt­zung zu er­war­ten. Die Pro­gno­se von Cla­ri­ant ist von Vor­sicht ge­prägt. Im ma­kro­öko­no­mi­schen Haupt­sze­na­rio geht das Ma­nage­ment zwar von ei­ner Rück­kehr auf ei­nen so­li­den Wachs­tums­pfad im Lau­fe des Jah­res aus, doch im ers­ten Halb­jahr rech­net es mit Schwä­chen. Er­schwe­rend kommt hin­zu, dass die Ver­gleichs­ba­sis des ers­ten Halb­jah­res 2011 und be­son­ders des ers­ten Quar­tals hoch ist. Das rührt da­her, dass Cla­ri­ant im vier­ten Quar­tal 2010 Ge­schäft in die Fol­ge­pe­ri­ode ver­scho­ben hat­te, um das Net­to­um­lauf­ver­mö- gen zu ent­las­ten. «Wenn wir uns nun 2012 mit die­sen zwei sehr star­ken Vor­jah­res­quar­ta­len ver­glei­chen, wird das ent­täu­schend sein», warnt Kott­mann; die Re­sul­ta­te wür­den un­ter Vor­jahr lie­gen. Im zwei­ten Halb­jahr soll sich das aber än­dern.

Auf die­ser Ba­sis rech­net Cla­ri­ant für das Ge­samt­jahr da­mit, den Um­satz in lo­ka­len Wäh­run­gen wei­ter zu stei­gern; da­zu wird die erst­mals ganz­jäh­ri­ge Kon­so­li­die­rung von Süd-che­mie mass­geb­lich bei­tra­gen. Et­was va­ge spricht Ha­riolf Kott­mann auch von ei­ner Auf­recht­er­hal­tung der Pro­fi­ta­bi­li­tät. Im auf­ge­zeig­ten Sze­na­rio soll­te ein hö­he­rer Jah­res­ge­winn je­doch mög­lich sein, nicht zu­letzt dank der sich ent­fal­ten­den Wir­kung der Re­struk­tu­rie­rung.

Auf­fla­ckern der Nach­fra­ge

Ers­te Hin­wei­se auf ei­ne Sta­bi­li­sie­rung oder gar Bes­se­rung der Nach­fra­ge lie­gen be­reits vor. Ob sie sich er­här­ten, las­se sich aber frü­hes­tens im März sa­gen, sagt der CEO. Die In­di­zi­en stam­men von der Ge­schäfts­ein­heit Mas­ter­bat­ches; das sind Gra­nu­la­te konzentrierter Farb- und Zu­satz­stof­fe. Sie ist in­so­fern ein Früh­in­di­ka­tor, als Mas­ter­bat­ches ein schnell dre­hen­des Ge­schäft sind. Zwi­schen Be­stel­lung und Aus­lie­fe­rung liegt nur rund ei­ne Wo­che. «Wenn Kun­den an­fan­gen, die Be­s­tel- lun­gen zu stü­ckeln oder zu ver­schie­ben und sich nicht mehr an die Re­gel­mäs­sig­keit hal­ten – auch im Vo­lu­men –, dann ist et­was im Busch», er­klärt Kott­mann. Sei­ne Hoff­nung zieht er nun dar­aus, dass Mas­ter­bat­ches im No­vem­ber und De­zem­ber schon ein ge­wis­ses Pla­teau er­reich­te und es im Ja­nu­ar leicht nach oben ging.

Hoff­nung macht auch die Preis­ge­stal­tung im vier­ten Quar­tal. Hö­he­re Prei­se leis­te­ten trotz rück­läu­fi­ger Vo­lu­men ei­nen Bei­trag von 9 Pro­zent­punk­ten zum Um­satz­wachs­tum von Cla­ri­ant. Da­bei ist der CEO mit der Pri­cing Po­wer noch kei­nes­wegs zu­frie­den, wie er sagt. Auch ei­ne Ab­kehr von der Preis­dis­zi­plin in der Bran­che, wie das Aus­sa­gen ein­zel­ner Ex­po­nen­ten ha­ben be­fürch­ten las­sen, er­kennt Kott­mann nicht: «Wir se­hen kei­ne sol­che Ent­wick­lung, we­der in den Tei­len, die wir als Spe­zia­li­tä­ten iden­ti­fi­ziert ha­ben, noch in den Com­mo­di­ty-ähn­li­chen Be­rei­chen.»

Die­se Ein­schät­zung des Preis­um­felds lässt zu­sam­men mit der von Cla­ri­ant ein­ge­schla­ge­nen Stra­te­gie, dem Ge­winn an Leis­tungs­ver­mö­gen und dem hoff­nungs­vol­len, wenn auch vor­sich­ti­gen Aus­blick noch ei­ni­ges für die Ak­ti­en er­war­ten. Vor Rück­schlä­gen sind sie we­gen des la­bi­len Bör­sen­um­felds und der kräf­ti­gen Avan­ce seit An­fang Jahr zwar nicht ge­feit; der Trend zeigt aber wei­ter nach oben.

«Der star­ke Fran­ken hat den Um­satz um 892 Mio. Fr. ge­drückt», sagt Ha­riolf Kott­mann.

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