«Wir bie­ten den Ta­bel­len­füh­rer an»

HA­RIOLF KOTT­MANN Der CEO von Cla­ri­ant nimmt Stel­lung zum Schul­den­ab­bau und zu De­ves­ti­ti­ons­vor­ha­ben des Kon­zerns

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - IN­TER­VIEW: AM/CB

Cla­ri­ant ent­wi­ckelt für drei Ge­schäfts­ein­hei­ten stra­te­gi­sche Op­tio­nen. Da­bei geht es um Emul­sio­nen, Rei­ni­gungs­zu­sät­ze & Zwi­schen­pro­duk­te, um das Ge­schäft mit Pa­pier­spe­zia­li­tä­ten und die Tex­til­che­mi­ka­li­en. In Fra­ge kom­men ein Ver­kauf, das Ein­brin­gen in ein Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men, aber auch an­de­re Lö­sun­gen. Die frag­li­chen Ar­beits­ge­bie­te ha­ben 2011 zu­sam­men cir­ca 1,5 Mrd. Fr. um­ge­setzt. Herr Kott­mann, steht das Prü­fen von Op­tio­nen für Emul­si­ons, De­ter­gents & In­ter­me­dia­tes, Pa­per Spe­cial­ties und Tex­ti­le Che­mi­cals in ei­nem Zu­sam­men­hang mit dem ge­plan­ten Schul­den­ab­bau? Nein, das ist voll­kom­men un­ab­hän­gig. Wir müs­sen nichts ver­kau­fen. Wir wol­len zum Bei­spiel ver­kau­fen oder Jo­int Ven­tures ein­ge­hen, um zu de­kon­so­li­die­ren und un­ser Port­fo­lio wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Wir ha­ben un­se­re kurz­fris­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten mitt­ler­wei­le lang­fris­tig fi­nan­ziert und ha­ben nun ein aus­ge­wo­ge­nes Schul­den­pro­fil bis 2017.

Der Schul­den­ab­bau bleibt aber wich­tig? Oh­ne Fra­ge. Da­mit aber kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se auf­kom­men: Wir kön­nen mit den heu­ti­gen Ver­schul­dungs­kenn­zah­len le­ben. Es be­steht je­doch ei­ne kla­re Er­war­tungs­hal­tung der Ra­ting­agen­tu­ren und be­stimm­ter In­ves­to­ren, dass wir ent­schul­den, und wir wer­den das auch tun. Im Mo­ment ist das ei­ne un­se­rer höchs­ten Prio­ri­tä­ten. Wir wer­den aus die­sem Grund auch kei­ne gros­sen Über­nah­men ma­chen, die nur mit zu­sätz­li­chen Schul­den zu rea­li­sie­ren sind. Sie ha­ben ge­sagt, die frag­li­chen Ge­schäfts­ein­hei­ten sei­en gut auf­ge­stellt. Wes­halb strebt Cla­ri­ant dann ei­ne Ent­kon­so­li­die­rung an? Wir wol­len uns auf aus­sichts­rei­che Märk­te mit ho­hen Wachs­tums­ra­ten kon­zen­trie­ren und sie mit Ge­schäf­ten be­die­nen, die über ei­ne gu­te Wett­be­werbs­po­si­ti­on und da­mit über Preis­macht ver­fü­gen. Die gu­te Auf­stel­lung be­sag­ter Bu­si­ness Units be­zieht sich auf das je­wei­li­ge Ge­biet, den Ver­gleich mit den di­rek­ten Wett­be­wer­bern. Wenn man et­wa Tex­ti­le Che­mi­cals mit der klas­si­schen Kon­kur­renz ver­gleicht, ist un­ser Ge­schäft mit Ab­stand das pro­fi­ta­bels­te. Es hat ei­nen po­si­ti­ven Cash­flow, hat sei­ne ei­ge­ne Re­struk­tu­rie­rung fi­nan­ziert und schreibt kei­ne ro­ten Zah­len mehr. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne wei­te­re Ren­ta­bi­li­täts­stei­ge­rung sind ge­ge­ben. An­ders ge­sagt: Wenn wir uns ent­schlies­sen, die­se Ge­schäfts­ein­heit in ein Jo­int Ven­ture zu füh­ren oder zu ver­kau­fen, bie­ten wir den Ta­bel­len­füh­rer an.

Wir müs­sen nichts ver­kau­fen. Wir wol­len un­ser Ge­schäfts­port­fo­lio wei­ter­ent­wi­ckeln.

Ga­ran­tiert das im Fal­le ei­nes Ver­kaufs ei­nen gu­ten Preis? Na­tür­lich war­tet die Welt nicht auf ein Ge­schäft wie Tex­til­che­mi­ka­li­en oder Pa­pier­spe­zia­li­tä­ten. Man muss schon er­ken­nen, was in die­sen Fäl­len an Wert an­ge­bo­ten wird und was man da­für er­lö­sen kann. Aber es ist nicht so, dass wir Din­ge an­bie­ten, die tief de­fi­zi­tär sind und die wir ein­fach nur los­wer­den wol­len. Ist es mög­lich, dass schon die­ses Jahr et­was spruch­reif wird? Das ist schwie­rig zu sa­gen. Noch ist kein Be­ra­ter und kein In­vest­ment­ban­ker an­ge­spro­chen oder an­ge­heu­ert wor­den. Wir ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne kla­re Ana­ly­se ge­macht und die Ge­schäf­te sau­ber und trans­pa­rent be­wer­tet. Ein Team macht nun die ers­ten Schrit­te. Wie sieht der wei­te­re Ablauf aus? Un­ser Ziel be­steht dar­in, die­se Ge­schäf­te so zu stel­len, dass wir sie glo­bal als je­weils ei­ne Ein­heit ha­ben, die se­pa­rat ge­führt wer­den kann. Die­ser Pro­zess wird be­stimmt fünf bis sechs Mo­na­te in An­spruch neh­men. Wird ab­seh­bar, dass er gut läuft und vi­el­leicht im Ju­li zu ei­nem Er­geb­nis führt, kön­nen par­al­lel da­zu be­sag­te Op­tio­nen ent­wi­ckelt und ge­ge­be­nen­falls um­ge­setzt wer­den. Wie lan­ge die an­schlies­sen­den Ver­hand­lun­gen dann dau­ern, kann ich aber nicht ab­schät­zen. Si­cher ist da­ge­gen, dass wir nicht un­ter Zeit­druck ste­hen und dass wir un­se­re Ak­ti­vi­tä­ten nicht ver­schleu­dern wer­den.

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