Syn­thes ver­liert Elan

SCHWEIZ Or­tho­pä­die­kon­zern ver­nach­läs­sigt Kos­ten­sei­te – Schwa­ches Wachs­tum im vier­ten Quar­tal

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/GESUNDHEIT - DO­MI­NIK FELDGES

Die Ak­tio­nä­re und Be­schäf­tig­ten der Or­tho­pä­die­grup­pe Syn­thes müs­sen sich nach wie vor ge­dul­den. Noch ha­ben die Kar­tell­be­hör­den we­der in den USA noch in der EU der 21,3-Mrd.-$Über­nah­me durch den Us-ge­sund­heits­rie­sen John­son & John­son ( J&J) grü­nes Licht er­teilt. Ver­gan­ge­nes Jahr führ­ten die Syn­thes-ma­na­ger das Ge­schäft ge­mäss dem In­ves­tor-re­la­ti­ons-ver­ant­wort­li­chen Gil­gi­an Eis­ner so wei­ter, «als ob das Un­ter­neh­men ei­gen­stän­dig blei­ben wür­de».

Al­ler­dings büss­te der welt­gröss­te An­bie­ter von Pro­duk­ten für die Un­fall­chir­ur­gie ( Trau­ma­to­lo­gie) spür­bar an Dy­na­mik ein. Ge­rüch­te, wo­nach Schlüs­sel­mit­ar­bei­ter vor al­lem im Haupt­markt USA das Un­ter­neh­men ver­las­sen wür­den, wur­den durch Eis­ner auf An­fra­ge von «Fi­nanz und Wirt­schaft» de­men­tiert. Die Per­so­nal­fluk­tua­ti­on sei nicht si­gni­fi­kant ge­stie­gen.

Noch­mals Leu­te ein­ge­stellt

Dem am Don­ners­tag vor­ge­leg­ten Jah­res­aus­weis zu­fol­ge bau­te Syn­thes den Mit­ar­bei­ter­be­stand um 2% auf 12 000 Be­schäf­tig­te aus, ob­schon sich Über­lap­pun­gen mit dem Or­tho­pä­die-ge­schäft von J&J be­son­ders im Be­reich der Wir­bel­säu­len­pro­duk­te (Spi­ne) ab­zeich­nen. Eben­falls er­höht wur­den die Ver­kauf- und Mar­ke­tin­gkos­ten (+9% auf 1182 Mio. $), der Ver­wal­tungs­auf­wand (+18% auf 465 Mio. $) so­wie die Aus­ga­ben für For­schung und Ent­wick­lung (+16% auf 199 Mio. $).

Ei­nem ins­ge­samt über 12% hö­he­ren Be­triebs­auf­wand stand hin­ge­gen ein nur

Syn­thes N um 7,8% ge­stie­ge­ner Um­satz von 3973,8 Mio. $ ge­gen­über. Der ope­ra­ti­ve Ge­winn ver­schlech­ter­te sich als Fol­ge da­von um 2,1% auf 1256,5 Mio. $, die Ebit-mar­ge fiel von 34,8 auf 31,6%. Per sal­do re­sul­tier­te ein 6,5% hö­he­rer Ge­winn von 966,8 Mio. $, weil ei­ner­seits ein deut­lich ge­rin­ge­rer Zin­s­auf­wand an­fiel und an­de­rer­seits tie­fe­re Wech­sel­kurs­ver­lus­te zu Bu­che schlu­gen. Pro Ak­tie ver­dien­te Syn­thes um­ge­rech­net 7.20 (im Vor­jahr 7.65) Fr.

An Schlag­kraft büss­te das Un­ter­neh­men vor al­lem im vier­ten Quar­tal ein, in dem der Um­satz le­dig­lich 1,6% auf 991,7 Mio. $ stieg. In Nord­ame­ri­ka, wo Syn­thes 56% des Ge­schäfts hat, war gar ein Mi­nus von 2% zu be­kla­gen. Das Ma­nage­ment be­grün­de­te die flaue Ent­wick­lung mit dem mil­den Wet­ter. An­ders als im Vor­jahr ha­be es we­ni­ger wet­ter­be­ding­te Un­fäl­le ge­ge­ben. Ver­gleichs­wei­se schwach war im letz­ten Jah­res­vier­tel auch das Eu­ro­pa­ge­schäft, das in Lo­kal­wäh­run­gen um 3% ex­pan­dier­te. Im Ge­samt­jahr be­trug der Zu­wachs im­mer­hin 4,7%.

Zu den Aus­sich­ten äus­ser­te sich Syn­thes – ge­wohnt – vor­sich­tig und ein­sil­big: «2012 wird wohl ähn­lich her­aus­for­de­rungs­reich für die Me­di­zi­nal­tech­nik-in­dus­trie blei­ben wie 2011.» Kei­ne Aus­künf­te wa­ren dem Un­ter­neh­men, das we­der Pres­se- noch Te­le­fon­kon­fe­renz zum Jah­res­ab­schluss ab­hielt, über den ge­plan­ten Zu­sam­men­schluss mit J&J zu ent­lo­cken. Die von ei­nem Spre­cher der EUKom­mis­si­on be­stä­tig­te An­hö­rung am Mon­tag woll­te Eis­ner nicht kom­men­tie­ren. Ab­seh­bar ist in­des, dass die bei­den Un­ter­neh­men Zu­ge­ständ­nis­se vor al­lem im Spi­ne-be­reich ma­chen müs­sen, um in der ge­setz­ten Frist bis 21. April die EU von ih­rem Vor­ha­ben zu über­zeu­gen.

Was wird aus AO Foun­da­ti­on?

Aus Schwei­zer Sicht ein in­ter­es­san­ter Sei­ten­as­pekt ist, wie es mit der Da­vo­ser AO Foun­da­ti­on wei­ter­geht. Die 2006 be­gon­ne­nen Zah­lun­gen für den Trans­fer von Mar­ken­rech­ten an Syn­thes im Ge­samt­wert von 999,9 Mio. $ wur­den letz­tes Jahr ab­ge­schlos­sen. Zu­dem über­wies Syn­thes der AO Foun­da­ti­on für lau­fen­de Leis­tun­gen vor al­lem in der Aus­bil­dung und Pro­dukt­zer­ti­fi­zie­rung 67,8 (i. V. 53,2) Mio. $ und kam da­mit wie bis­her für das Gros des Stif­tungs­bud­gets auf. Ob J&J die AO Foun­da­ti­on, die 150 Mit­ar­bei­ter in Da­vos und wei­te­re gut fünf­zig Be­schäf­tig­te in Düben­dorf zählt, ähn­lich gross­zü­gig do­tie­ren wird, ist of­fen.

Die Syn­thes-ak­ti­en re­agier­ten kaum auf den Jah­res­ab­schluss. Weil der Kurs un­weit des Über­nah­me­prei­ses von 159 Fr. pro Ak­tie no­tiert, wird kaum noch mit ei­nem Schei­tern der Fu­si­on ge­rech­net. Als «Ab­schieds­ge­schenk» winkt den Syn­thesAk­tio­nä­ren oben­drein für 2011 ei­ne – un­ver­än­der­te – Di­vi­den­de von 1.80 Fr.

Job auf si­cher: Syn­thes-ceo Mi­chel Or­sin­ger wird die Or­tho­pä­die­spar­te von J&J lei­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.