Prä­si­dent­schafts­wah­len ber­gen Ri­si­ko für EDF

FRANK­REICH Chef­ses­sel des Ener­gie­kon­zerns wa­ckelt bei Sieg der So­zia­lis­ten – We­nig Dy­na­mik im Sek­tor trotz Li­be­ra­li­sie­rung – Be­wer­tung spie­gelt Un­si­cher­hei­ten

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - GE­SCHE WÜPPER

Der fran­zö­si­sche Ener­gie­ver­sor­ger EDF steht vor ei­nem ris­kan­ten Jahr. Und das, ob­wohl er ge­ra­de so­li­de Ergebnisse für 2011 vor­ge­legt hat. Doch der Aus­gang der Prä­si­dent­schafts­wah­len An­fang Mai dürf­te di­rek­te Aus­wir­kun­gen auf das Ener­gie­un­ter­neh­men ha­ben. Denn die So­zia­lis­ten ha­ben mit den Grü­nen ver­ein­bart, den An­teil der Atom­kraft am Ener­gie­mix zu re­du­zie­ren, soll­te ihr Kan­di­dat François Hol­lan­de ge­win­nen. Der­zeit liegt er in Mei­nungs­um­fra­gen weit vor­ne.

Bis­her stam­men 81% des in Frank­reich ver­brauch­ten Stroms aus den 58 von EDF be­trie­be­nen Re­ak­to­ren. Hol­lan­de könn­te zu­dem Ge­rüch­ten zu­fol­ge im Fal­le sei­nes Wahl­siegs Hen­ri Pro­glio an der Spit­ze des mehr­heit­lich staat­lich kon­trol­lier­ten Ener­gie­kon­zerns aus­wech­seln, da er als en­ger Ver­trau­ter von Prä­si­dent Ni­co­las Sar­ko­zy gilt. Sar­ko­zy hat­te ihn En­de 2009 vom Um­welt­dienst­leis­ter Veo­lia En­vi­ron­ne­ment zu EDF ge­holt. Jetzt rief er ihn zu Hil­fe, um sich im Wahl­kampf als Fir­men­ret­ter prä­sen­tie­ren zu kön­nen. EDF mach­te auf sein Be­trei­ben hin ein Über­nah­me­an­ge­bot für den vom Kon­kurs be­droh­ten Pho­to­vol­ta­ik­spe­zia­lis­ten Pho­to­watt und ver­sprach, 345 der 430 Mit­ar­bei­ter zu über­neh­men.

Zu­kunft des CEO un­ge­wiss

Die Zu­kunft von Pro­glio er­scheint da­mit un­ge­wiss. Da­bei kann sich die Bi­lanz für 2011 durch­aus se­hen las­sen. EDF pro­fi­tier­te vom stei­gen­den Ab­satz ih­res Atom­parks in Frank­reich und Gross­bri­tan­ni­en. Gleich­zei­tig be­stä­tig­te Pro­glio, der aus EDF den gröss­ten Strom­er­zeu­ger welt­weit ma­chen will, sei­ne Wachs­tums­zie­le. Bis 2015 soll das Er­geb­nis vor Steu­ern, Zin­sen und Ab­schrei­bun­gen (Ebitda) um jähr­lich 4 bis 6% wach­sen, der lau­fen­de Ge­winn um 5 bis 10%. Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­drei­fach­te der Strom­rie­se den Ge­winn trotz des auf­grund der Atom­ka­ta­stro­phe von Fu­kus­hi­ma und der Eu­ro­kri­se schwie- ri­gen Um­felds auf 3,01 Mrd. €, nach­dem er 2010 auf­grund von Ab­schrei­bun­gen und Rück­stel­lun­gen ei­nen Ge­winn­ein­bruch ver­zeich­net hat­te.

Den­noch la­gen die Ergebnisse leicht un­ter den Er­war­tun­gen. Ent­spre­chend wur­de die Edf-ak­tie von In­ves­to­ren Don­ners­tag an der Bör­se von Paris ab­ge­straft. Ihr Kurs gab um 1,53% auf 18.40 € nach. Im Ge­gen­satz zu EDF ver­fehl­te der zweit- gröss­te Ener­gie­kon­zern GDF Su­ez mit sei­ner ei­ne Wo­che zu­vor prä­sen­tier­ten Bi­lanz klar die Er­war­tun­gen, da ihm die im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­gleichs­wei­se mil­den Tem­pe­ra­tu­ren, die staat­li­che Re­gu­lie­rung der Prei­se im fran­zö­si­schen Gas­ge­schäft und die Aus­wir­kun­gen der Fu­kus­hi­ma-ka­ta­stro­phe zu schaf­fen mach­ten. Der Ge­winn brach des­halb 2011 um 13% auf 4 Mrd. € ein, ob­wohl der Um­satz um 7% auf 90,7 Mrd. € stieg. An­ge­sichts der Un­si­cher­hei­ten in Eu­ro­pa we­gen der Schul­den­kri­se will die Grup­pe die Prä­senz in Wachs­tums­märk­ten wei­ter ver­stär­ken.

Vor­teil­haf­te Preis­po­li­tik

Im Hei­mat­markt Frank­reich bie­tet GDF Su­ez seit der Li­be­ra­li­sie­rung vor vier Jah­ren auch Strom an. Doch bis­her kommt der Kon­zern auf ei­nen Markt­an­teil von nur 3%. In die­sem Jahr will er ihn auf 4,5% er­hö­hen. EDF kommt bei Strom noch im­mer auf ei­nen Markt­an­teil von 93%, GDF Su­ez bei Gas auf 82%. EDF pro­fi­tiert noch bis 2013 da­von, dass die Re­gie­rung den Preis fest­legt, zu dem Kon­kur­ren­ten den Atom­strom be­zie­hen. Sie hat ihn für 2012 auf 42 € je Me­ga­watt­stun­de fi­xiert, die Ener­gie-re­gu­lie­rungs­kom­mis­si­on hat­te ei­nen Preis von 36 bis 39 € ge­for­dert. Ener­gie­mi­nis­ter Eric Bes­son recht­fer­tig­te dies mit hö­he­ren Si­cher­heits­kos­ten nach Fu­kus­hi­ma. Die Atom­auf­sichts­be­hör­de schätzt sie auf 10 Mrd. € – min­des­tens, denn Sar­ko­zy hat ent­schie­den, die Lauf­zeit der Re­ak­to­ren auf über vier­zig Jah­re zu er­hö­hen.

Die Edf-ak­tie (KGV 8.69) ist zwar güns­ti­ger be­wer­tet als das Gdf-su­ez-pa­pier (KGV 11,5). Doch ih­re Ent­wick­lung dürf­te stär­ker vom Aus­gang der Wah­len be­ein­flusst wer­den. Zu­dem droht EDF wei­te­res Un­ge­mach, da das deut­sche Bun­des­land Ba­den-würt­tem­berg ge­richt­lich ge­gen den Kon­zern vor­ge­hen und den Kauf­preis von ENBW prü­fen las­sen will. Die lan­des­ei­ge­ne Ge­sell­schaft Neckar­p­ri hat­te EDF En­de 2010 ih­ren An­teil in Hö­he von 46,5% an ENBW für 4,7 Mrd. € ab­ge­kauft.

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