Swiss­com hat Vor­tei­le

SCHWEIZ Wan­del im Tele­com­sek­tor for­dert An­bie­ter – Markt­füh­rer gut ge­rüs­tet – Ti­tel kau­fens­wert

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - CLAU­DIA CARL

Die Ge­set­ze im Tele­com­markt sind ein­fach: Es ist ein ka­pi­tal­in­ten­si­ves Ge­schäft, die Markt­an­tei­le der An­bie­ter und ih­re Un­ter­neh­mens­grös­se ent­schei­den über Er­folg oder Miss­er­folg. Wer sich durch­set­zen will, braucht ein leis­tungs­fä­hi­ges Netz und at­trak­ti­ve An­ge­bo­te, um die Kun­den bei Lau­ne zu hal­ten. Das for­dert ent­spre­chen­de Mit­tel.

Swiss­com kennt die­se Re­geln und hat als mit Ab­stand gröss­ter Schwei­zer Tele­com­an­bie­ter auch 2011 im In­land so­li­de ab­ge­schnit­ten. Der Fast­web-ab­schrei­ber ist weit­ge­hend ver­daut. Im Ver­gleich zu eu­ro­päi­schen Wett­be­wer­bern so­wie zur hei­mi­schen Kon­kur­renz be­fin­det sich das Un­ter­neh­men da­her in ei­ner kom­for­ta­blen Po­si­ti­on. Das liegt un­ter an­de­rem am ge­rin­gen Ver­schul­dungs­grad, den an­sehn­li­chen Cash­flows und dem über­schau­ba­ren Re­gu­lie­rungs­ri­si­ko in den kom­men­den zwei bis drei Jah­ren.

Ge­schäft im Um­bruch

Der Wan­del des Ge­schäfts­mo­dells ist der­weil in vol­lem Gang. Mit Te­le­fo­nie­mi­nu­ten und Ein­zel-sms macht Swiss­com in der Schweiz im­mer we­ni­ger Um­satz: 2008 wa­ren es 52%, 2011 noch 43%, und in drei bis fünf Jah­ren dürf­te es noch ein knap­pes Drit­tel sein. Da­für steigt der Um­satz­an­teil mit Grund­ge­büh­ren und Bün­de­l­an­ge­bo­ten, in de­nen im­mer mehr Di­ens­te en­t­hal- ten sind. Hin­zu kommt der Boom der Smart­pho­nes. Al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr ver­dop­pel­te sich der mo­bi­le Da­ten­ver­kehr, in vier Jah­ren wuchs er um den Fak­tor 68. Den­noch ging der Um­satz in der Sum­me leicht zu­rück, weil das Un­ter­neh­men die Prei­se­ro­si­on nicht ganz mit hö­he­ren Vo­lu­men kom­pen­sie­ren konn­te.

In neu­en Ge­schäfts­fel­dern zeigt sich Swiss­com er­folg­reich. Mus­ter­bei­spiel ist das Fern­seh­pro­dukt, das in­zwi­schen 608 000 Kun­den zählt. Da­mit dürf­te der Kon­zern wei­ter vor Erz­ri­va­le UPC Ca­ble­com lie­gen. 2012 sol­len ge­mäss CEO Cars­ten Schlo­ter 150 000 bis 180 000 Abon­nen­ten hin­zu­kom­men. Dem neu­en Tv-pro­dukt des Wett­be­wer­bers Sun­ri­se sieht Swiss­com ent­spannt ent­ge­gen. Un­ter an­de­rem, weil die­ser nicht mit ei­nem Kampf­preis in den Markt ein­ge­stie­gen ist.

Für neue Pro­duk­te und Ser­vices braucht es hö­he­re Band­brei­ten. Swiss­com in­ves­tier­te 2011 in Mo­bil­funk und Fest­netz gut 2 Mrd. Fr. und da­mit rund 10% mehr als im Vor­jahr. Da­von gin­gen 1,5 Mrd. Fr. in die Schweiz, ein Plus von 17%. In die­sem Jahr fliesst noch mehr Geld in die In­fra­struk­tur – bis zu 2,2 Mrd. Fr., da­von 1,7 Mrd. Fr. in den Heim­markt.

We­gen des be­reits an­ge­kün­dig­ten Mil­li­ar­den­ab­schrei­bers auf den Buch­wert der ita­lie­ni­schen Toch­ter Fast­web ver­bleibt ein Ge­winn von 683 Mio. Fr., der sich da­mit um fast zwei Drit­tel ge­gen­über dem Vor­jahr re­du­ziert hat. Auch wenn die Er­folgs­rech­nung ge­trübt ist – die Geld­flüs­se sind in­takt, und die Ak­tio­nä­re er­hal­ten ei­ne um 1 Fr. hö­he­re Di­vi­den­de von 22 Fr. je Ak­tie für das Ge­schäfts­jahr 2011.

Di­vi­den­de bleibt at­trak­tiv

Für 2012 stellt Swiss­com eben­falls 22 Fr. je Ak­tie in Aus­sicht, wenn die fi­nan­zi­el­len Zie­le er­reicht wer­den. Dies sorg­te am Markt für Un­mut, ist aber nach­voll­zieh­bar. Das Un­ter­neh­men er­war­tet ei­nen leich­ten Rück­gang von Um­satz und Ebitda und ver­weist ne­ben den ho­hen In­ves­ti­tio­nen in die Net­ze auch auf die Neu­ver­ga­be der Schwei­zer Mo­bil­funk­fre­quen­zen (vgl. Kas­ten). In ganz Eu­ro­pa steht die Di­vi­den­den­po­li­tik der Tele­com­kon­zer­ne we­gen des In­ves­ti­ti­ons­be­darfs auf dem Prüf­stand. Die Ana­lys­ten der Bank No­mu­ra rech­nen bis 2014 mit ei­nem knapp durch­schnitt­li­chen An­stieg der Swiss­com-di­vi­den­de im Ver­gleich zum eu­ro­päi­schen Tele­com­sek­tor. Da­mit lässt der Ex-mo­no­po­list Vo­da­fo­ne knapp, Deut­sche Te­le­kom und Fran­ce Tele­com weit hin­ter sich, ran­giert aber nach­te­le­nor und Te­li­a­so­ne­ra.

Im Schwei­zer Ge­schäft sind bis auf wei­te­res kei­ne Über­ra­schun­gen zu er­war­ten. Der Netz­aus­bau geht vor­an, mit­tel­fris­tig sol­len 30% al­ler Woh­nun­gen und Ge­schäf­te ei­nen di­rek­ten Glas­fa­ser­an­schluss er­hal­ten. Dass die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on auch die Ko­ope­ra­tio­nen des Tele­com­kon­zerns in der Stadt Genf und im Kan­ton Frei­burg we­gen Kar­tel­la­b­re­den nicht durch­winkt, dürf­te das Pro­jekt ver­zö­gern, aber nicht auf­hal­ten. Im Mo­bil­funk setzt Swiss­com stär­ker als die Wett­be­wer­ber auf den schnel­len Stan­dard LTE (Long Term Evo­lu­ti­on). Im Jahr 2016 soll die Ab­de­ckung bei 90% lie­gen.

Fast­web in der Be­weis­pflicht

In Ita­li­en gibt es mehr of­fe­ne Fra­gen. Die kri­sen­ge­schüt­tel­te Toch­ter Fast­web dürf­te 2012 wie­der auf Kurs kom­men – das Un­ter­neh­men rech­net mit sta­bi­lem Um­satz so­wie ei­nem leicht hö­he­ren Ebitda und Cash­flow. Grös­se­re Wert­be­rich­ti­gun­gen sind nicht mehr zu er­war­ten. Es muss sich aber wei­sen, wie er­folg­reich die Part­ner­schaft mit Pay-tv-an­bie­ter Sky Ita­lia und der Aus­bau des Ver­triebs tat­säch­lich sind.

Wir rech­nen für 2012 mit ei­nem Ge­winn von 34.40 Fr. je Ak­tie und für 2012 mit 33.20 Fr. je Ti­tel. Swiss­com zahlt ei­ne für den Schwei­zer Markt at­trak­ti­ve Di­vi­den­de (er­war­te­te Ren­di­te 6%). Für An­le­ger, die auf sta­bi­le Aus­schüt­tun­gen set­zen, blei­ben die Pa­pie­re kau­fens­wert.

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