Zehn For­de­run­gen für ei­nen star­ken Fi­nanz­platz

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - DO­MI­NIK ZEHN­DER,

Der Fi­nanz­platz Schweiz bie­tet Ar­beits­plät­ze für 200 000 Men­schen oder 6% der ar­bei­ten­den Be­völ­ke­rung. Un­ter­neh­men, Mit­ar­bei­ten­de und Ak­tio­nä­re leis­ten ge­mäss Se­co et­wa 15% des ge­sam­ten (di­rek­ten und in­di­rek­ten) Steu­er­auf­kom­mens. Geht es den Ban­ken we­ni­ger gut, trifft das die gan­ze Schweiz: Das Steu­er­sub­strat von Bund, Kan­to­nen und Ge­mein­den sinkt, die Ban­ken in­ves­tie­ren we­ni­ger, ih­re An­ge­stell­ten kon­su­mie­ren we­ni­ger und ei­ne re­strik­ti­ve­re Kre­dit­ver­ga­be­po­li­tik so­wie stei­gen­de Zin­sen schmer­zen vor al­lem die klei­ne­ren und mitt­le­ren Be­trie­be.

Des­halb ist es ent­schei­dend, dass die Schwei­zer Po­li­tik un­se­rem Fi­nanz­platz wie­der Sor­ge trägt – so, wie dies in an­de­ren Wirt­schafts­na­tio­nen selbst­ver­ständ­lich ist. Ziel un­se­rer Wirt­schafts­aus­sen­po­li­tik muss es sein, kon­se­quent, ge­rad­li­nig und selbst­be­wusst Schwei­zer In­ter­es­sen zu ver­tre­ten. Im in­ter­na­tio­na­len Stand­ort­wett­be­werb, dem un­se­re drei Fi­nanz­plät­ze am Zü­rich-, am Gen­fer- und am Lu­ga­ner­see be­son­ders stark aus­ge­setzt sind, wird mit har­ten Ban­da­gen um glo­ba­le Markt­an­tei­le, Ar­beits­plät­ze und Wohl­stand ge­kämpft.

In die­sem Um­feld ist mit vor­aus­ei­len­dem Ge­hor­sam nichts zu ge­win­nen – si­cher kein Re­spekt und kei­ne Zu­ge­ständ­nis­se, aber auch kei­ne neu­en Kun­den für Schwei­zer Un­ter­neh­men. Nicht ein­mal Ent­ge­gen­kom­men. Je­des Zu­ge­ständ­nis ist ein Zei­chen der Schwä­che und ei­ne Ein­la­dung, wei­te­re For­de­run­gen zu stel­len und die­se mit dem Recht des Stär­ke­ren durch­zu­set­zen. Aus die­sem Grund pos­tu­lie­re ich zehn For­de­run­gen für ei­ne selbst­be­wuss­te Schwei­zer Fi­nanz­markt­stra­te­gie. 1. Das Bank­kun­den­ge­heim­nis ge­hört als Teil des Schut­zes der Pri­vat­sphä­re und des Pri­vat­ei­gen­tums in die Ver­fas­sung. Das gilt ins­be­son­de­re auch ge­gen­über An­fra­gen frem­der Staa­ten, wo die Um­kehr der Be­weis­last in­ak­zep­ta­bel ist. 2. Ein au­to­ma­ti­scher In­for­ma­ti­ons­aus­tausch wie vom Aus­land ge­for­dert ver­stösst ge­gen den Schutz des Bür­gers vor der All­macht des Staa­tes, ver­letzt un­ser Rechts­ver­ständ­nis und ist ver­bo­ten. 3. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen Steu­er­be­trug und -hin­ter­zie­hung hat sich be­währt und ist bei­zu­be­hal­ten. In kei­nem an­de­ren eu­ro­päi­schen Land ist die Steu­er­hin­ter­zie­hung ge­rin­ger als in der Schweiz. 4. Rechts­hil­fe­ge­su­che bei Ver­dacht auf Be­trug sind schnell und ef­fi­zi­ent zu be­ar­bei­ten. Ei­ne Frist von drei Mo­na­ten muss da­für ge­nü­gen. 5. Neue in­ter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen im Zu­sam­men­hang mit der schwei­ze­ri­schen Fi­nanz­markt­ord­nung sind vom Volk zu ge­neh­mi­gen. 6. Steu­er­be­schei­ni­gun­gen von Kun­den zu ver­lan­gen, be­vor sie über­haupt ei­ne Ge­schäfts­be­zie­hung ein­ge­hen dür­fen, darf nicht zur Pflicht für Ban­ken wer­den. 7. Die Schwei­zer Ban­ken er­he­ben auf al­len Zins- und Di­vi­den­den­er­trä­gen die­sel­be Ver­rech­nungs­steu­er, die bei Re­zi­pro­zi­tät an den Her­kunfts­staat des Kun­den aus­be­zahlt wird. Ei­ne Ab­gel­tungs­steu­er auf Alt­be­stän­den kommt nur in Fra­ge, wenn ein Staat Ge­gen­recht ge­währt. 8. Schwei­zer Ban­ken dür­fen nicht sub­stan­zi­ell här­te­ren Be­din­gun­gen aus­ge­setzt wer­den als Ban­ken in an­de­ren Län­dern oder Aus­land­ban­ken in der Schweiz. Für ei­nen ge­wis­sen «Swiss Fi­nish», et­wa ei­ne et­was hö­he­re Ei­gen­ka­pi­tal­de­cke, soll Spiel­raum ver­blei­ben. 9. Im Schwei­zer Schuld- und Kon­kurs­recht ist ent­spre­chend dem ame­ri­ka­ni­schen Ch­ap­ter 11 ei­ne Mög­lich­keit des Gläu­bi­ger­schut­zes vor­zu­se­hen. Die ope­ra­ti­ve Fort­set­zung der Ge­schäfts­tä­tig­keit und Re­struk­tu­rie­rung un­ter staat­li­cher Auf­sicht bei gleich­zei­ti­gem, tem­po­rä­rem Schutz vor Gläu­bi­ger­for­de­run­gen er­laubt es, volks­wirt­schaft­lich wich­ti­ge Di­ens­te wie den Zah­lungs­ver­kehr auf­recht­zu­er­hal­ten. Zu­sätz­lich ist ei­ne Mög­lich­keit zu schaf­fen, um Teil­be­rei­che von Fi­nanz­in­sti­tu­ten in Kon­kurs ge­hen zu las­sen. 10. Zum tem­po­rä­ren Schutz von Fi­nanz­dienst­leis­tern, de­nen An­kla­gen im Aus­land an­ge­droht wer­den, hat der Bun­des­rat Mass­nah­men aus­zu­ar­bei­ten. Auch für die Fi­nanz­in­dus­trie muss bis zur Ver­ur­tei­lung die Un­schulds­ver­mu­tung gel­ten.

Star­ke und ge­sun­de Ban­ken sind die Le­bens­ader für je­den Zweig der Schwei­zer Wirt­schaft. Ein er­folg­rei­cher Fi­nanz­platz schafft Ar­beits­plät­ze, in­ves­tiert, zahlt Löh­ne und Steu­ern und kur­belt Han­del und Tou­ris­mus an. Die of­fi­zi­el­le Schweiz hat al­len Grund, da­für zu sor­gen, dass dies auch in Zu­kunft so bleibt.

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