Es gibt sie doch: Ri­si­ken

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Selbst die blü­hen­den Volks­wirt­schaf­ten Chi­nas und In­di­ens wer­den im lau­fen­den Jahr ih­ren Schwung ver­lie­ren – ei­ne Aus­sicht, die Fi­nanz­an­le­gern ei­nen hef­ti­gen Schre­cken ein­ge­jagt hat. Bric-ak­ti­en­märk­te ga­ben 2011 zu­nächst deut­lich nach. Seit Ok­to­ber scheint al­les ver­ges­sen. Der MSCI Chi­na zum Bei­spiel ist seit­her über 30% ge­stie­gen, der brei­te Emer­ging-mar­ket­sIn­dex hat um fast 25% zu­ge­legt.

Jim O’neill (vgl. Text links) ist oh­ne Wenn und Aber von der Wachs­tums­sto­ry Chi­nas über­zeugt. Ge­mäss sei­ner letz­ten Be­rech­nung wird Chi­na im Jahr 2026 die USA als gröss­te Volks­wirt­schaft ab­lö­sen. Auch kurz­fris­tig sieht er nicht die Ge­fahr ei­ner ab­rup­ten Ab­küh­lung der Kon­junk­tur.

Die Ak­ti­en­kur­se deu­ten dar­auf hin, dass der Chi­na-op­ti­mis­mus zu­rück­ge­kehrt ist. Die Ri­si­ken sind aber nicht ver­schwun­den. Ein gros­ses Fra­ge­zei­chen steht hin­ter dem enor­men Kre­dit­wachs­tum. 2009 und 2010 nahm das Kre­dit­vo­lu­men ge­mäss dem In­ter­na­tio­na­len Ban­ken­ver­band IIF um über 50% zu. Bis En­de No­vem­ber stieg es im Jah­res­ver­gleich ge­mäss der chi­ne­si­schen Ban­kauf­sicht noch­mals 16%. Der Häu­ser­markt boom­te und zeigt seit Herbst Ab­küh­lungs­er­schei­nun­gen. Kre­dit­rück­stel­lun­gen der Ban­ken wa­ren 2011 aber auf ei­nem Re­kord­tief von rund 1%, was kaum so blei­ben wird. Als ris­kant wer­den we­ni­ger die Hy­po­the­ken als die Kre­di­te an Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men so­wie Pro­vinz­re­gie­run­gen ge­se­hen. Letz­te­re ste­hen mit um­ge­rech­net ei­nem Vier­tel des Brut­to­in­land­pro­dukts in der Krei­de. Die «Fi­nan­ci­al Ti­mes» be­rich­te­te die­se Wo­che, Ban­ken sei­en an­ge­wie­sen wor­den, die Fäl­lig­keit die­ser Kre­di­te zu ver­zö­gern. Das ma­chen Ban­ken sonst nur, wenn sie Ab­schrei­bun­gen ver­mei­den wol­len; es ist al­so nicht ein gu­tes Zei­chen. Die ge­sun­ke­nen PreisBuch­wert-ver­hält­nis­se chi­ne­si­scher Bank­ak­ti­en sind Aus­druck der Be­sorg­nis.

Die zwei­te Ri­si­ko­quel­le ist die Eu­ro­zo­n­e­kri­se. «Das Ri­si­ko für Chi­na aus­ge­hend von Eu­ro­pa ist gross und re­al», schrieb der Re­prä­sen­tant des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) in Chi­na im jüngs­ten Aus­blick. Wür­de das schlech­tes­te Sze­na­rio ein­tref­fen, könn­te Chi­nas Wachs­tum 4 Pro­zent­punk­te fal­len – der IWF rech­net un­ter «nor­ma­len» Um­stän­den mit 8,3% für 2012. Chi­na ist an­fäl­lig we­gen des Ex­port­sek­tors; Eu­ro­pa und die USA ste­hen für die Hälf­te der ex­ter­nen Nach­fra­ge. Ein Schock wür­de sich auf die­se In­dus­trie aus­wir­ken und über den Kre­dit­kreis­lauf in den Bank­bi­lan­zen zei­gen, was den Kre­dit­fluss läh­men und ei­ne wei­te­re Ab­küh­lung aus­lö­sen könn­te, schreibt der IWF. Gleich­zei­tig heisst es, Chi­na ver­fü­ge über fi­nan­zi­el­len Spiel­raum, um Sti­mu­li zu be­zah­len, die den Ef­fekt ver­rin­gern wür­den.

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