Viel Po­li­tik um Trans­ak­ti­ons­steu­er

Die von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on ge­plan­te Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er bie­tet Dis­kus­si­ons­stoff

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - DIE­TER W. HE­U­MANN

Frank­reich macht Druck, Deutsch­land will auch. Am liebs­ten hät­ten es Ni­co­las Sar­ko­zy und An­ge­la Mer­kel, wenn ganz Eu­ro­pa, ja die gan­ze Welt mit­ma­chen wür­de und ei­ne Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er ein­führ­te. Doch Gross­bri­tan­ni­en zieht nicht mit, und die USA sind ka­te­go­risch da­ge­gen – aus gu­ten Grün­den. Die Steu­er ist öko­no­misch nicht sinn­voll. Sie dürf­te die Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­rung ver­teu­ern und Han­dels­ak­ti­vi­tä­ten in «steu­er­freie» Stand­or­te ab­flies­sen las­sen. Kenneth Rog­off sagt zum The­ma Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er gar: «Es brennt in Eu­ro­pa, war­um al­so nicht noch ein we­nig Öl ins Feu­er gies­sen?» Die Steu­er tau­ge nicht da­zu, Wachs­tums- und Fi­nanz­pro­ble­me zu mil­dern, sie sei rein po­li­tisch mo­ti­viert.

Die von der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on vor­ge­schla­ge­ne Steu­er von 0,1% auf Ak­ti­en- und An­lei­hen­trans­ak­tio­nen und von 0,01% auf De­ri­vat­trans­ak­tio­nen soll Ein­nah­men in der Hö­he von 50 Mrd. € be­sche­ren. Zu­dem ist sie po­li­tisch gut ver­träg­lich, da ja vor al­lem der Ban­ken­sek­tor und ver­mö­gen­de Pri­vat­per­so­nen be­trof­fen wä­ren. Doch hö­he­re Trans­ak­ti­ons­kos­ten ver­rin­gern die Li­qui­di­tät an den Märk­ten und ver­teu­ern die Ka­pi­tal­kos­ten. Dar­un­ter lei­den die In­ves­ti­tio­nen – und das ist nicht wün­schens­wert, da nur Wachs­tum die Schul­den­kri­se ein­däm­men kann.

Pro­fes­sor Hans-wer­ner Sinn, Prä­si­dent des Ifo-in­sti­tuts in München, be­tont im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft»: «Ge­ne­rell ist die Trans­ak­ti­ons­steu­er sinn­voll. Es wä­re schon gut, das Na­no-tra­ding und an­de­re Aus­wüch­se an den Ka­pi­tal­märk­ten zu brem­sen oder gar zu un­ter­bin­den.» Wer­de die Trans­ak­ti­ons­steu­er je­doch nur in der Eu­ro­zo­ne ein­ge­führt, wür­den sol­che Ge­schäf­te nicht ver­hin­dert: «Sie ver­la­gern sich le­dig­lich auf an­de­re Fi­nanz­märk­te, wie zum Bei­spiel London. Ent­spre­chend nied­rig und für die Po­li­tik auch ent­täu­schend wä­re dann das Auf­kom­men aus der Trans­ak­ti­ons­steu­er.»

Ge­mäss Sinn ist ei­ne auf die Eu­ro­zo­ne be­grenz­te Ein­füh­rung der Trans­ak­ti­ons­steu­er auch po­li­tisch sehr pro­ble­ma­tisch, weil da­durch ei­ne Soll­bruch­stel­le zu En­g­land ge­schaf­fen wür­de. Sinn er­klärt: «Man ver­sucht so, die En­g­län­der aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on her­aus­zu­ki­cken. Sar­ko­zy ist da­zu fest ent­schlos­sen. Er will um die Eu­ro­zo­ne ein Ker­n­eu­ro­pa schaf­fen – un­ter der Füh­rung Frank­reichs. Das wä­re mit En­g­land nicht mach­bar.»

Sar­ko­zy wer­de da­bei von Deutsch­land un­ter­stützt, das in den Sech­zi­ger­jah­ren hart für den Bei­tritt der Bri­ten zur EU ge­kämpft ha­be. Deutsch­land woll­te da­mals ein Ge­gen­ge­wicht zu Frank­reich ha­ben. Nun wer­de zu­ge­las­sen, dass Frank­reich En­g­land über die Trans­ak­ti­ons­steu­er hin­aus­schub­se. Sinn hält das für «ei­nen aus­sen­po­li­ti­schen Feh­ler».

In ei­ner öf­fent­li­chen An­hö­rung vor dem Eu­ro­päi­schen Par­la­ment ver­gan­ge­ne Wo­che dräng­te Avinash Per­saud, Chef des Thinktank In­tel­li­gence Ca­pi­tal, in­des dar­auf, ei­ne Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er ein­zu­füh­ren. Stem­pel­steu­ern wür­den in den am schnells­ten wach­sen­den Fi­nanz­zen­tren be­reits er­folg­reich er­ho­ben: Mum­bai, Hong­kong, Seo­ul, Jo­han­nes­burg und Tai­peh. Ins­ge­samt wür­den mit ih­nen pro Jahr 23 Mrd. $ ein­ge­nom­men. Per­saud for­dert ei­ne Trans­ak­ti­ons­steu­er, die je nach In­stru­ment un­ter­schied­lich hoch sei. Der Vor­schlag der Eu-kom­mis­si­on ei­nes ein­heit­li­chen Sat­zes sei da­ge­gen falsch.

In ei­ner wei­te­ren Fra­ge, die die Fi­nanz­märk­te be­wegt, span­nen die deut­sche Kanz­le­rin und der fran­zö­si­sche Prä­si­dent eben­falls zu­sam­men. Bis zum Früh­jahr soll der Fis­kal­pakt durch­ge­setzt wer­den. Aus Sicht von Sinn ist es zwei­fel­haft, ob der Pakt die Pro­ble­me löst: «Ich hal­te die Fis­kal­uni­on für zwei­fel­haft. Aus deut­scher Sicht sol­len en­ge­re Schul­den­gren­zen ge­schaf­fen wer­den. Aus der Sicht der an­de­ren soll das auch ein In­stru­ment sein, um die deut­schen Löh­ne zu kon­trol­lie­ren, die als zu nied­rig emp­fun­den wer­den.»

Der Fis­kal­pakt be­inhal­te Mög­lich­kei­ten, zu nied­ri­ge Löh­ne und zu ho­he Leis­tungs­bi­lanz­über­schüs­se zu sank­tio­nie­ren. Die ho­he Wett­be­werbs­fä­hig­keit Deutsch­lands – vie­len Län­dern ein Dorn im Au­ge – wer­de da­durch ge­fähr­det. Da­bei sei pri­mär der Bun­des­re­pu­blik zu ver­dan­ken, dass die Eu­ro­zo­ne ins­ge­samt über­haupt ei­ne po­si­ti­ve Leis­tungs­bi­lanz auf­wei­se.

Hans-wer­ner Sinn: «Ge­ne­rell ist die Trans­ak­ti­ons­steu­er sinn­voll.»

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