Sar­ko­zy rutscht nach rechts

Fran­zö­si­scher Wahl­kampf geht in die heis­se Pha­se

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - GW,

Das Er­eig­nis war ei­gent­lich gar keins. Auch wenn sein Um­feld stets be­ton­te, er ha­be ja noch nicht ge­sagt, ob er kan­di­die­re, zwei­fel­te in Frank­reich nie­mand dar­an, dass Prä­si­dent Ni­co­las Sar­ko­zy sich für ei­ne zwei­te Amts­zeit be­wer­ben wür­de. Am Mitt­woch er­klär­te er of­fi­zi­ell sei­ne Kan­di­da­tur. Nicht weil er den an­stren­gen­den Job un­be­dingt ma­chen wol­le. Aber weil er Frank­reich in die­ser schwie­ri­gen Pha­se nicht im Stich las­sen kön­ne.

Sar­ko­zys Fern­seh­in­ter­view mar­kier­te den Be­ginn der heis­sen Wahl­kampf­pha­se. Bei sei­nem ers­ten Wahl­kampf­auf­tritt in Anne­cy star­te­te er hef­ti­ge Ver­bal­at­ta­cken ge­gen sei­nen so­zia­lis­ti­schen Her­aus­for­de­rer: François Hol­lan­de lü­ge von mor­gens bis abends. Aber auch wenn Sar­ko­zy als ge­wief­ter Wahl­kämp­fer gilt, ist zwei­fel­haft, ob er den Vor­sprung, den Hol­lan­de in Mei­nungs­um­fra­gen in­ne­hat, ein­ho­len kann. Ob­wohl er ver­sucht, sich als Ret­ter dar­zu­stel­len, der Frank­reich durch die Eu­ro­kri­se steu­ert, blei­ben sei­ne Um­fra­ge­wer­te tief.

Bi­lanz fällt ma­ger aus

Sar­ko­zys Bi­lanz in Sa­chen Ar­beits­lo­sig­keit, Kauf­kraft und Staats­ver­schul­dung fällt ma­ger aus. Da die Ar­beits­lo­sig­keit, die bei fast 10% liegt, für vie­le Wäh­ler das ent­schei­den­de The­ma ist, ver­such­te Sar­ko­zy zu­letzt auch sich als Ret­ter von Un­ter­neh­men und da­mit Ar­beits­plät­zen zu prä­sen­tie­ren, un­ter­stützt durch be­freun­de­te Un­ter­neh­mens­chefs wie Ber­nard Ar­nault von LVMH und Hen­ri Pro­glio von EDF.

So will ein Zu­lie­fe­rer von LVMH ein von der Schlies­sung be­droh­tes Werk des Un­ter­wä­sche­fa­bri­kan­ten Le­ja­by über­neh­men. Der Lu­xus­gü­ter­kon­zern ver­sprach Auf­trä­ge für meh­re­re Jah­re, um die 93 Ar­beits­plät­ze zu si­chern. EDF wie­der­um hat ge­ra­de ein An­ge­bot für den vom Kon­kurs be­droh­ten Fo­to­vol­ta­ik­spe­zia­lis­ten Pho­to­watt ge­macht und ge­lobt, 345 von 430 Mit­ar­bei­tern zu über­neh­men. Zu­dem brach­te Sar­ko­zy die so­ge­nann­te so­zia­le Mehr­wert­steu­er auf den Weg. Die Na­tio­nal­ver­samm­lung hat dem Pro­jekt die­se Wo­che zu­ge­stimmt. Es sieht die Er­hö­hung der Mehr­wert­steu­er von 19,6 auf 21,2% vor, um die Sen­kung der So­zi­al­ab­ga­ben für Un­ter­neh­mer zu fi­nan­zie­ren. Sar­ko­zy hofft, dass da­durch in den nächs­ten drei Jah­ren 100 000 Ar­beits­plät­ze ent­ste­hen.

Kan­di­diert Le Pen?

Gleich­zei­tig voll­zog der Prä­si­dent ei­nen Schwung nach rechts. Im In­ter­view mit «Fi­ga­ro Ma­ga­zi­ne» warb er für die Wer­te «Ar­beit, Ver­ant­wort­lich­keit und Au­to­ri­tät» und sprach sich ge­gen die Ehe gleich­ge­schlecht­li­cher Part­ner und das Wahl­recht für Aus­län­der in den Kom­mu­nen aus. Das über­rascht we­nig, denn Ma­ri­ne Le Pen von der rechts­ex­tre­men Par­tei Front Na­tio­nal könn­te der letz­ten Um­fra­ge zu­fol­ge beim ers­ten Wahl­gang am 22. April auf 15% der Stim­men kom­men. Ih­re Wäh­ler hat Sar­ko­zy im Vi­sier, da es nicht si­cher ist, dass Le Pen an­tre­ten kann. Ihr feh­len die für ei­ne Kan­di­da­tur er­for­der­li­chen Pa­ten­schaf­ten von Kom­mu­nal­po­li­ti­kern – vie­le zö­gern aus Angst vor in­ner­par­tei­li­chen Fol­gen. Le Pen hat nun den Ver­fas­sungs­rat an­ge­ru­fen. Der ent­schei­det, ob die Bür­gen öf­fent­lich be­kannt ge­ge­ben wer­den.

Mit dem Rechts­rutsch dürf­te Sar­ko­zy al­ler­dings die Wäh­ler von Zen­trums­po­li­ti­ker François Bay­rou ver­prel­len, der im ers­ten Wahl­gang auf 13% der Stim­men kom­men könn­te und da­mit vor dem links­ex­tre­men Kan­di­da­ten Je­an-luc Me­lan­chon lä­ge, der auf 9% hof­fen darf. Zu­min­dest Me­lan­chons Wäh­ler dürf­ten in der Stich­wahl am 6. Mai für Hol­lan­de stim­men. Doch bis da­hin kann der Wahl­kampf noch für Über­ra­schun­gen sor­gen.

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