Por­tu­gal macht al­les rich­tig und ver­liert doch

Brut­to­in­land­pro­dukt schrumpft schnel­ler als der Schul­den­berg – Be­ra­tung über Aus­zah­lung der nächs­ten Tran­che des Ret­tungs­kre­dits be­ginnt – Auf­la­gen er­füllt

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ANDRE­AS NEIN­HAUS

Grie­chen­land und Ita­li­en fül­len die Schlag­zei­len der in­ter­na­tio­na­len Wirt­schafts­pres­se, aber nicht dort, son­dern in Por­tu­gal ent­schei­det sich, ob es ge­lingt, die Eu­ro-staats­schul­den­kri­se wirk­sam zu be­kämp­fen. Fast un­be­merkt brach am Mitt­woch ei­ne De­le­ga­ti­on der EU und des Welt­wäh­rungs­fonds IWF nach Lissabon auf. Ihr Auf­trag: die Um­set­zung des mul­ti­la­te­ra­len 78 Mrd. € schwe­ren Ret­tungs­pro­gramms für Por­tu­gal, das letz­tes Jahr lan­ciert wur­de, zu kon­trol­lie­ren.

Das Ur­teil der Ex­per­ten wird höchst­wahr­schein­lich güns­tig aus­fal­len. Die nächs­te Tran­che von 15 Mrd. € kann dar­auf­hin bald aus­be­zahlt wer­den. Por­tu­gal hat sich vor­bild­lich ver­hal­ten, al­les er­füllt, was die Kre­dit­ge­ber wirt­schafts­po­li­tisch ver­langt hat­ten. Um den Haus­halt zu sa­nie­ren, hat die Re­gie­rung die Aus­ga­ben ver­rin­gert und die Steu­ern im Wert von 5% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) er­höht, Ren­ten so­wie die Löh­ne und Ge­häl­ter der Staats­an­ge­stell­ten ge­kürzt. Das Staats­de­fi­zit sank in zwei Jah­ren von 9 auf 5,6% des BIP. Und um es noch auf 3% zu drü­cken, sol­len 2013 wei­te­re Steu­ern er­höht, Sub­ven­tio­nen ge­stri­chen und zu­sätz­li­che Haus­halts­pos­ten sa­niert wer­den.

Nur Ex­por­te wach­sen noch

Am Ein­satz­wil­len be­steht al­so kein Zwei­fel. Auch die im Som­mer 2011 an­ge­tre­te­ne Re­gie­rungs­mann­schaft weckt Ver­trau­en. Nicht zu­letzt ist der lang­jäh­ri­ge re­nom­mier­te Öko­nom der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) Vi­tor Gas­par seit­her Fi­nanz­mi­nis­ter. Und den­noch ist die Sor­ge gross, dass das Land nicht aus der ne­ga­ti­ven Schul­den­spi­ra­le her­aus­fin­det. Denn die Wirt­schaft droht ra­scher zu schrump­fen als der Schul­den­berg ab­ge­tra­gen wer­den kann. Im vier­ten Quar­tal hat das BIP re­al 1,3% zum Vor­quar­tal ab­ge­nom­men. Es be­fin­det sich 2,7% un­ter dem Ni­veau des Schluss­quar­tals 2010. Nur Grie­chen­land steckt tie­fer in der Re­zes­si­on. Und was be­son­ders be­un­ru­higt: Die Ab­wärts­dy­na­mik be­schleu­nigt sich.

Die No­ten­bank hat den pro­gnos­ti­zier­ten Rück­gang des BIP in die­sem Jahr von 2 auf über 3% er­höht. Ein Blick auf die nun ver­öf­fent­lich­te Quar­tals­schät­zung zeigt die Quel­le des Pro­blems: der stren­ge Aus­te­ri­täts­kurs. Die in­län­di­sche Nach­fra­ge be­fin­det sich im frei­en Fall. Die Un­ter­neh­men ha­ben 2011 rund 11% we­ni­ger in­ves­tiert und wer­den 2012 er­neut Kür­zun­gen im zwei­stel­li­gen Be­reich durch­füh­ren. Die pri­va­ten und die öf­fent­li­chen Kon­sum­aus­ga­ben neh­men ab.

Im Ge­gen­satz da­zu stei­gen im­mer­hin Por­tu­gals Ex­por­te. Ver­gan­ge­nes Jahr re­sul­tier­te ein po­si­ti­ver Wachs­tums­bei­trag durch den Aus­sen­han­del. Er ist ge­gen­wär- tig die ein­zi­ge Wachs­tums­quel­le des Lan­des. Aber auch sie droht zu ver­sie­gen. Drei­vier­tel der Wa­ren­ex­por­te flies­sen in die EU, da­von über ein Vier­tel nach Spa­ni­en, das eben­falls ei­ne Re­zes­si­on durch­steu­ert. Wich­tigs­te Quel­le der por­tu­gie­si­schen Di­enst­leis­tungs­ex­por­te stellt der Tou­ris­mus dar. Dort zeigt sich, wie ei­ne Ab­wer­tung die Nach­fra­ge an­zu­kur­beln ver­mag: So ent­schie­den sich letz­tes Jahr

Kon­junk­tur

Spe­zia­li­sie­rung zahlt sich aus. Por­tu­gie­si­scher Kork ist ein welt­weit ge­such­ter Roh­stoff.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.