Kre­dit­qua­li­tät von Staa­ten ero­diert wei­ter

In­dus­trie­staa­ten lei­den un­ter ho­her Ver­schul­dung – Bes­ser po­si­tio­nier­te Schwel­len­län­der – Wi­ki­ra­ting möch­te Oli­go­pol der Ra­ting­agen­tu­ren spren­gen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - JEAN­NE RICHENBERGER

Al­ler gu­ten Din­ge sind drei – das hat sich zu Wo­chen­be­ginn wohl Moo­dy’s ge­dacht. Nach den Kon­kur­ren­tin­nen Stan­dard & Poor’s (S&P) so­wie Fitch hat nun auch die letz­te der drei gros­sen Ra­ting­agen­tu­ren die Bo­ni­täts­no­ten von zahl­rei­chen Eu­ro­zo­n­emit­glie­dern re­du­ziert. Den Schritt be­grün­det sie mit un­si­che­ren Fis­kal- und Wirt­schafts­re­for­men. Zu­dem nennt die Agen­tur un­vor­teil­haf­te Wirt­schafts­wachs­tums­aus­sich­ten, wel­che die Aus­te­ri­täts­mass­nah­men in Fra­ge stell­ten. All dies be­las­te das Markt­ver­trau­en, was wie­der­um die Ge­fahr von Schocks so­wie Fi­nan­zie­rungs­eng­päs­sen für Staa­ten und Fi­nanz­in­sti­tu­te ber­ge.

S&P hat­te be­reits Mitte, Fitch En­de Ja­nu­ar meh­re­re Eu­ro­zo­n­estaa­ten her­ab­ge­stuft. Da­mit hält die Ero­si­on der Kre­dit­qua­li­tät an: Grie­chen­land wird nun­mehr mit CCC (Fitch), Ca (Moo­dy’s) bzw. CC (S&P) be­ur­teilt – so tief wie kein an­de­rer So­ver­eign welt­weit (vgl. Ta­bel­le). Wei­te­re Län­der im C-be­reich, je­doch mit hö­he­ren No­ten, sind Be­li­ze, Ecua­dor und Ku­ba.

Noch zwölf Triple-a

Die im Zu­ge der Fi­nanz­kri­se be­schlos­se­nen Ret­tungs­pro­gram­me und die da­mit ein­her­ge­hen­de hö­he­re Staats­ver­schul­dung der In­dus­trie­län­der ha­ben aber auch auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks Bo­ni­tät ge­kos­tet. Das pro­mi­nen­tes­te Op­fer sind wohl die USA, die von S&P nun­mehr mit AA+ ne­ga­tiv be­ur­teilt wer­den.

Der Kreis von Triple-a-so­ver­eigns hat sich noch­mals deut­lich ver­klei­nert. Mit der höchs­ten Bo­ni­täts­no­te al­ler drei Agen­tu­ren dür­fen sich nur noch zwölf Staa­ten schmü­cken: Aus­tra­li­en, Dä­ne­mark, Deutsch­land, Finn­land, Gross­bri­tan­ni­en, Ka­na­da, Lu­xem­burg, die Nie­der­lan­de, Nor­we­gen, Schwe­den, die Schweiz und Sin­ga­pur. S&P ver­sieht zu­dem Finn­land, Lu­xem­burg und die Nie­der­lan­de mit ne­ga­ti­ven Aus­sich­ten. Da­mit könn­ten die drei Eu­ro­zo­n­e­mit­glie­der mit ei­ner Wahr­schein­lich­keit von 33% in­ner­halb von zwei Jah­ren die höchs­te Bo­ni­tät ver­lie­ren. Be­las­tungs­fak­tor ist ih­re Zu­ge­hö­rig­keit zur Eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­uni­on. Deutsch­land hin­ge­gen wird als ein­zi­ges Eu­ro­zo­n­e­mit­glied noch mit sta­bi­len Aus­sich­ten be­ur­teilt.

Und die Schwel­len­län­der? Sie pro­fi­tie­ren von vor­teil­haf­te­ren Wachs­tums­aus­sich­ten und ge­sün­de­ren Staats­haus­hal­ten. Gleich­zei­tig ha­ben sie ih­re Ab­hän­gig­keit vom Zuf­luss aus­län­di­schen Ka­pi­tals ab­ge­baut und die Bin­nen­märk­te ge­stärkt. Zu­sätz­lich pro­fi­tie­ren vie­le von der an­hal­ten­den Roh­stoff­hausse. Mit Bo­ni­täts­no­ten der An­la­ge­qua­li­tät (No­te BBB– bzw. Baa3 oder hö­her) schmü­cken sich des­halb u. a. die vier Bric-län­der Bra­si­li­en, Russ­land, In­di­en und Chi­na.

Vier­te Ra­ting­agen­tur?

Die Ar­beit der drei gros­sen Ra­ting­agen­tu­ren ist seit der Fi­nanz­kri­se un­ter Be­schuss – so­wohl von Po­li­ti­kern als auch von An­le­gern. Ih­nen wird vor­ge­wor­fen, das Ri­si­ko falsch ein­zu­schät­zen, zu spät zu re­agie­ren und Ne­ga­tiv­spi­ra­len zu ver­stär­ken. Wi­ki­ra­ting (www.wi­ki­ra­ting.org) will ei­ne Al­ter­na­ti­ve zum Oli­go­pol von Fitch, Moo­dy’s und S&P bie­ten. Die Idee: In­ter­net-nut­zer be­wer­ten die Kre­dit­wür­dig­keit von Staa­ten und Un­ter­neh­men. Die ein­zel­nen No­ten, die sich an der Ska­la der Agen­tu­ren ori­en­tie­ren, kön­nen in ei­nem «Pol­ling» ab­ge­ge­ben wer­den. Dem­nach ent­schei­det der Nut­zer per ein­ma­li­gen Maus­klick über die Bo­ni­tät ei­nes Emit­ten­ten, die Mehr­heit ist mass­ge­bend. Ge­mäss die­ser Me­tho­de sind die Schweiz und An­dor­ra mit der No­te AA die Län­der der höchs­ten Bo­ni­tät.

Wi­ki­ra­ting bie­tet zu­dem den So­ver­eign Wi­ki­ra­ting In­dex. Er be­nutzt fünf Kri­te­ri­en mit un­ter­schied­li­cher Ge­wich­tung. Zu 50% fliesst die öf­fent­li­che Ver­schul­dung im Ver­hält­nis zum Brut­to­in­land­pro­dukt in die Be­wer­tung ein. 20% zählt die Leis­tungs­bi­lanz und je 10% die Wachs­tums-, die In­fla­ti­ons- und die Ar­beits­lo­sen­ra­te. Als Ba­sis die­nen Da­ten von OECD, Eu­ro­s­tat und Welt­bank. Die­se Ana­ly­se ist nichts Neu­es – die Me­tho­den der drei gros­sen Ra­ting­agen­tu­ren er­schei­nen aber im Ver­gleich deut­lich durch­dach­ter.

Län­der­ra­tings Die Ra­ting­agen­tu­ren er­kannt:

tiefs­ten Län­der­ra­ting welt­weit

hel­le­ni­sche Be­völ­ke­rung pro­tes­tiert ge­gen die zahl­rei­chen vom Par­la­ment be­schlos­se­nen Spar­mass­nah­men. Dass die Volks­wirt­schaft in der Kri­se steckt, ha­ben auch die drei gros­sen

Grie­chen­land wird mit dem be­ur­teilt – schlech­ter noch als Be­li­ze, Ecua­dor und Ku­ba.

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