Re­gu­la­ti­on in der EU

Finanz und Wirtschaft - - DERIVATE - AST IN­TER­VIEW: CLAU­DIA CARL

Re­gu­la­ti­on ist in al­ler Mun­de. Sie trifft nicht nur die Fi­nanz­märk­te, son­dern auch die Strom­in­dus­trie. So ist En­de De­zem­ber 2011 die Ver­ord­nung über die In­te­gri­tät und die Trans­pa­renz des Ener­gie­gross­han­dels­mark­tes (Re­mit) in der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) in Kraft ge­tre­ten. Sie ver­bie­tet In­si­der­han­del und Markt­ma­ni­pu­la­tio­nen im Ener­gie­gross­han­del. Re­mit ver­langt zu­dem, dass Markt­teil­neh­mer vor­lie­gen­de In­si­der­infor­ma­tio­nen recht­zei­tig be­kannt­ge­ben. Hier­zu wur­den In­stru­men­te ge­schaf­fen, wie die Trans­pa­renz­platt­form der Ener­gie­bör­se Eu­ro­pean Ener­gy Ex­ch­an­ge EEX. Dort wer­den bspw. ge­plan­te und un­ge­plan­te Kraft­werk­aus­fäl­le ge­mel­det, die die Strom­pro­duk­ti­on und so­mit auch die Prei­se be­ein­flus­sen kön­nen.

Eben­so tan­gie­ren die Fi­nanz­markt­re­for­men den Han­del mit Strom­de­ri­va­ten (vgl. Haupt­text). So wur­den jüngst neue Ge­set­ze zum De­ri­vat­han­del in der EU er­las­sen, die En­de 2012 in Kraft tre­ten sol­len (vgl. FUW vom letz­ten Sams­tag). Das Ge­setz soll im März vom Eu­ro­päi­schen Par­la­ment ver­ab­schie­det und von den EUMit­glied­staa­ten an­er­kannt wer­den. Da­bei han­delt es sich um ei­ne For­ma­li­tät.

Die Re­form, die un­ter dem Na­men Emir (Eu­ro­pean Mar­ket In­fra­struc­tu­re Re­gu­la­ti­on) be­kannt ist, for­dert, dass aus­ser­börs­lich (Over the Coun­ter, OTC) ge­han­del­te De­ri­va­te über zen­tra­le Ge­gen­par­tei­en (Cen­tral Coun­ter­par­ty, CCP) ab­ge­wi­ckelt wer­den. Es wird zu­dem ei­ne Mel­de­pflicht für Otc-trans­ak­tio­nen ein­ge­führt, sie wer­den in ei­nem Re­gis­ter er­fasst. Das soll die Trans­pa­renz er­hö­hen.

Ein Vor­teil der über CCP ab­ge­wi­ckel­ten De­ri­vat­trans­ak­tio­nen ist die Zen­tra­li­sie­rung. Da­durch wer­den ei­ner­seits mög­li­che Ri­si­ken im Fi­nanz­sys­tem sicht­ba­rer. An­der­seits müs­sen die Ge­schäf­te mit Wert­schrif­ten (Pfand bzw. Col­la­te­ral) un­ter­legt wer­den, das senkt die Ge­gen­par­tei­ri­si­ken mar­kant. Vor dem Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se wur­den sol­che Trans­ak­tio­nen in der Re­gel bi­la­te­ral zwi­schen den In­sti­tu­ten ab­ge­schlos­sen. Das Ge­gen­par­tei­ri­si­ko war da­durch von aussen kaum er­sicht­lich, zu­dem wa­ren die Ge­schäf­te sel­ten pfand­be­si­chert. Par­al­lel zu Eu­ro­pa ar­bei­ten die Re­gu­la­to­ren auch in den USA an neu­en Vor­schrif­ten, die En­de 2012 grei­fen sol­len. Das dor­ti­ge Dodd-frank-ge­setz sieht ähn­li­che Re­ge­lun­gen wie Emir vor. Lohnt es sich im ge­gen­wär­ti­gen Um­feld wei­ter­hin, in er­neu­er­ba­re Ener­gi­en zu in­ves­tie­ren? Für wen? Für in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger sind sol­che Pro­jek­te an­ge­sichts der Trends am Finanzmarkt wei­ter­hin at­trak­tiv. Ei­ne Pen­si­ons­kas­se hat ei­nen In­vest­ment­ho­ri­zont von zehn bis dreis­sig Jah­ren. Die Ren­di­teaus­sich­ten bei ei­nem ge­hedg­ten Pro­jekt lie­gen über 5% und sind so­mit deut­lich hö­her als in vie­len an­de­ren An­la­ge­klas­sen. da­mit, dass für die Be­trei­ber sol­cher An­la­gen ir­gend­ei­ne Form der Ver­gü­tung kom­men muss. Wer­den in Zu­kunft neue Spei­cher­mög­lich­kei­ten ne­ben der Was­ser­kraft die Vo­la­ti­li­tät durch Wind- und So­lar­strom we­nigs­tens teil­wei­se aus­glei­chen kön­nen? Es gibt in Eu­ro­pa ei­ni­ge gu­te Bei­spie­le für in­no­va­ti­ve An­sät­ze zur Ener­gie­spei­che­rung. Aber um ei­ne Wir­kung auf den Strom­markt zu ha­ben, rei­chen die Ka­pa­zi­tä­ten bei wei­tem noch nicht aus. In zehn bis zwan­zig Jah­ren könn­ten wir die über­schüs­si­gen Vo­lu­men vi­el­leicht da­mit aus­glei­chen, bis da­hin wer­den die Ver­zer­run­gen bei den Prei­sen aber zu­neh­men.

. . . Strom­pro­du­zen­ten und -käu­fer

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