Über­nah­me­spe­ku­la­tio­nen

WANDELANLEIHEN

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - STE­FAN ROSSKOPF,

Die ak­tu­el­len Quar­tals­zah­len zei­gen ein­mal mehr, dass für vie­le Un­ter­neh­men or­ga­ni­sches Wachs­tum nur noch schwer zu er­rei­chen ist. Auf­grund man­geln­der In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten ver­fü­gen vie­le Ge­sell­schaf­ten da­her über ei­nen enor­men Li­qui­di­täts­be­stand. Die Mi­schung Li­qui­di­tät, Man­gel an or­ga­ni­schen Wachs­tums­mög­lich­kei­ten so­wie nied­ri­ge Zin­sen bie­tet ein idea­les Um­feld für Zu­sam­men­schlüs­se und Über­nah­men. Be­son­ders die bri­ti­sche Pres­se spe­ku­liert über mög­li­che Zie­le. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen wur­den u. a. Mi­sys, Sains­bu­ry, Shi­re und In­mar­sat ge­nannt.

All die­se Ge­sell­schaf­ten ver­fü­gen über aus­ste­hen­de Wandelanleihen. Im Fal­le ei­ner Über­nah­me könn­te der An­le­ger dop­pelt pro­fi­tie­ren: Über ei­ne all­fäl­li­ge Über­nah­me­prä­mie auf den ak­tu­el­len zu­grun­de lie­gen­den Ak­ti­en­kurs und über ei­nen «Take­over Rat­chet». Die­se Klau­sel sieht vor, dass die ur­sprüng­li­che Prä­mie an­teils­mäs­sig – für die auf­grund der Über­nah­me weg­fal­len­de Rest­lauf­zeit – über ein hö­he­res Wan­del­ver­hält­nis an­ge­passt wird. Für ei­nen Wand­ler mit sechs Jah­ren Lauf­zeit und ei­ner ur­sprüng­li­chen Prä­mie von 30% wür­de sich das Ver­hält­nis nach zwei Jah­ren ge­mäss der Stan­dard­klau­sel 20% er­hö­hen. Ein Bei­spiel ver­deut­licht den Ef­fekt: Im März 2011 gab LVMH die Über­nah­me von Bul­ga­ri zu 12.25 € pro Ak­tie be­kannt. Der Preis der Bul­ga­ri Ak­tie stieg über Nacht 60%, der Preis des Bul­ga­ri-wand­lers da­ge­gen über 70%. Ein Grund war der Take­over-rat­chet, der den An­le­gern 22% zu­sätz­li­che Ak­ti­en ein­brach­te.

Die­ser Ef­fekt wird häu­fig vom Markt vor­weg­ge­nom­men, so­bald Ge­rüch­te kur­sie­ren. So stieg der Wand­ler des bri­ti­schen Sa­tel­li­ten­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ters 13⁄ 4% In­mar­sat 2017 (Isin: XS0331843523) dank Über­nah­me­ge­rüch­ten durch Ge­ne­ral Electric in­ner­halb ei­nes Ta­ges über 5%. Um mit Wandelanleihen von ei­ner mög­li­chen Über­nah­me zu pro­fi­tie­ren, ist es je­doch zwin­gend not­wen­dig, den Pro­spekt ge­nau zu stu­die­ren. So ist häu­fig ge­nau de­fi­niert, in wel­chem Fall der Take­over-rat­chet tat­säch­lich greift. Teil­wei­se ist der Über­nah­me­schutz auch zeit­lich be­grenzt oder die ma­the­ma­ti­sche Formel zur An­pas­sung des Wan­del­ver­hält­nis­ses weicht von der Stan­dard­klau­sel ab.

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