Fre­se­ni­us will wei­ter zu­kau­fen

DEUTSCH­LAND Ge­sund­heits­kon­zern in­zwi­schen breit auf­ge­stellt – Neun­zehn­te Di­vi­den­den­er­hö­hung in Fol­ge – Ak­ti­en fair be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT - THORS­TEN RIEDL

Un­ter Bran­chen­ken­nern gel­ten Fre­se­ni­us und die Toch­ter Fre­se­ni­us Me­di­cal Ca­re (FMC) als grund­so­li­de Wer­te. Eu­ro-kri­se, dro­hen­de Plei­te in Grie­chen­land oder auch der Man­gel an neu­en Block­bus­tern in der Phar­ma­in­dus­trie? Das scheint bei­den Kon­zer­nen mit Sitz im deut­schen Bad Homburg im ver­gan­ge­nen Jahr nichts aus­ge­macht zu ha­ben. Fre­se­ni­us-chef Ulf Schnei­der zog am Di­ens­tag ei­ne gu­te Bi­lanz und gab ei­nen er­mun­tern­den Aus­blick: In al­len Be­rei­chen will die Ge­sell­schaft zwei­stel­lig wach­sen. «Wir sind bes­tens auf­ge­stellt für wei­te­res Wachs­tum 2012 und da­nach», sag­te er. In­ves­to­ren hat­ten aber mit et­was mehr ge­rech­net.

Die Ge­schich­te von Fre­se­ni­us reicht zu­rück ins 18. Jahr­hun­dert. Da­mals kauf­te die Fa­mi­lie Fre­se­ni­us ei­ne Apo­the­ke in Frank­furt. In­zwi­schen ist dar­aus ein Kon­zern mit welt­weit fast 150 000 Mit­ar­bei­tern er­wach­sen. Die Fmc-ak­ti­en sind eben­so wie die Ti­tel der Mut­ter Mit­glied im Dax. Die Toch­ter ent­stand Mitte der Neun­zi­ger­jah­re, als Fre­se­ni­us den welt­weit gröss­ten An­bie­ter von Dia­ly­se­zen­tren über­nom­men und mit dem ei­ge­nen Dia­ly­se­ge­schäft ver­schmol­zen hat. Fre­se­ni­us ist mit FMC so­wie vier an­de­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten heu­te ein hoch di­ver­si­fi­zier­ter Me­di­zin­kon­zern.

Kon­zern­chef Schnei­der be­ton­te, dass die Mut­ter bei Wei­tem nicht mehr so ab­hän­gig vom Ge­schäft bei FMC sei wie noch vor we­ni­gen Jah­ren. Im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr er­reich­te der Fre­se­ni­us-kon­zern ei­nen Um­satz von 16,5 Mrd. € und ei­nen Ge­winn von 770 Mio. 55% des Er­lö­ses und 33% des Er­geb­nis­ses ba­sie­ren auf dem Bei­trag von FMC. Vor sie­ben Jah­ren, sag­te Schnei­der, la­gen die Wer­te noch bei 69 be­zie­hungs­wei­se 71%.

Lei­den der Toch­ter

Den­noch: FMC ist nach wie vor die gröss­te Toch­ter­ge­sell­schaft. Weil es in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten we­ni­ger gut läuft als ge­plant, ver­lo­ren Fre­se­ni­us und FMC am Di­ens­tag an Bör­sen­wert. We­gen der Spar­mass­nah­men der Us-re­gie­rung und da­mit ver­bun­den sin­ken­der Bud­gets für Ge­sund­heit pass­te das Ma­nage­ment be­reits im No­vem­ber das Um­satz­ziel für 2011 an. In den USA schaff­te der welt­weit gröss­te Blut­wä­sche­kon­zern FMC beim Er­lös nur ein Plus von 1%.

Zum Ver­gleich: Aus­ser­halb der Staa­ten stieg der Um­satz um 12%. FMC-CHEF Ben Lipps ver­sprach al­ler­dings wie­der «ein Re­kord­jahr» und stell­te ei­ne Di­vi­den­den­er­hö­hung auf 0,69 € in Aus­sicht. Es wä­re die 15. in Fol­ge. Ge­schla­gen wird die­se Ent- wick­lung noch in der Aus­schüt­tungs­po­li­tik des Mut­ter­kon­zerns. Ulf Schnei­der wird Auf­sichts­rat und Haupt­ver­samm­lung die 19. Di­vi­den­den­er­hö­hung vor­schla­gen. Mit ei­ner Di­vi­den­den­ren­di­te von et­was mehr als 1% lie­gen Fre­se­ni­us im Ver­gleich mit an­de­ren Dax-wer­ten am un­te­ren En­de. «Wir wol­len un­se­re Mit­tel mög­lichst für wei­te­res Wachs­tum ver­wen­den», sag­te Schnei­der. Er plant wei­te­re Zu­käu­fe.

In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren hat Fre­se­ni­us 17 Un­ter­neh­men über­nom­men, der durch­schnitt­li­che Kauf­preis lag bei 1 Mrd. €. Die Ein­kaufs­tour hat al­ler­dings die Net­to­fi­nanz­ver­bind­lich­kei­ten um 14% auf 9,2 Mrd. € stei­gen las­sen. Das Un­ter­neh­men hat sich selbst ei­ne Schul­den­ober­gren­ze vom 2,5- bis Drei­fa­chen des Brut­to­be­triebs­ge­winns (Ebitda) ge­setzt. Zum En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res lag der Ver­schul­dungs­grad bei 2,8.

Rei­ze der Mut­ter

Mit den Ak­qui­si­tio­nen hat Fre­se­ni­us zu­letzt vor al­lem die Spi­tal­spar­te ge­stärkt. He­li­os ist der gröss­te Kli­nik­be­trei­ber in Deutsch­land. Das Seg­ment wächst vor al­lem durch Zu­käu­fe von Spi­tä­lern, die pri­va­ti­siert wer­den, zu­letzt das Ka­tho­li­sche Kli­ni­kum Duis­burg.

He­li­os ist nach FMC und dem Ge­ne­ri­ka-ge­schäft Ka­bi der dritt­gröss­te Be­reich. Es fol­gen nach Um­satz der Spi­tal­dienst­leis­ter Va­med so­wie das de­fi zi­tä­re Bio­tech-seg­ment. Der Reiz von Fre­se­ni­us und FMC liegt in der brei­ten Auf­stel­lung über die Ge­sund­heits­bran­che. Zwar ge­ra­ten die Bud­gets in dem Be­reich in Eu­ro­pa und den USA un­ter Druck. Mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis ba­sie­rend auf Schät­zun­gen für 2012 von 15 für Fre­se­ni­us und 17 für FMC schei­nen bei­de Pa­pie­re aber nicht zu hoch be­wer­tet. We­gen der gu­ten Aus­sich­ten für Ka­bi und He­li­os soll­ten An­le­ger beim Kauf der Ak­ti­en der Mut­ter den Vor­zug ge­ben.

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