Wal­ter Mei­er türmt viel Li­qui­di­tät auf

SCHWEIZ Er­folg­reich und ka­pi­tal­stark – 5,2% Di­vi­den­den­ren­di­te

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - ANDRE­AS MEI­ER

Wer sich durch die Be­richt­er­stat­tung von «Fi­nanz und Wirt­schaft» der letz­ten Jah­re über die In­dus­trie- und Han­dels­grup­pe Wal­ter Mei­er liest, stösst wie­der­holt auf die vom Un­ter­neh­men ge­äus­ser­te Ab­sicht, den Free­float, al­so den An­teil des Ak­ti­en­ka­pi­tals, den die Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re hal­ten, zu er­hö­hen. Bis heu­te ist das aber kaum pas­siert. En­de 2011 be­sas­sen die Nach­kom­men des Un­ter­neh­mens­grün­ders 79,2% des Ka­pi­tals und gar 90,8% der Stim­men. Doch nun scheint ei­ne Free­float-er­hö­hung ab­seh­bar.

Free­float soll de­fi­ni­tiv stei­gen

Kurz vor En­de Jahr hat der bis­he­ri­ge Gross­ak­tio­när und ehe­ma­li­ge Un­ter­neh­mens­chef, Re­to E. Mei­er, sei­nen Ak­ti­en­be­sitz den bei­den Kin­dern, Sil­van Mei­er und An­ja Eg­ger-mei­er, über­tra­gen (die an­ste­hen­de Erb­schafts­in­itia­ti­ve warf ih­ren Schat­ten). Sil­van, der heu­te als CEO fun­giert und im Früh­ling das Vr-prä­si­di­um über­neh­men wird, be­sitzt nun di­rekt und über die Gre­en­tecHol­ding 59,2% der Stim­men, An­ja Eg­ger hält 19,6%. Eg­ger hat al­ler­dings an­ge­kün­digt, ih­ren An­teil ver­kau­fen zu wol­len. An­läss­lich der Bi­lanz­me­di­en­kon­fe­renz vom Di­ens­tag gab Sil­van an, dass für Ver­kauf und Plat­zie­rung der Ak­ti­en der Schwes­ter zwar ei­ne güns­ti­ge Bör­sen­ver­fas­sung ab­ge­war­tet wer­de, dass man sich aber «nicht fünf Jah­re Zeit » da­für ge­be. Viel­mehr sei das lau­fen­de oder das nächs­te Jahr der wahr­schein­lichs­te Plat­zie­rungs­zeit­punkt.

Der­zeit ist die Bör­se zwar wie­der in bes­se­rer Ver­fas­sung, und vie­le Ne­ben­wer­te – auch Wal­ter Mei­er zäh­len zu die­sem Seg­ment – ver­zeich­ne­ten in den letz­ten Wo­chen grös­se­re Avan­cen. Wal­ter Mei­er ge­wan­nen in die­ser Zeit­span­ne an­nä­hernd 20%, doch die Be­wer­tung der Ti­tel ist mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis von we­ni­ger als 10 klar un­ter­durch­schnitt­lich, ob­wohl es dem Un­ter­neh­men op­ti­mal läuft. Die Plat­zie­rung dürf­te folg­lich nicht un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen.

Der am Di­ens­tag ver­öf­fent­lich­te Jah­res­ab­schluss zeigt zwar ei­nen leich­ten Um­satz­rück­gang (vgl. Ta­bel­le), doch wäh­rungs- und ak­qui­si­ti­ons­be­rei­nigt konn­te ein Zu­wachs von 5,7% er­wirt­schaf­tet wer­den. Den har­ten Fran­ken be­kam Wal­ter Mei­er als Grup­pe nicht der­art ne­ga­tiv zu spü­ren, wie an­de­re Schwei­zer In­dus­trie­be­trie­be. Weil das Un­ter­neh­men über 50% des Um­sat­zes in der Schweiz er­wirt­schaf­tet – ei­nen Gross­teil da­von mit im­por­tier­ten Han­dels­pro­duk­ten –, be­wirk­ten die güns­ti­ger ge­wor­de­nen Ein­kaufs­prei­se so­gar ei­ne Mar­gen­er­hö­hung.

Der Be­triebs­ge­winn stieg grup­pen­weit 10,6% auf 56,5 Mio. Fr. Und un­ter dem Strich re­sul­tiert ein 26% hö­he­rer Rein­ge­winn von 51,9 Mio. Fr., was ei­nem Ge­winn pro Ak­tie von 25.02 Fr. ent­spricht. Da­von sol­len 12.50 Fr. als Di­vi­den­de aus­ge­schüt­tet wer­den, wo­mit ei­ne Pay-out Ra­tio von 50% er­reicht wird, was im un­te­ren Teil der Ziel­band­brei­te von 40 bis 70% liegt.

Scheu vor gros­sen Zu­käu­fen

Den­noch: Die Aus­schüt­tungs­quo­te ist hö­her als bei vie­len mit­tel­gros­sen Un­ter­neh­men (da sind es in der Re­gel 25 bis 45%), was da­her kommt, dass Wal­ter Mei­er ei­nen ho­hen frei­en Cash­flow er­wirt­schaf­tet. Al­lein 2011 wa­ren es 43,6 Mio. Fr.; Kon­se­quenz da­von ist, dass sich nun gar ei­ne Net­to­li­qui­di­tät (mehr li­qui­de Mit­tel als zins­tra­gen­de Schul­den) von 61 Mio. Fr. in der Bi­lanz auf­türmt. Wal­ter Mei­er hät­te folg­lich ge­nug Mit­tel, um ak­qui­si­to­risch zu wach­sen. Un­ter­neh­me­risch wä­re das ei­gent­lich auch an­ge­bracht. Denn Li­qui­di­tät wirft an­ge­sichts des nied­ri­gen Zins­ni­veaus kei­ne Ren­di­te ab – in­so­fern macht ei­ne ho­he Aus­schüt­tungs­quo­te Sinn.

Um­so mehr, als Un­ter­neh­mens­chef Sil­van Mei­er in Sa­chen Ak­qui­si­tio­nen nichts über­ei­len will. Zwar gab es auch 2011 klei­ne Zu­käu­fe; für ei­nen grös­se­ren Schritt will man sich aber Zeit las­sen. In den vier Tä­tig­keits­ge­bie­ten Luft­be­feuch­tung, Kli­ma, Tools und Werk­zeug­ma­schi­nen ist Wal­ter Mei­er be­reits der­art gut po­si­tio­niert, dass ei­gent­lich nur Abrun­dungs­ak­qui­si­tio­nen in Fra­ge kom­men. Ein fünf­tes Stand­bein von Wal­ter Mei­er ist zwar an­ge­dacht, aber vo­r­erst noch Zu­kunfts­mu­sik. Kon­kre­te Pro­jek­te gibt es kei­ne.

Im Ver­wal­tungs­rat kommt es mit der Ak­ti­en­über­tra­gung auf die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on zu ei­ner Rocha­de. Re­to E. Mei­er (bis­her Prä­si­dent) tritt ab und über­gibt an sei­nen Sohn; auch Kurt Schilt­knecht und Wer­ner Kum­mer ver­las­sen das Gre­mi­um. Ne­ben Sil­van Mei­er kommt der deut­sche Kli­ma­tech­nik-un­ter­neh­mer Al­f­red Gaf­fal neu ins Gre­mi­um.

Die Ak­ti­en von Wal­ter Mei­er sind reiz­vol­le Di­vi­den­den­ti­tel. Die feh­len­den Wachs­tums­per­spek­ti­ven be­gren­zen frei­lich vo­r­erst noch das Kur­s­po­ten­zi­al.

Wal­ter Mei­er N

Schind­ler sieht Zei­chen der Bes­se­rung im Us-ge­schäft, doch gros­se Hoff­nun­gen ver­knüpft der Kon­zern vor al­lem mit Chi­na.

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