Schind­ler prä­sen­tiert so­li­den Leis­tungs­aus­weis

SCHWEIZ Am­bi­tio­nier­te Ak­qui­si­ti­ons­stra­te­gie – Ge­win­ner­ho­lung im lau­fen­den Jahr

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - UL­RICH SCHÄ­RER

Schind­ler, der welt­weit zweit­gröss­te Her­stel­ler von Auf­zü­gen und Fahr­trep­pen, be­fin­det sich wei­ter auf Wachs­tums­kurs, zollt aber dem teu­ren Fran­ken Tri­but. So weist das Un­ter­neh­men ei­nen Um­satz­rück­gang von 4,1% auf 7,85 Mrd. Fr. aus; in Lo­kal­wäh­run­gen hät­te sich in­des ein re­spek­ta­bles Plus von 6,9% er­ge­ben. An­ders aus­ge­drückt hat die Wäh­rungs­um­rech­nung ei­nen Um­satz­ver­lust von 900 Mio. Fr. be­wirkt.

Der Be­triebs­ge­winn (Ebit) bil­de­te sich um 16,8% auf 790 Mio. Fr. zu­rück, in Lo­kal­wäh­run­gen er­rech­net sich ein Mi­nus von le­dig­lich 5,3%. Das Be­triebs­er­geb­nis wur­de zu­sätz­lich durch Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten von 135 Mio. Fr. be­las­tet: An­ge­spro­chen ist das Mass­nah­men­pa­ket Leap, mit dem un­ter an­de­rem die Kon­zern­struk­tu­ren in den USA und in Eu­ro­pa der «schwä­che­ren Nach­fra­ge an­ge­passt» wer­den. Per sal­do weist Schind­ler ei­nen kon­so­li­dier­ten Ge­winn von 611 Mio. Fr. aus, nach 711 Mio. im Vor­jahr. Die­ses Er­geb­nis lag im Rah­men des­sen, was Ana­lys­ten we­gen Fran­ken­auf­wer­tung und Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten er­war­tet hat­ten.

Schind­ler ver­zeich­net ei­nen Auf­trags­ein­gang von 8,25 ( Vor­jahr: 8,78) Mrd. Fr.; in Lo­kal­wäh­run­gen er­gibt sich ein Plus von 4,8%. Zu­frie­den zeigt sich die Schind­ler-füh­rung vor al­lem mit dem so­li­de wach­sen­den Auf­trags­vo­lu­men in Chi­na, In­di­en und Län­dern des süd­ost­asia­ti­schen Raums. Wie an­de­re Auf­zugs- und Fahr­trep­pen­her­stel­ler auch lei­det das Un­ter­neh­men aber un­ter den re­zes­si­ven Ten­den­zen im süd­eu­ro­päi­schen Raum.

Chi­na als Wachs­tums­trei­ber

Für Schind­ler ist of­fen­kun­dig, dass Asi­en und be­son­ders Chi­na in den nächs­ten Jah­ren die gros­sen Im­pul­se ge­ben wer­den. Der Welt­markt für Auf­zü­ge und Fahr­trep­pen ist 2011 auf 665 000 Ein­hei­ten ge­wach­sen, nach 567 000 im Vor­jahr. Rund 80% die­ses Wachs­tums kon­zen­trier­ten sich da­bei auf Chi­na. Im Be­richts­jahr grün­de­te Schind­ler auch ein neu­es Jo­int Ven­ture mit ei­nem chi­ne­si­schen An­bie­ter. Wei­te­re Initia­ti­ven sind zu er­war­ten: Pe­ter At­ha­nas, Mit­glied des Ver­wal­tungs­rats­aus­schus­ses, be­zeich­ne­te die Prä­senz in Chi­na ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» als «un­ge­nü­gend». «Des­halb wer­den wir wei­ter nach Kauf­ge­le­gen­hei­ten Aus­schau hal­ten. Un­ser Markt­an­teil ist trotz Fort­schrit­ten vor­läu­fig zu klein», be­ton­te er. Aus ei­ge­ner Kraft las­se sich das Po­ten­zi­al des chi­ne­si­schen Mark­tes nur un­ge­nü­gend er­schlies­sen. Wie de­zi­diert Schind­ler auf Ak­qui­si­ti­ons­kurs ist, be­legt auch das Jahr 2011, in dem der ko­lum­bia­ni­sche An­bie­ter An­do­ni über­nom­men wur­de. In der Schweiz wur­de Hens­ler Auf­zü­ge ge­kauft, die aus Sicht von Schind­ler für in­no­va­ti­ve, pa­tent­ge­schütz­te Tech­no­lo­gie steht.

Schind­ler ver­fügt über die Res­sour­cen für die­se Vor­wärts­stra­te­gie: Die Net­to­li­qui­di­tät er­reich­te zum Jah­res­en­de 2,5 Mrd. Fr. Schind­ler hat 2011 ei­ne An­lei­he über 600 Mio. Fr. zu güns­ti­gen Kon­di­tio­nen plat­ziert. Cash sei ent­schei­dend in ei­nem so schwie­ri­gen Um­feld, er­klärt Pe­ter At­ha­nas. Das heu­ti­ge Cash-pols­ter ge­be Spiel­raum für wei­te­re Ak­qui­si­tio­nen, wei­te­re In­ves­ti­tio­nen und zur Fort­füh­rung des Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramms.

Schind­ler hat von An­fang 2011 bis zum 6. Fe­bru­ar 2012 rund 337 000 Na­men­ak­ti­en und 1715 000 Par­ti­zi­pa­ti­ons­schei­ne im Ge­samt­wert von 204 Mio. Fr. er­wor­ben; die­ser Wert macht rund 1,5% der der­zei­ti­gen Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung aus. Die Ti­tel sol­len nach der Ge­neh­mi­gung durch die GV ver­nich­tet wer­den. Da­ne­ben kom­men die An­teils­eig­ner trotz der Um­rech­nungs­ver­lus­te in den Ge­nuss ei­ner un­ver­än­der­ten Di­vi­den­de von 2 Fr. je Na­men­ak­tie und Par­ti­zi­pa­ti­ons­schein; die für 2010 aus­ge­rich­te­te Zu­satz­di­vi­den­de von 1 Fr. ist er­war­tungs­ge­mäss kein The­ma mehr.

Zu­ver­sicht­li­cher Aus­blick

Für 2012 Jahr er­war­tet Schind­ler ein Um­satz­wachs­tum von 5% in Lo­kal­wäh­run­gen. Als Ge­winn­ziel nennt Fi­nanz­chef Erich Am­mann ei­nen Zu­wachs von «min­des­tens 10%», auch weil im lau­fen­den Jahr kei­ne wei­te­ren Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten im Rah­men von Leap an­fal­len wer­den. Als Ebit-mar­ge im Auf­zugs- und Fahr­trep­pen­ge­schäft nennt er ein Ziel von 13%, was je­doch ei­ne Her­aus­for­de­rung sei. Das frü­her ge­nann­te Ziel ei­ner Ebit-mar­ge von 14% für 2013 ist im der­zei­ti­gen Um­feld in Sü­d­eu­ro­pa und den USA noch schwe­rer zu er­rei­chen, auch wenn Am­mann wei­ter an das ent­spre­chen­de Po­ten­zi­al des Kon­zerns glaubt. Im Wäh­rungs­be­reich rech­net Schind­ler für 2012 mit mehr oder we­ni­ger un­ver­än­der­ten Re­la­tio­nen ge­gen­über Eu­ro und Dol­lar. Ei­ne Er­ho­lung die­ser Wäh­run­gen sei nicht ab­seh­bar.

An der Bör­se wur­den die durch Wäh­rungs­ein­flüs­se und Re­struk­tu­rie­run­gen ge­präg­ten Zah­len von Schind­ler ge­las­sen auf­ge­nom­men. Schind­ler PS avan­cier­ten bis zum frü­hen Nach­mit­tag 1,3%. Auf dem ge­gen­wär­ti­gen Kurs­ni­veau ha­ben sie ih­ren Preis: Der Ge­winn je PS zwar dürf­te die­ses Jahr schät­zungs­wei­se wie­der auf 5.64 Fr. stei­gen (vgl. Ta­bel­le). Das Kurs­Ge­winn-ver­hält­nis 2012 er­reicht da­mit an­nä­hernd 20 – ei­ne Be­wer­tung, die vor­läu­fig nicht zu Neu­en­ga­ge­ments reizt. Dass Schind­ler ein Stan­dard­wert ers­ter Gü­te sind, ist da­mit nicht in Fra­ge ge­stellt. Doch für Neu­en­ga­ge­ments soll­ten Kurs­schwä­chen ge­nutzt wer­den.

Schind­ler PS

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