Ge­gen­an­ge­bot für Mi­sys

SCHWEIZ Neue Of­fer­te stellt Fu­si­on mit Te­me­nos in Fra­ge

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/TECHNOLOGIE - FRANK HEINIGER

Te­me­nos N Der Zu­sam­men­schluss zwi­schen dem Gen­fer Ban­ken­soft­ware­her­stel­ler Te­me­nos und sei­nem bri­ti­schen Wett­be­wer­ber Mi­sys ist noch lan­ge nicht in tro­cke­nen Tü­chern: Am Mon­tag wur­de be­kannt, dass Vis­ta Equi­ty Part­ners ei­ne kon­kur­rie­ren­de Of­fer­te für Mi­sys ein­ge­reicht hat. Die in den USA do­mi­zi­lier­te Pri­va­teEqui­ty-ge­sell­schaft bie­tet – vo­r­erst pro­vi­so­risch – 360 p in bar für je­den Mi­sys-ti­tel, was ge­gen­über dem Schluss­kurs von Frei­tag ei­ner Prä­mie von rund 16% ent­spricht. Vis­ta Equi­ty Part­ners hat bis zum 19. März die Ge­le­gen­heit, ein bin­den­des Über­nah­me­an­ge­bot nach­zu­rei­chen.

Ganz über­ra­schend kommt die Of­fer­te al­ler­dings nicht. Be­reits letz­te Wo­che hat­te die Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg – ge­stützt auf In­si­der­quel­len – be­rich­tet, dass meh­re­re Pri­va­te-equi­ty-häu­ser ein Ge­gen­an­ge­bot in Be­tracht zie­hen.

Mel­det sich auch FIS?

Nicht ganz un­mög­lich scheint in der Zwi­schen­zeit ei­ne er­neu­te An­nä­he­rung von Fi­de­li­ty Na­tio­nal In­for­ma­ti­on Ser­vices (FIS). Der Te­me­nos-kon­kur­rent aus den USA hat­te sich be­reits im ver­gan­ge­nen Som­mer um Mi­sys be­müht. Trotz ei­nes Ge­bots von an­geb­lich 400 p pro Mi­sysVa­lor wur­den die Ver­hand­lun­gen im Au­gust er­folg­los ab­ge­bro­chen.

Jef­fe­ries-ana­lyst Mi­lan Ra­dia er­klär­te ge­gen­über Reu­ters, ein ak­tu­el­ler De­al könn­te nun be­reits bei ei­nem Preis von 380 bis 400 p pro Ak­tie durch­kom­men. Da­mit wer­de den seit letz­tem Som­mer ein­ge­trüb­ten Rah­men­be­din­gun­gen Rech­nung ge­tra­gen. Al­ler­dings müss­te sich ein al­ter­na­ti­ver Käu­fer auf die Su­che nach ei­nem neu­en CEO ma­chen: Der am­tie­ren­de Mi­sys-chef, Mi­ke La­wrie, über­nimmt spä­tes­tens per En­de März die Füh­rung des ITDi­enst­leis­ter CSC.

Das Vor­pre­schen von Vis­ta Equi­ty Part­ners ist nicht der ein­zi­ge Stol­per­stein, der ei­ne Fu­si­on zwi­schen Mi­sys und Te­me­nos ge­fähr­det. Ge­ra­de aus dem Ak­tio­närs­kreis des Gen­fer Un­ter­neh­mens wa­ren kri­ti­sche Stim­men zu ver­neh­men, die das aus­ge­han­del­te Tausch­ver­hält­nis als un­ge­recht ein­stu­fen. Bei ei­nem Zu­sam­men­schluss wür­den die Te­me­nos-ak­tio­nä­re pro Ti­tel 4,1 Mi­sys-va­lo­ren er­hal­ten. Die Bri­ten wür­den da­mit rund 54% des kom­bi­nier­ten Un­ter­neh­mens be­herr­schen.

Sy­ner­gi­en für Vis­ta un­klar

Wirt­schaft­lich be­trach­tet wür­de ei­ne Fu­si­on zwi­schen Mi­sys und Te­me­nos aber durch­aus Sinn ma­chen. Dank Sy­ner­gi­en wä­ren ge­mäss Schät­zun­gen von Ana­lyst Ra­dia ab 2013 Kos­ten­ein­spa­run­gen und Cross-sel­ling-po­ten­zi­al von rund 150 Mio. £ pro Jahr mög­lich. Al­ler­dings wür­de der Kon­zern durch ei­ne Pri­mär­ko­tie­rung an der Lon­do­ner Bör­se wohl aus dem SPI fal­len – selbst wenn ei­ne Se­kun­där­ko­tie­rung an der SIX bei­be­hal­ten wür­de. Das könn­te die At­trak­ti­vi­tät für Schwei­zer An­le­ger deut­lich schmä­lern.

Wel­che Sy­ner­gi­en sich der­weil Vis­ta Equi­ty Part­ners von Mi­sys ver­spricht, ist nicht ganz klar. Mög­lich scheint et­wa ei­ne Zu­sam­men­le­gung mit Tu­raz und ih­rer Flagg­schiff­pro­dukt­rei­he Kon­dor: Den Han­dels- und Ri­si­ko­ma­na­ger hat­te man ver­gan­ge­nes Jahr Thom­son Reu­ters ab­ge­kauft. Auch Mi­sys hat­te da­mals mit ei­ner Ak­qui­si­ti­on von Tu­raz ge­lieb­äu­gelt.

Dass im Ge­schäft mit Ban­ken­soft­ware ein ho­her Kon­so­li­die­rungs­druck herrscht, wur­de jüngst an ei­ner wei­te­ren Ak­qui­si­ti­on sicht­bar: Der fran­zö­si­sche Soft­ware­kon­zern So­pra gab ver­gan­ge­ne Wo­che be­kannt, ei­ne Mehr­heits­be­tei­li­gung am bel­gi­schen Wett­be­wer­ber Cal­la­taÿ & Wou­ters über­neh­men zu wol­len. Cal­la­taÿ & Wou­ters ver­treibt die Ban­ken­soft­ware Tha­ler, die So­pra mit ei­ge­nen An­wen­dun­gen ver­schmel­zen möch­te. Die Ver­wal­tungs­rä­te bei­der Ge­sell­schaf­ten ha­ben der Trans­ak­ti­on be­reits grü­nes Licht er­teilt.

Am Di­ens­tag leg­te Te­me­nos die Ge­schäfts­zah­len zum vier­ten Quar­tal 2011 vor. Die Re­sul­ta­te ent­täusch­ten: So­wohl der Um­satz von 127 Mio. $ wie auch der Ge­winn pro Ak­tie von 30 Cent ver­fehl­ten die Er­war­tun­gen. Das Ma­nage­ment gab zu­dem be­kannt, kei­nen Aus­blick für 2012 ver­öf­fent­li­chen zu kön­nen, so­lan­ge die Ge­sprä­che mit Mi­sys am Lau­fen sind.

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