Sul­zer trifft ei­ne gu­te Wahl

SCHWEIZ Klaus Stahl­mann ist neu­er CEO – Rei­cher Er­fah­rungs­schatz – Kon­zern stellt am Don­ners­tag Zie­le der nächs­ten vier Jah­re vor

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE/TECHNOLOGIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

End­lich ist Schluss – Schluss mit dem lan­gen War­ten, Schluss mit der Un­si­cher­heit und Schluss mit der dif­fu­sen Hemm­nis, wel­che die Ent­schei­dungs­freu­de in ei­nem Un­ter­neh­men oh­ne fest in­stal­lier­ten CEO zu dämp­fen droht: Die Win­ter­thu­rer In­dus­trie­grup­pe Sul­zer hat ei­nen neu­en Un­ter­neh­mens­füh­rer er­nannt, acht Mo­na­te nach der Rück­tritts­an­kün­di­gung von Ton Büch­ner und fast vier Mo­na­te, nach­dem Fi­nanz­chef Jür­gen Brandt die Füh­rung ad in­te­rim über­nom­men hat­te. Der neue CEO heisst Klaus Stahl­mann, war zu­letzt Vor­stands­vor­sit­zen­der von MAN Die­sel & Tur­bo und bringt für sei­ne neue Auf­ga­be bes­te Vor­aus­set­zun­gen mit.

Kennt die Welt von Sul­zer

Klaus Stahl­mann ver­fügt über ei­nen rei­chen Er­fah­rungs­schatz. Er ken­ne die Welt, in der sich Sul­zer be­we­ge, geo­gra­fisch und pro­duk­te­sei­tig sehr gut, be­ton­te Vr-prä­si­dent Jür­gen Dor­mann, als er den neu­en CEO am Di­ens­tag den Me­di­en vor­stell­te. Sei­ne Kar­rie­re­sta­tio­nen bei Krupp För­der­tech­nik, dem Pum­pen­spe­zia­lis­ten All­wei­ler, NSK und MAN be­le­gen, dass er mit End­märk­ten wie Gas, Ener­gie­er­zeu­gung oder Was­ser eben­so ver­traut ist wie mit den Pro­dukt­grup­pen Pum­pen, Tur­bo­ma­schi­nen und Mo­to­ren. Bei MAN hat­te er MAN Tur­bo ab 2007 er­folg­reich wei­ter­ent­wi­ckelt und die Sy­ner­gi­en frei­set­zen­de Fu­si­on mit MAN Die­sel zu MAN Die­sel & Tur­bo mit­in­iti­iert.

Trotz­dem lös­te die Er­nen­nung an der Bör­se kei­nen Bei­fall aus: In ei­nem schwä­cheln­den Ge­samt­markt, in dem In­dus­trie­wer­te ge­ne­rell un­ter Druck stan­den, ver­lo­ren Sul­zer bis Di­ens­tag­nach­mit­tag 1,6% (SPI: –0,4). Ein mög­li­cher Grund für das Aus­blei­ben ei­ner Avan­ce mag die nach wie vor gu­te Ar­beit von Sul­zer selbst sein. Die Jah­res­zah­len vom Don­ners­tag wür­den die gu­te Ent­wick­lung un­ter der In­te­rims­füh­rung von Jür­gen Brandt be­le­gen, schürt Vr-prä­si­dent Dor­mann Er­war­tun­gen. Sul­zer will dann auch ei­nen Aus­blick für die nächs­ten vier Jah­re ge­ben.

Ein an­de­rer Grund für die Zu­rück­hal­tung an der Bör­se dürf­te ein Ma­kel sein, der das Bild des neu­en Sul­zer-ceo der­zeit noch prägt und dump­fe Be­den­ken weckt: Auch Stahl­mann ge­riet in den Dunst­kreis je­ner Schmier­geld­af­fä­re, die MAN im Jahr 2009 er­schüt­tert und ei­ne Neu­ord­nung der Kon­zern­spit­ze er­zwun­gen hat­te.

Der «Fall» Stahl­mann

Nach der Rück­tritts­wel­le von 2009 zähl­te Stahl­mann zu den Hoff­nungs­trä­gern von MAN. Selbst für sei­nen Ar­beit­ge­ber über­ra­schend, leg­te er je­doch vor ei­nem Jahr sein Amt un­ver­mit­telt nie­der. Die Staats­an­walt­schaft München hat­te ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Da­bei ging es um ei­nen 2005 ge­schlos­se­nen In­fra­struk- tur­ver­trag von MAN Tur­bo in Ka­sachs­tan. Stahl­mann selbst stiess erst 2007 zu MAN. Zum Ver­häng­nis wur­de ihm ei­ne Kos­ten­rech­nung mit «mög­li­cher­wei­se kor­rup­ti­vem Hin­ter­grund». Weil die Sa­che su­spekt schien, hol­te sich MAN da­zu ex­ter­nen Rat ein. Die be­auf­trag­te Kanz­lei prüf­te die An­ge­le­gen­heit und emp­fahl, die Be­zah­lung frei­zu­ge­ben – was Klaus Stahl­mann mit sei­ner Un­ter­schrift denn auch tat.

Der «Fall Stahl­mann» war nie ein Fall. Mehr als Er­mitt­lun­gen gab es nicht, und die wur­den ver­gan­ge­nen Don­ners­tag ein­ge­stellt. Das war spä­ter als er­war­tet und er­klärt ge­mäss Jür­gen Dor­mann, wes­halb es bis zur Er­nen­nung ei­nes neu­en CEO so lan­ge ge­dau­ert hat. Für ihn ha­be schon bald fest­ge­stan­den, dass es kei­nen An­lass gibt, an der In­te­gri­tät von Klaus Stahl­mann zu zwei­feln, sagt Dor­mann. Stahl­mann ha­be da­her von An­fang an in der en­ge­ren Wahl ge­stan­den und schon bald als Wunsch­kan­di­dat ge­gol­ten. So­lan­ge die Er­mitt­lun­gen noch lie­fen, sei ei­ne Be­ru­fung aber nicht mög­lich ge­we­sen.

Der Vr-prä­si­dent ist über­zeugt, dass Sul­zer die Ver­zö­ge­rung in der Er­nen­nung auf­ho­len kann; Klaus Stahl­mann brau­che kei­ne gros­se Ei­n­ar­bei­tungs­zeit. Noch zieht der vor­han­de­ne Ma­kel Auf­merk­sam­keit auf sich. So­bald er aber ver­blasst ist, wird das Bild ei­nes be­schei­den wir­ken­den, fä­hi­gen Ma­na­gers Kon­tur an­neh­men.

Klaus Stahl­mann (geb. 1960) hat schon lan­ge als Wunsch­kan­di­dat ge­gol­ten.

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