Mit Soft­ware har­te Dol­lar ver­die­nen

IN­TER­NA­TIO­NAL Glo­ba­le Soft­ware­aus­ga­ben stei­gen – In­dus­trie ist stark frag­men­tiert – Vir­tua­li­sie­rung ge­winnt an Ak­zep­tanz – Gros­ser Hy­pe um Soft­ware as a Ser­vice

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - FRANK HEINIGER

Um­satz Soft­ware­bran­che

Mit Soft­ware har­te Dol­lar ver­die­nen. Das klappt noch im­mer – auch wenn sich die In­ves­ti­ti­ons­freu­de der Kun­den merk­lich ab­ge­kühlt hat. Laut den Markt­for­schern von Gart­ner dürf­te der Um­satz in der Soft­ware­in­dus­trie im lau­fen­den Jahr auf über 280 Mrd. $ klet­tern (vgl. Gra­fik). Ein Plus von 6%. Da­bei pro­fi­tie­ren die Wett­be­wer­ber da­von, dass Soft­ware in den Tech-bud­gets ein im­mer grös­se­rer Stel­len­wert zu­kommt. Die für die kom­men­den Jah­re er­war­te­ten Wachs­tums­ra­ten dürf­ten denn auch wei­ter­hin den It-durch­schnitt über­tref­fen.

Ver­all­ge­mei­ne­run­gen auf Ebe­ne der ein­zel­nen Un­ter­neh­men sind je­doch schwie­rig. Die Bran­che ist frag­men­tiert – und die Nach­fra­ge nach Soft­ware stark vom Um­feld ab­hän­gig, in dem sich die je­wei­li­gen Ab­neh­mer be­we­gen. Die­se Viel­falt er­schliesst sich beim Blick auf die dreis­sig gröss­ten Bran­chen­ver­tre­ter (vgl. Ta­bel­le). Ei­ne sorg­fäl­ti­ge Ti­tel­wahl ist für den Ak­ti­en­an­le­ger des­halb Pflicht.

Es wird fleissig vir­tua­li­siert

Trotz­dem ste­chen ein­zel­ne Trends her­vor. Im­mer wich­ti­ger wird Soft­ware as a Ser­vice. Das zeigt sich deut­lich an der stei­gen­den Über­nah­me­ak­ti­vi­tät (vgl. Text­box). Auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te der IT-ENT­schei­dungs­trä­ger ran­giert laut ei­ner IDCStu­die auch die Vir­tua­li­sie­rung ganz weit vor­ne. Sie er­laubt es, be­ste­hen­de Hard­ware­ka­pa­zi­tä­ten ef­fi­zi­en­ter zu nut­zen.

Am wei­tes­ten fort­ge­schrit­ten ist die Vir­tua­li­sie­rung von Ser­vern, da die zen­tra- len Com­pu­ter häu­fig un­ter­ge­nutzt blei­ben. Dank ent­spre­chen­der Soft­ware kön­nen die phy­si­schen Gren­zen auf­ge­ho­ben und meh­re­re Ge­rä­te zu ei­ner ein­zi­gen Ma­schi­ne «ver­schmol­zen» wer­den. Die Re­chen­last wird bes­ser ver­teilt, An­schaf­fungs- und Be­triebs­kos­ten wer­den ver­rin­gert. Ana­lys­ten von Van­son Bourne schät­zen, dass auf je­den phy­si­schen Ser­ver welt­weit be­reits sechs vir­tu­el­le Ma­schi­nen kom­men – mit stei­gen­der Ten­denz.

An­ge­führt wird das Ge­schäft mit der Vir­tua­li­sie­rung von Vm­wa­re, die rund zwei Drit­tel des Mark­tes be­herrscht. Da­hin­ter folgt Mi­cro­soft, die den Rück­stand dank gros­ser Be­mü­hun­gen ver­rin­gert hat. Ge­ra­de für klei­ne Un­ter­neh­men, die sich erst­mals mit der Vir­tua­li­sie­rung be­fas­sen, könn­ten sich die Pro­duk­te des Gi­gan­ten aus Red­mond als at­trak­ti­ve Al­ter­na­ti­ve er­wei­sen. Da­für hat Vm­wa­re vor al­lem bei Gross­kon­zer­nen ei­ne ein­drück­li­che Ba­sis ge­legt: Über 95% al­ler For­tu­ne-1000Un­ter­neh­men gel­ten als Vm­wa­re-nut­zer – was an­ge­sichts statt­li­cher Wech­sel­kos­ten ei­nen lang­fris­ti­gen Vor­teil be­deu­tet.

Mit der brei­ten Ak­zep­tanz im Ser­ver­Be­reich dürf­te die Vir­tua­li­sie­rung auf wei­te­re Ein­satz­ge­bie­te über­schwap­pen. So ha­ben auch vir­tua­li­sier­te Desk­tops das Zeug, sich in der Un­ter­neh­mens­welt zu eta­blie­ren. Da­bei wird nicht mehr je­der Ar­beits­platz mit ei­nem au­to­no­men, mög­lichst kom­plett be­stück­ten PC ver­se­hen, son­dern al­le Ab­läu­fe wer­den auf ei­nem zen­tra­len Ser­ver durch­ge­führt. Die Ap­pli­ka­tio­nen wer­den dann auf die je­wei­li­gen End­ge­rä­te ge­spielt, die über kei­ne gros­se Leis­tungs­fä­hig­keit mehr ver­fü­gen müs­sen.

Sol­che Lö­sun­gen er­leich­tern es IT-AD­mi­nis­tra­to­ren, rasch neue Ar­beits­plät­ze ein­zu­rich­ten und Pro­gram­me für den ge­sam­ten Kon­zern auf dem ak­tu­ells­ten Stand zu hal­ten. In der Vir­tua­li­sie­rung von Desk­tops ist das Us-soft­ware­haus Ci­trix Sys­tems ein trei­ben­de Kraft – auch wenn sich die Markt­durch­drin­gung noch nicht so schnell ein­ge­stellt hat wie er­hofft.

Mi­cro­soft un­ter Zug­zwang

Glaubt man den Um­fra­gen von Gart­ner, dürf­ten 2012 auch be­deu­ten­de Mit­tel in Bu­si­ness In­tel­li­gence und Ana­ly­tics flies­sen. Da­mit wird das Sam­meln und Ana­ly­sie­ren von Da­ten be­zeich­net, die an­schlies­send zur Ent­schei­dungs­fin­dung ge­nutzt wer­den. Um al­ler­dings mit den enor­men – häu­fig un­struk­tu­rier­ten – Zah­len­men­gen klar­zu­kom­men, sind spe­zia­li­sier­te Hard- und Soft­ware­lö­sun­gen nö­tig. Von die­sem Big Da­ta ge­nann­ten Trend ver­spre­chen sich It-kon­zer­ne wie IBM, SAP, Ora­cle und EMC ei­ni­ges.

Der gröss­te Soft­ware­kon­zern der Welt bleibt wei­ter­hin – mit Ab­stand – Mi­cro­soft. Al­ler­dings ist un­klar, wel­che Rol­le er auf lan­ge Sicht in der an­ge­bro­che­nen Post-pc-ära spie­len wird (vgl. FUW Nr. 12 vom 11. Fe­bru­ar). Rund 20% des Um­sat­zes macht Mi­cro­soft noch im­mer mit dem Win­dows-be­triebs­sys­tem, das von Hard­ware­an­bie­tern wie Dell oder Hew­let­tPa­ckard re­spek­ti­ve ih­ren Auf­trags­fer­ti­gern auf PC vor­in­stal­liert wird. Dass der Com­pu­ter­markt hin­sicht­lich Stück­zah­len wei­ter­wach­sen dürf­te, ist nur ein schwa­cher Trost. Denn der Preis, den Mi­cro­soft den Ab­neh­mern ver­rech­nen kann, ist un­ter an­de­rem vom End­preis der Ge­rä­te ab­hän­gig. Der kon­ti­nu­ier­li­che Zer­fall der Pc-prei­se hat des­halb auch auf Mi­cro­soft durch­ge­schla­gen.

Im Ge­gen­zug ver­zeich­nen im­mer­hin die Spar­ten Ser­ver and Tools und Bu­si­ness, die auf Un­ter­neh­mens­kun­den ab­zie­len, re­spek­ta­ble Zu­wachs­ra­ten. Ne­ben dem Ser­ver-ge­schäft hat sich Mi­cro­soft auch in der Desk­top-vir­tua­li­sie­rung po­si­tio­niert. Al­ler­dings läuft die­ser Trend dem tra­di­tio­nel­len Er­folgs­mo­dell zu­wi­der: Ge­ra­de mit der mög­lichst kom­plet­ten Aus­rüs­tung je­des PC – et­wa mit dem om­ni­prä­sen­ten Of­fice-pa­ket – ha­ben die Red­mon­der Mil­li­ar­den von Dol­lar ver­dient.

Wachs­tum oder Sta­bi­li­tät

Wer in Soft­ware­ak­ti­en in­ves­tie­ren will, hat grund­sätz­lich zwei Mög­lich­kei­ten: Va­lue oder Growth. Zu Ers­te­ren zäh­len eta­blier­te Schwer­ge­wich­te wie Ora­cle und SAP, die – trotz gu­ter ope­ra­ti­ver Ent­wick­lung – in den letz­ten Jah­ren ei­ne ste­ti­ge Kom­pres­si­on ih­rer Be­wer­tung er­lit­ten ha­ben. Auch Mi­cro­soft wer­den von den An­le­gern kaum mehr als Wachs­tum­s­ti­tel ein­ge­stuft. So wie­sen sie über das letz­te Jahr­zehnt ein Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) auf, das im Schnitt rund 15% über dem S&P 500 lag. Mit ei­nem KGV von 12 für 2012 wer­den sie nun hin­ge­gen mit ei­nem Ab­schlag ge­han­delt – deut­li­cher Aus­druck der ge­sun­ke­nen Ex­pan­si­ons­ra­ten.

Im­mer­hin ver­fügt Mi­cro­soft über ei­ne grund­so­li­de Bi­lanz und ho­he Cash­flows. Zu­dem bie­ten die Ti­tel ei­ne Di­vi­den­den­ren­di­te 2012 von 2,6%. Al­ler­dings gibt es kaum Fak­to­ren, die den Kurs in den kom­men­den Mo­na­ten trei­ben dürf­ten. Das nächs­te be­deu­ten­de Er­eig­nis ist die Lan­cie­rung des neu­en Be­triebs­sys­tems Win­dows 8, das im Herbst auf den Markt kom­men dürf­te und so­wohl auf PC wie auch auf Ta­blets aus­ge­rich­tet sein wird. Ob es bei der brei­ten Mas­se gut an­kommt und ei­nen Er­neue­rungs­zy­klus an­stösst, muss sich al­ler­dings erst noch wei­sen.

Mehr Wachs­tum ver­spre­chen die Ti­tel von Ci­trix Sys­tems, die je­doch mit ei­nem KGV von 27 für 2012 statt­lich be­wer­tet sind. Noch­mals teu­rer sind Vm­wa­re mit ei­nem KGV von 38. Ei­ne In­ves­ti­ti­on in EMC scheint hier des­halb at­trak­ti­ver: Der Us-spei­cher­kon­zern, der gleich­zei­tig vom Big-da­ta-trend pro­fi­tiert, ist an Vm­wa­re mass­geb­lich be­tei­ligt – und mit ei­nem KGV 2012 von 16 nicht zu kost­spie­lig.

Die 30 gröss­ten Soft­ware­kon­zer­ne

Be­su­cher­ma­gnet Win­dows 8. Mi­cro­soft-stand an der CES im Ja­nu­ar in Las Ve­gas.

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