Ser­vice­ba­sier­te An­wen­dun­gen ver­spre­chen ho­hes Wachs­tum

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - FH

Mie­ten statt kau­fen. Das ist – stark ver­ein­facht – das Prin­zip hin­ter Soft­ware as a Ser­vice (Saas). Die­se Nut­zungs­form zählt zu den an­ge­sag­tes­ten The­men der Soft­ware­in­dus­trie. Das zeigt sich nicht nur am Mar­ke­ting­rum­mel, son­dern auch in der stei­gen­den De­alak­ti­vi­tät: Die Zahl der Fu­sio­nen und Über­nah­men im Saas-seg­ment hat sich über die ver­gan­ge­nen Jah­re ste­tig er­höht (vgl. Gra­fik). Mit SAP (Suc­cess­fac­tors), Ora­cle (Right­now Tech­no­lo­gies und Ta­leo) so­wie IBM (De­man­dtec) ha­ben jüngst gleich drei It-gi­gan­ten zu­ge­grif­fen.

Her­kömm­li­che Soft­ware wird in der Re­gel vom End­nut­zer li­zen­ziert, auf der ei­ge­nen It-in­fra­struk­tur in­stal­liert und be­trie­ben (On Pre­mi­se). Bei Saas-lö­sun­gen wer­den die Ap­pli­ka­tio­nen hin­ge­gen vom An­bie­ter am Lau­fen ge­hal­ten, ge­war­tet und auf­da­tiert. Der Zu­griff der Kun­den ge­schieht über das In­ter­net. Ge­mäss Er­he­bun­gen der Markt­for­scher von For­res­ter Re­se­arch war Saas an­no 2010 für 7% des ge­sam­ten In­dus­tri­e­um­sat­zes ver­ant­wort­lich. Bis 2013 soll der An­teil auf re­spek­ta­ble 17% stei­gen. Das Wachs­tum ist dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass Saas spe­zi­fi­sche Vor­tei­le bie­tet. Vor al­lem klei­ne und mit­tel­gros­se Be­trie­be pro­fi­tie­ren da­von, dass sie die Soft­ware­aus­la­gen bes­ser ab­schät­zen kön­nen und kei­ne teu­re In­fra­struk­tur be­trei­ben müs­sen. Auch sind vie­le An­wen­dun­gen frei ska­lier­bar. So kann – bei tem­po­rä­ren Be­darfs­spit­zen – der Leis­tungs­um­fang rasch an die ei­ge­nen Be­dürf­nis­se an­ge­passt wer­den.

Die­sen Stär­ken ste­hen ei­ni­ge Schwä­chen ge­gen­über. Saas-lö­sun­gen sind in­halt­lich häu­fig nur be­grenzt per­so­na­li­sier­bar. Zu­dem ver­las­sen bei der Nut­zung mög­li­cher­wei­se sen­si­ti­ve Da­ten den Ein­fluss­be­reich der Ge­sell­schaft. Das kann kri­mi­nel­len Miss­brauch be­güns­ti­gen. Für ei­ni- gen Dis­kus­si­ons­stoff hat un­ter eu­ro­päi­schen Un­ter­neh­men zu­dem der US Pa­tri­ot Act ge­sorgt. Er er­laubt es Us-be­hör­den, auf Da­ten zu­zu­grei­fen, die phy­sisch auf Ser­vern in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten la­gern. Saas ge­winnt im­mer mehr an Ak­zep­tanz und zwingt da­mit die tra­di­tio­nel­len Wett­be­wer­ber zum Han­deln. Das il­lus­triert das Bei­spiel SAP: Sie­mens, ein gu­ter Kun­de des deut­schen Soft­ware­hau­ses, wand­te sich 2009 für das so­ge­nann­te Ta­lent Ma­nage­ment an den Saas-an­bie­ter Suc­cess­fac­tors – ob­wohl Sie­mens laut Bran­chen­ex­per­ten in Sa­chen IT eher als kon­ser­va­tiv galt. Die in­ter­net­ba­sier­ten An­wen­dun­gen von Suc­cess­fac­tors setzt der deut­sche In­dus­trie­kon­zern nun zur Wei­ter­ent­wick­lung sei­ner Mit­ar­bei­ter ein. Das Sap-ma­nage­ment kon­ter­te mit dem Scheck­buch: Im De­zem­ber über­nahm es den Em­por­kömm­ling für 3,4 Mrd. $ – was ei­ner statt­li­chen Prä­mie von 50% ent­sprach.

Die Saas-bran­che ist stark frag­men­tiert. Noch sind die meis­ten An­bie­ter auf sehr spe­zi­fi­sche Ein­satz­ge­bie­te fo­kus­siert. Das zeigt sich in den Grös­sen­ver­hält­nis­sen: Auf der Lis­te der um­satz­stärks­ten Kon­zer­ne ran­giert der be­deu­tends­te SaasSpe­zia­list, Sa­les­force.com, erst auf dem fünf­zehn­ten Platz (vgl. Ta­bel­le links). Das seit 2004 bör­sen­ge­lis­te­te Un­ter­neh­men ver­dient sein Geld vor­nehm­lich mit ei­ner web­ba­sier­ten Lö­sung zum Ma­nage­ment von Kun­den­be­zie­hun­gen (Cust­o­m­er Re­la­ti­ons­hip Ma­nage­ment). Wie vie­le ih­rer Ri­va­len strebt al­ler­dings auch Sa­les­force.com da­nach, das Leis­tungs­an­ge­bot ste­tig zu er­wei­tern.

Der­weil gibt es ei­ni­ge Un­ter­neh­men, die als On-pre­mi­se-spe­zia­list be­gon­nen, sich aber früh­zei­tig mit ser­vice­ba­sier­ten Pro­duk­ten ver­stärkt ha­ben. Bei­spiel ei­ner ge­lun­ge­nen Di­ver­si­fi­ka­ti­on ist In­tuit. Das auf Fi­nanz- und Steu­er­an­ge­le­gen­hei­ten von Pri­va­ten und KMU spe­zia­li­sier­te Soft­ware­haus hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Saas-pa­let­te er­folg­reich aus­ge­baut. In­zwi­schen trägt sie be­reits über 40% zum ge­sam­ten Kon­zern­um­satz bei.

Der gros­se Hy­pe um Saas hat sich auch in den Be­wer­tun­gen nie­der­ge­schla­gen. Nach deut­li­chen Kurs­a­van­cen sind die Ti­tel vie­ler Wett­be­wer­ber sehr hoch be­wer­tet. Sa­les­force.com wer­den zur­zeit mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) 2012 von 98 ge­han­delt. Auch Net­sui­te sind mit ei­nem KGV von 220 al­les an­de­re als güns­tig. Ein at­trak­ti­ve Mi­schung aus Wachs­tum und mo­de­ra­ter Be­wer­tung sind In­tuit. Mit ei­nem KGV für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr von 19 ha­ben sie noch Kur­s­po­ten­zi­al.

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