Buch­hal­tungs­feh­ler be­las­ten Wea­ther­ford

SCHWEIZ Ope­ra­tiv geht es für den Gen­fer Öldi­enst­leis­ter un­auf­ge­regt auf­wärts – Vor­steu­er­jah­res­ge­winn mehr als ver­drei­facht – Ver­hal­te­ne Zu­ver­sicht

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - BEAT HO­NEGGER

Die Öl­ser­vice­ge­sell­schaft Wea­ther­ford war­tet mit bes­ser als er­war­tet aus­ge­fal­le­nen Jah­res­zah­len auf. Im vier­ten Quar­tal per En­de De­zem­ber klet­ter­te so­wohl der Um­satz als auch der Ge­winn vor Zin­sen und Steu­ern (Ebit) auf Re­kord­wer­te. Der Aus­blick des te­xa­ni­schen Kon­zerns mit Sitz in Genf ist vor­sich­tig zu­ver­sicht­lich. Die gu­te Aus­gangs­la­ge ver­hall­te an der Bör­se un­ge­hört. Die Ak­ti­en Wea­ther­ford ver­lo­ren im Ge­gen­teil mar­kant. Am Di­ens­tag schlos­sen sie 11,2% tie­fer auf 14.30 Fr.

Der Grund der schlech­ten Re­ak­ti­on sind die nach wie vor un­ge­lös­ten Pro­ble­me in der Steu­er­buch­hal­tung. Sie wer­den viel stär­ker ge­wich­tet als das er­freu­li­che Er­geb­nis, das des­we­gen auch erst pro­vi­so­risch ist. Auf den Ge­winn­aus­weis wird ganz ver­zich­tet. Das Ma­nage­ment rech­net mit ei­nem Steu­er­auf­wand für das Fis­kal­jahr von 490 bis 520 Mio. $. Trotz be­trächt­lich «er­höh­ter Be­mü­hun­gen von An­ge­stell­ten und ex­ter­nen Be­ra­tern wäh­rend des gan­zen letz­ten Jah­res und in den ers­ten Wo­chen 2012» konn­te die Ana­ly­se der Steu­er­buch­hal­tungs­feh­ler noch nicht be­en­det wer­den, wie im Kommentar zu den Zah­len an­ge­führt wird.

Wea­ther­ford rech­net mit ei­ner noch­ma­li­gen Kor­rek­tur frü­her ver­öf­fent­lich­ter Fi­nanz­re­sul­ta­te im Um­fang von 225 bis 250 Mio. $. Da­von sol­len un­ge­fähr zwei Drit­tel die Jah­re vor 2009 be­las­ten. Aber auch die pro­vi­so­ri­schen An­ga­ben für 2011 könn­ten be­trof­fen sein. Auf die Net­to­ver­schul­dung soll das aber kei­ne Aus­wir­kun­gen ha­ben. Als Re­sul­tat die­ser noch nicht ab­ge­schlos­se­nen Un­ter­su­chun­gen warnt der Ver­wal­tungs­rat die An­le­ger aus­drück­lich da­vor, sich auf die bis­her pu­bli­zier­ten Zah­len ab­zu­stüt­zen.

Li­by­en ver­ur­sacht Kos­ten

Im vier­ten Quar­tal mel­det Wea­ther­ford aus Ein­nah­men von 3,7 Mrd. $ ei­nen Vor­steu­er­ge­winn von 254 Mio. $. In die­sem Be­trag ist ein aus­ser­or­dent­li­cher Ver­lust von 98 Mio. $ ab­ge­zo­gen. 67 Mio. $ da­von sind Rück­stel­lun­gen für Li­by­en, die we­gen dem Bür­ger­krieg nö­tig wur­den. 31 Mio. $ wen­de­te der Schwei­zer Öldi­enst­leis­ter für auf­ge­ge­be­ne Ge­schäf­te so­wie Re­struk­tu­rie­rungs- und an­de­re Kos­ten auf.

Den gröss­ten An­teil am Um­satz er­zielt Wea­ther­ford in Nord­ame­ri­ka. Un­ter dem Aspekt der geo­gra­fi­schen Ver­tei­lung rag­te 2011 um­satz­mäs­sig und ope­ra­tiv vor al­lem das Ge­schäft in den USA und in Latein­ame­ri­ka mit ho­hen Wachs­tums­ra­ten her­aus (vgl. Um­satz­auf­tei­lung in der Un­ter­neh­mens­zah­len­ta­bel­le). In Eu­ro­pa und West­afri­ka lief es durch­schnitt­lich. Nicht vom Fleck ist Wea­ther­ford in den als Na­her Os­ten/nord­afri­ka und Asi­en zu­sam­men­ge­fass­ten Re­gio­nen ge­kom­men. Der Rück­gang ist haupt­säch­lich auf die po­li­ti­schen Un­ru­hen in Li­by­en, Al­ge­ri­en und Ägyp­ten zu­rück­zu­füh­ren. Im Schluss­vier­tel­jahr hat sich die La­ge dort in­des wie­der ver­bes­sert – im Ver­gleich mit dem Vor­quar­tal stie­gen die Um­sät­ze 18%.

Im Ge­samt­jahr er­wirt­schaf­te­te der ame­ri­ka­ni­sche Öl­kon­zern ei­nen Um­satz von 12,99 Mrd. $ (+27,1%). Der Ge­winn vor Steu­ern und Zin­sen (Ebit) stieg im Jah­res­ver­gleich um mehr als zwei Drit­tel auf 1332 Mio. $. Auf der Stu­fe des Vor­steu­er­ge­winns konn­te das Er­geb­nis auf 772 Mio. $ fast ver­vier­facht wer­den. Die Net­to­ver­schul­dung per En­de Jahr re­du­zier­te sich zwar ge­gen­über dem Vor­quar­tal um 112 Mio. $. Im Jah­res­ver­gleich stieg sie je­doch 13,9% auf 7,2 Mrd. $.

Wi­der­strei­ten­der Ein­druck

Für das lau­fen­de Vier­tel­jahr stellt Wea­ther­ford ei­nen Ge­winn je Ak­tie – be­rei­nigt um Son­der­ef­fek­te – von 0.30 $ in Aus­sicht. Das liegt am un­te­ren En­de der vor drei Mo­na­ten für das Schluss­quar­tal pro­gnos­ti­zier­ten Span­ne (0.30 bis 0.34 $). Sai­so­na­len Ein­bus­sen in Russ­land und der Nord­see so­wie im asia­ti­schen Raum und im zen­tra­len Teil von Nord­ame­ri­ka ste­hen leicht hö­he­re Um­sät­ze in Ka­na­da ge­gen­über. Dank stei­gen­der Mar­gen in Latein­ame­ri­ka und neu­en Ver­trä­gen mit bes­se­ren Be­din­gun­gen und hö­he­ren Prei­sen in vie­len Re­gio­nen dürf­ten ge­mäss ei­ge­nen An­ga­ben da­für sor­gen, dass sich die ope­ra­ti­ve La­ge wei­ter po­si­tiv ent­wi­ckelt.

Wea­ther­ford bie­tet für den An­le­ger ein zwie­späl­ti­ges Bild. Die Ener­gie­ser­vice­ge­sell­schaft hält ei­nen gu­ten Ent­wick­lungs- trend von Um­satz und Er­trag. Das wür­de es er­lau­ben, die Ge­winn­schät­zun­gen für das lau­fen­de und nächs­te Jahr zu er­hö­hen. Es gibt je­doch ei­nen ge­wich­ti­gen Grund, ge­ra­de das Ge­gen­teil zu ma­chen. Die Steu­er­fehl­be­rech­nun­gen be­las­ten das Image der Öl­dienst­leis­tungs­grup­pe nach­hal­tig. Vor al­lem weil sie jetzt schon über ein Jahr an­dau­ern und nicht ab­seh­bar ist, wann sie be­rei­nigt sind. Auch die dar­aus re­sul­tie­ren­den Son­der­kos­ten las­sen sich nur schwer ab­schät­zen.

FUW re­du­ziert we­gen die­ser kein Ver­trau­en bil­den­den Un­wäg­bar­kei­ten die Vor­her­sa­gen leicht. Mit Kurs-ge­winn-ver­hält­nis­sen von 27 für 2012 und 20 für 2013 sind die Ti­tel da­mit im Bran­chen­ver­gleich teu­rer als an­de­re gros­se Öl­ser­vice­kon­zer­ne wie die ame­ri­ka­ni­schen Ri­va­len Hal­li­bur­ton (9 bzw. 8) und Schlum­ber­ger (12 bzw. 11). Das, ob­wohl die Ak­ti­en am Di­ens­tag viel ein­büss­ten. Ri­si­ko­be­rei­te An­le­ger kön­nen aber dar­auf set­zen, dass die Lö­sung der hart­nä­cki­gen Steu­er­pro­ble­me ei­nen Kurs­schub aus­lö­sen wür­de.

Wea­ther­ford N

Das Ge­schäft im Ener­gie­dienst­leis­tungs­sek­tor boomt dank vie­ler neu­er Öl- und Gas­fel­der wie in Wat­ford Ci­ty in Nord­da­ko­ta.

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